(Sankt Petersburg) – Seit Monaten sorgt „Matilda“, der neue Film des russischen Regisseurs Alexej Utschitel, bei orthodoxen Christen für Unmut. Der deutsche Schauspieler Lars Eidinger verkörpert darin den letzten Zaren, Nikolaus II., der sich in eine Ballerina verliebt. Prominente russische Filmemacher stellen sich hinter ihren Kollegen Alexej Utschitel, unter anderem Pawel Lungin („Taxi Blues“) und Alexander Seldowitsch („Sonnenuntergang“).

Die orthodoxe Christengemeinde Russlands sieht dem Filmstart mit Unmut entgegen, doch jetzt hat sich der russische Kulturminister Wladimir Medinski nach langem Schweigen energisch für den angefeindeten Film „Matilda“ des Regisseurs Alexej Utschitel eingesetzt. „Die Proteste von Monarchisten und konservativen Christen diskreditierten die staatliche Kulturpolitik wie die Kirche“, sagte er heute in Moskau. Nichts an dem Film mit deutschen Schauspieler Lars Eidinger als letztem Zaren sei beleidigend für Nikolaus II. oder die russische Monarchie. Offizielle Premiere soll am 26. Oktober sein.

Jeder Versuch orthodoxer Aktivisten, Vorführungen des Films zu verhindern, bedeute Zensur und verstoße gegen die Verfassung, schrieb Medinski in einer Mitteilung. Die „unvernünftigen Sektierer und Aufrührer“ seien ein Fall für die Behörden. Er rief die Polizei auf, den Druck auf den Staat und die Kinoindustrie zu unterbinden. So warfen am frühen Morgen des 31. August Unbekannte mehrere Molotow-Cocktails ins Fenster des Sankt Petersburger Filmstudios „Lendok“ am Krjukow-Kanal. Der Brand konnte von der Feuerwehr jedoch innerhalb weniger Minuten gelöscht werden. Eine Flasche schwärzte die Mauer des Gebäudes, eine zweite zerbrach ein Fenster und blieb im Rahmen stecken. Wäre sie ins Zimmer dahinter gelangt, das als Tonstudio und Vorführraum dient, so wäre der holzverkleidete Raum binnen Kürze ausgebrannt.

Utschitel erzählt in dem Film von der Beziehung zwischen dem Thronfolger (Lars Eidinger) und der polnischen Tänzerin Matilda Kschessinskaja (Lars Eidinger). Dies gilt Kritikern als Sakrileg, weil der 1918 ermordete Zar Nikolaus II. von der russisch-orthodoxen Kirche heilig gesprochen worden ist, und eine Affäre würde nicht ins fromme Bild passen.

Matilda Kschessinskaja war eine berühmte russische Primaballerina am berühmten Sankt Petersburger Mariinski-Theater, die vom Publikum geliebt wurde. Geliebt wurde sie auch von der Zarenfamilie der Romanows. Mit gleich drei Mitgliedern der Zarenfamilie hatte sie eine Beziehung.

von

Günter Schwarz – 13.09.2017