Die Gesellschaft macht es den Rauchern schwer. Sie werden auf Terassen oder Außenbereiche verbannt und auch an Bushaltestellen rümpft schnell jemand die Nase, wenn man sich eine Zigarette anzündet. Die wohl feindlichste Umgebung, in der sich ein Raucher aufhalten kann, sind die vielen REHA-Kliniken in unserem Bundesland.

Hier streifen Heerscharen von Therapeuten und Krankenpflegepersonal wie Dobermänner durch die Flure, um dem Raucher klarzumachen, wie ungesund sein Verhalten ist. Doch; ist es das wirklich? Es dauert nicht lange, bis die Raucher sich an den dafür vorgesehenen Plätzen zusammenrotten. Und nach 1-2 Wochen, während die Nichtraucher noch mit gesenktem Haupt einsam und allein durch die Anlage schleichen, haben die Raucher schon eine lustige homogene Gruppe Gleichgesinnter.

Man kennt sich – man grüßt sich … und man hilft sich natürlich auch aus. Damit fallen den Rauchern die Stresselemente der Abgeschiedenheit und Einsamkeit sehr schnell aus der Tasche. Faktoren, die durchaus zu einer Genesung beitragen. Einsamkeit macht krank. Raucher sind nie allein, wenn sie ihrer Sünde in kollektiver Eintracht fröhnen.

In den drei Wochen einer REHA lernt man beim Rauchen sehr nette Leute kennen. Menschen, die man mindestens dreimal am Tag trifft. beim Rauchen. Die Nichtraucher haben diese Gemeinschaft nicht. Zumindest sind mir keine Eckchen aufgefallen, in denen sich die Veganer heimlich treffen und Möhrchen tauschen. Rauchen fördert Gemeinschaft. Und Gemeinschaft trägt zur Genesung bei. So sieht das aus.

Michael Schwarz, 16.09.2017