Die ungelöste Schleswig-Holstein-Frage und die Schleswig-Holsteinische Erhebung führen zum dreijährigen Krieg zwischen Dänemark und Preußen, der am 26. August 1848 mit dem Vertrag von Malmö einen Waffenstillstand bringt und – vorübergehend – die Machtverhältnisse in der Schleswig-Holsteinischen Frage regelt.

Die Schleswig-Holsteinische Erhebung war eine politische und militärische Auseinandersetzung der deutschen Bewegung in den Herzogtümern Schleswig und Holstein im Bündnis mit den meisten Staaten des Deutschen Bundes mit dem Königreich Dänemark. Die dänische Bezeichnung ist „Treårskrigen“. In diesem dreijährigen Krieg (1848–1851) offiziell als Schleswig-Holstein vereinigt, waren die beiden Herzogtümer von den meisten Staaten außerhalb des Deutschen Bundes nicht anerkannt.

Die Erhebung vom März 1848, die auf dem Rendsburger Paradeplatz am 18. März 1848 ihren Anfang nahm, führte zum Ersten Schleswig-Holsteinischen Krieg. Der Deutsch-Dänische Krieg einige Jahre später von 1864 wird auch als Zweiter Schleswig-Holsteinischer Krieg bezeichnet.


Paradeplatz in Rendsburg – Ausgangspunkt der Erhebung
Die vielen neuen politischen Strömungen des 19. Jahrhunderts beeinflussten auch die Entwicklung in der dänischen Monarchie, mit der die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg damals durch Personalunion verbunden waren. Der Wunsch nach Demokratisierung wurde bald von den Bestrebungen nach der Errichtung möglichst einheitlicher Nationalstaaten überlagert. Das Herzogtum Schleswig war gemischt deutsch, dänisch und friesisch besiedelt.

Dennoch beanspruchten die Nationalliberalen beider Seiten, die sehr bald auch durch andere politische Kräfte unterstützt wurden, jeweils das gesamte Herzogtum Schleswig. Die dänischen Nationalliberalen beriefen sich dabei auf die jahrhundertelange Lehnsverbindung Schleswigs mit der dänischen Monarchie und auf die historische Eidergrenze, die schon 811 zwischen Karl dem Großen und dem dänischen Wikingerkönig Hemming vereinbart worden war, und die deutschen Schleswig-Holsteiner auf den Vertrag von Ripen von 1460, wonach die Herzogtümer „up ewig ungedeelt“ (auf ewig ungeteilt) bleiben sollten, und dazu auf die ebenfalls seit Jahrhunderten währende staatsrechtliche Trennung von Königreich und Herzogtum. Außerdem betonte Herzog Christian August von Schleswig-Holstein-Sønderborg-Augustenburg seine Erbansprüche auf die Herzogtümer.

Die staatsrechtliche Situation stellte sich wie folgt dar: Das Herzogtum Schleswig war als dänisches Lehen – anders als Holstein – nicht Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Nach dem Wiener Kongress 1815 war Holstein Teil des Deutschen Bundes, Schleswig jedoch nicht. Zu den Besonderheiten der deutschen Geschichte zwischen 1815 und 1866 gehörte es, dass in den Staatsorganen des Deutschen Bundes auch ausländische Staatsoberhäupter saßen. Zu ihnen gehörte der König von Dänemark in seiner Eigenschaft als Herzog von Holstein.

Der dänische König Christian VIII. hatte durch seinen offenen Brief vom 8. Juli 1846 die Erbfolgeordnung aufzuheben versucht, durch die nach dem zu erwartenden Aussterben der Manneslinie im Königreich die weibliche Linie, in Holstein dagegen die Manneslinie der so genannten jüngeren königlichen Linie (Augustenburger Linie) zur Herrschaft kommen musste. Auf diese Weise wollte er das Auseinanderfallen des dänischen Staates verhindern, doch hatte er dadurch in den Herzogtümern große Aufregung erzeugt. Am 20. Januar 1848 starb der König; sein Sohn Frederik VII. versuchte vergeblich, einen Kompromiss zwischen (eider)dänischen und schleswig-holsteinischen Interessen zu erreichen. Die langsame Eskalation kam nach den Ereignissen im Februar und März zu einem Höhepunkt.

Nach der Pariser Februarrevolution 1848 kam es in ganz Europa zu politischen Unruhen, und in vielen deutschen Staaten brach die März-Revolution aus. Auch im dänischen Gesamtstaat überschlugen sich die Ereignisse. Da der neue König Frederik VII. wenig Interesse daran hatte, die Regierungsgeschäfte selbst zu führen, gestattete er die bereits von seinem Vater in die Wege geleitete Ausarbeitung einer künftigen dänischen Verfassung.

Dabei spielte die Stellung der Herzogtümer eine wichtige Rolle. Die deutschgesinnten Schleswig-Holsteiner fürchteten, dass sich die oppositionelle eiderdänische Linie im Parlament durchsetzen würde, die die Einverleibung Schleswigs in das Königreich betrieb, womit zum einen die von den Deutschgesinnten gewünschte Einheit der Herzogtümer unmöglich gemacht worden wäre, zum andern die eigenständige Stellung Schleswigs beendet worden wäre. Da die bestehende Personalunion mit Dänemark in Frage gestellt war, wünschten die deutschgesinnten Schleswig-Holsteiner darüber hinaus die Schaffung eines selbständigen, vollkommen von Dänemark unabhängigen deutschen Bundesstaates Schleswig-Holstein.

Am 18. März 1848 beschlossen in Rendsburg deutschgesinnte Vertreter der Ständeversammlungen Schleswigs und Holsteins, eine Deputation zum König (Friedrich VII.) mit der ultimativen Forderung einer freien Verfassung zu senden. Diese sollte unter anderem die Aufnahme Schleswigs in den Deutschen Bund und die Bildung einer schleswig-holsteinischen Volksarmee unter der Führung eigener Offiziere enthalten. Diese Forderungen hätten praktisch Schleswig-Holstein von Dänemark getrennt, nur noch der König wäre ein gemeinsamer geblieben.

Am 20. März interpretierte eine große öffentliche Versammlung im Kopenhagener Casino-Theater diese Nachricht in der Weise, dass ein Aufruhr in den Herzogtümern ausgebrochen sei. Angesichts dieser Drohung beschloss die Versammlung, den König aufzufordern, eine handlungsfähigere Regierung zu ernennen. Am nächsten Tag versammelten sich 15.000–20.000 Bürger und begaben sich zum Schloss, wo der König bekanntgab, er habe die Minister auf Empfehlung seines Geheimstaatsministers schon entlassen. Im neuen Kabinett waren mehrere nationalliberale Eiderdänen vertreten, wodurch sich Preußen provoziert fühlte und sich entschloss, eine militärische Lösung herbeizuführen.

Auf dem Lande drangen preußische Truppen unter Feldmarschall Friedrich von Wrangel, unterstützt durch schleswig-holsteinische Verbände, im Mai 1848 in Dänemark ein; durch den Einfluss Englands, Frankreichs und Russlands wurde jedoch am 26. August 1848 der Waffenstillstand von Malmö erzwungen.

von

Günter Schwarz – 26.08.2017