(København) – Bereits vor zehn Jahren hat die muslimische Glaubenswelt das Bild von Mohamed mit einer Bombe als Turban erzürnt. die zu diplomatischen Verwicklungen und zu zahlreichen Anschläge auf dänische Einrichtungen und Firmen in der muslimischen Welt führten. Jetzt hat die dänische Ministerin für Ausländer, Integration und Wohnen, Inger Stojberg (Venstre / Rechtssoziale Partei), das Bild erneut veröffentlicht – angeblich als Ausdruck von „Freiheitsliebe“, wie sie sagt.

Ein dänisches Museum hatte sich geweigert, die Karikatur in seiner Themenausstellung über Gotteslästerung seit der Reformation zu zeigen. Daraufhin hat Stojberg dem Museum eine Lektion in Sachen Meinungsfreiheit erteilt. Sie postete nämlich ein Screenshot von ihrem iPad mit dieser Mohamed-Karikatur als Hintergrundbild bei Facebook und schrieb: „Das ist die Wahl des Museums und auch sein gutes Recht, aber ich denke, dass das eine Schande ist.“

Die dänische Gesellschaft sei eine freie Gesellschaft, betonte Stojberg. Dänemark sei ein Land, in dem man sagen und kritisieren könne, was man wolle. Die Karikatur des Zeichners Kurt Westergaard – jenes Mohamed-Bilds mit dem Bomben-Turban – sei eine gute Erinnerung daran.

Sie sei eine Anhängerin der „Freiheitsgrundlagen, die von Generationen von Dänen geschaffen wurden und auf denen unser Land steht“, schrieb die Ministerin weiter. Freiheit bedeute, „dass wir glauben können, was wir wollen, und sagen können, was wir denken – und wir können uns der völligen Gleichberechtigung der Geschlechter sicher sein. Ich glaube aufrichtig, dass wir stolz darauf sein können“, so Stojberg.

Die Mohamed-Karikaturen von Kurt Westergaard waren am 30. September 2005 in der dänischen Zeitung „Jyllands Posten“ veröffentlicht worden. Die Veröffentlichung rief eine Protestwelle in der muslimischen Welt hervor: Über 150 Menschen starben damals bei Ausschreitungen infolge von Protesten gegen die Blasphemie, wie es unter muslimischen Gläubigen gesehen wird.

Für die Ermordung des Künstlers und einer Reihe anderer Zeichner ist von muslimischen Einrichtungen und Staaten eine Belohnung von insgesamt ca. 150 Millionen Dollar ausgesetzt worden. Westergaard und seine Familie lebt seit 2007 unter Sonderschutz der dänischen Sicherheitsbehörden.

Als diplomatisch klug kann man diese Provokation der Ministerin trotz ihrer Argumentation in Bezug auf die „Freiheitsliebe“ der Dänen allerdings nicht bezeichnen. Zwar ist Blasphemie in Dänemark kein Verstoß gegen das Strafgesetz, und Gotteslästerung gehört zur freien Meinungsäußerung, aber dennoch sollte gerade eine Ministerin über so viel Feingefühl und diplomatisches Geschick verfügen, die Freiheit nicht zu überstrapazieren, denn wie heißt es so schön? – „Die Freiheit eines jeden Menschen endet dort, wo die Freiheit eines anderen Menschen beginnt!“ – Und die religiöse Freiheit, die es auch in Dänemark zu respektieren gilt, ist in Danmarks Riges Grundlov (dänisches Grundgesetz) ebenso verankert.

von

Günter Schwarz – 28.09.2017