(Venedig) – Mit ihren „Comissario Brunetti“-Romanen, die größtenteils auch verfilmt und deutschen Fernsehzuschauern nicht unbekannt sind, feiert das heutige Geburtstagskind Donna Leon weltweit Erfolge. Dabei wollte Leon gar nicht Autorin werden.

Donna Leon kam am 28. September 1942 in New Jersey zur Welt. Nach ihrem Studium wanderte sie in den 1960er-Jahren aus und arbeitete als Reiseleiterin in Rom, als Werbetexterin in London und unterrichtete Englisch in der Schweiz, im Iran, in China und Saudi-Arabien. Seit 1981 lebt Donna Leon in Venedig, wo auch ihre bekannten Romane mit „Commissario Guido Brunetti“ spielen. Dass sie mit ihren Bestsellern weltweit Erfolg hat, verdankt die Autorin einem Wink des Schicksals.

Eigentlich arbeitete die Literaturprofessorin im Iran an ihrer Dissertation über die englische Schriftstellerin Jane Austen. Doch ihre Arbeit ging im Chaos der von Aytollah Chomeini ausgelösten islamischen Revolution 1979 verloren. Nachdem sie bereits fünf Jahre in die Doktorarbeit investiert hatte, sah die Amerikanerin dieses Ereignis als göttliche Fügung. „Das ist die Hand Gottes. Wäre das nicht passiert, wäre ich jetzt Professorin und nicht Autorin“, sagte sie später in einem Interview.

Inzwischen lebt sie seit mehr als 30 Jahren in Venedig. Der morbide Charakter der Stadt inspiriert sie zu ihren Geschichten. Seit der Ersterscheinung „Venezianisches Finale“ 1991 gab Leon jedes Jahr einen neuen Brunetti-Krimi heraus. Mittlerweile sind 26 Fälle dieses Kommissars erschienen. Die weitgehend gewaltlosen aber finsteren Romane werden in 34 Sprachen übersetzt und auf der ganzen Welt verkauft.

Klassische Musik ist Donna leons große Leidenschaft. In der Oper kam ihr auch die Idee für ihre Geschichten mit Komissar Brunetti, als sie sich einmal gemeinsam mit ihrem Sitznachbar über den Dirigenten aufregte. 2016 brachte sie zudem als Filmproduzentin einen Dokumentarfilm über die schlechteste Opernsängerin der Welt, Florence Foster Jenkins, heraus.

Eine weitere große Liebe ist die Legunenstadt Venedig. In ihrem Buch „Gondola“ thematisiert Donna Leon das Problem der Kreuzfahrtschiffe, die vor der venezianischen Küste verkehren. Das Werk ist eine Liebeserklärung an ihre Wahlheimat. Anscheinend ist das italienische „Dolce Vita“ eine Hauptzutat für ihre finsteren Kriminalfälle.

Auf eigenen Wunsch hin werden ihre Bücher in Italien nicht verkauft. So kann die Schriftstellerin ihre Spaziergänge durch die Gassen Venedigs weiterhin in aller Unbekanntheit genießen. Bodenständig, bescheiden und kultiviert: Das ist Donna Leon seit nun 75 Jahren.

von

Günter Schwarz – 28.09.2017