(Kiel) – Schon einmal, im Jahr 2013, hatten Hélène Grimaud und Thomas Hengelbrock gemeinsam mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester das Schleswig-Holstein Musik Festival eröffnet.

In diesem Jahr trafen die Protagonisten von damals in der Lübecker MUK erneut zusammen – dieses Mal war es mit einem rein französischen Programm, mit Werken von Ravel und Franck, die das Festival auch in diesem Jahr wieder auf eine großartige Erfolgsspur setzte.

Doch auch das diesjährige Abschlusskonzert am morgigen Sonntagabend, den 27. August 2017, um 20:00 Uhr in der Kieler Sparkassenarena, die im Volksmund weiterhin Ostseehalle genannt wird, ist nicht weniger bemerkenswert und wird das Festival in einem dreistündigen Programm gebührend beenden. Das Schleswig-Holstein Musik Festival hat für die diesjährige Saison bereits vorab eine Rekordbilanz gezogen: 20.000 Musikfreunde mehr besuchten das Festival in diesem Jahr als im Vorjahr. Insgesamt werden nach dem Abschlusskonzert 171.000 Menschen das Festival besucht haben.

Es ist gute Tradition, dass das NDR Elbphilharmonie Orchester auch den glanzvollen Abschluss des Schleswig-Holstein Musik Festivals bestreitet. Gute Tradition ist es auch, dass dabei stets ein spektakuläres Werk auf dem Programm steht. Diese Mal runden das NDR Elbphilharmonie Orchester unter Leitung des Ersten Gastdirigenten des Orchesters Krzysztof Urbański und das NDR Jugendsinfonieorchester mit Begleitung des Schleswig-Holstein Festival Chores sowie der Solisten Rosa Feola (Sopran), Jürgen Sacher (Tenor) und Michael Nagy (Bariton) das Musik Festival mit folgenden Werken ab:

     – Witold Lutosławski: Konzert für Orchester
     – Carl Orff: Carmina Burana

Stets stimmgewaltig und stimmungsvoll waren die SHMF-Abschlusskonzerte der vergangenen Jahre. Mit Mendelssohns „Elias“, Verdis „Messa da Requiem“ und Haydns „Schöpfung“ standen Werke auf dem Programm, die auf der Hitliste großer und bedeutender Chorwerke ganz weit oben rangieren. Das populärste Werk in dieser Serie fehlte allerdings bisher: Carl Orffs „Carmina Burana“. 2017 ist es nun soweit – 80 Jahre nach seiner Uraufführung im Juni 1937, in jenem Jahr also, das auch den Tod Ravels markiert.

Am Pult steht mit Krzysztof Urbański nicht nur einer der gefragtesten Dirigenten der jungen Generation, sondern auch der Leonard Bernstein Award-Preisträger des Jahres 2015. „O Fortuna“ lautet der Eingangschor von Orffs Werk, und wer damit nichts assoziieren kann, horcht spätestens in Takt 5 auf, denn dort erklingen erstmals jene vier simplen Töne, die wie das Klopfmotiv aus Beethovens „Fünfter“ zum Markenzeichen des gesamten Werkes wurden.
Die Glücks- und Schicksalsgöttin hatte bei Orffs Geniestreich auf jeden Fall die Finger mit im Spiel. „Fortuna hatte es mit mir gut gemeint, als sie mir einen Würzburger Antiquariatskatalog in die Hände spielte, in dem ich einen Titel fand, der mich mit magischer Gewalt anzog: ,Carmina Burana’“, schrieb Orff 1979, „[…] Bild und Worte überfielen mich“. Die mittelalterlichen Texte versetzten Orff in einen wahren Schaffensrausch, an dessen Ende ein Werk stand, dessen archaisch-elementarer Kraft sich bis heute niemand entziehen kann.

Preiskategorien: 78 € / 68 € / 58 € / 38 € / 28 € / 15 €

Anmerkung: Das Konzert wird live auf NDR Kultur übertragen.

von

Günter Schwarz – 26.08.2017