Die dänische Industrie sieht ein Problem für den Handel und das herstellende Gewerbe darin, dass immer weniger Dänen die deutsche Sprache verstehen und gar sprechen können. Aus dem Industrieverband heißt es: „Deutschland ist unser nächster Nachbar und größter Handelspartner, aber wir haben Schwierigkeiten miteinander zu sprechen.“

Das zeigt sich sowohl in der Jugendbildung als auch in der geringeren Wertschätzung der deutschen Sprache in den letzten Jahren, so das Bildungsministerium. Es ist auch in der Wirtschaft zu spüren, wo es schwer wird, Mitarbeiter mit guten Deutschkenntnissen zu finden.

Es ist ein Problem für die vielen Unternehmen in Dänemark, die mit deutschen Unternehmen handeln. Bereits in Syddanmark und Sønderjylland haben mehr als 1.000 Unternehmen deutsche Handelspartner. Das meldet Danmarks Radio Syd.

Einer von ihnen ist der Maschinen- und Anlagebauer Agramkow in Sønderborg. „Unsere großen deutschen Kunden sind es gewohnt, in deutscher Sprache zu kommunizieren, und es ist auch einer der Gründe, warum sie bei Agramkow einkaufen“, sagt Vertriebsleiter Lars Peter Christensen. „Es wird immer schwerer, Menschen zu finden, die Deutsch sprechen können. Die letzten, die wir angestellt haben, mussten wir auf Deutschkurse schicken, um deren Deutschkenntnisse zu verbessern“, sagt er zu DR Syd.

Die stellvertretende Direktorin Charlotte Rønhof sagt, dass es für die Beziehung zwischen dänischen und deutschen Unternehmen sehr viel bedeutet, dass dänische Unternehmen Deutsch sprechen können.

„Studien weisen darauf hin, dass das Potenzial für den Handel mit Deutschland noch größer ist als das, was wir bereits nutzen. Wir sind in Norddeutschland gut bekannt, aber in Süddeutschland gibt es ein großes Potenzial mit sehr bekannten und durchaus interessierten Firmen. Das heißt aber, dass wir in Deutsch besser werden“, sagt Charlotte Rønhof zu DR Syd.

Der sprachliche Fokus vieler Dänen ist schwer auf Englisch ausgerichtet, wenn man die ehemalige Prorektorin der Universität Kopenhagen (2006 – 2011) und Deutschlandkenner Lykke Friis fragt. „Im Moment konzentrieren sich Schule und Gesellschaft zu sehr auf Englisch. Es ist ein bisschen das gleiche, als wenn Sie mit einer Aktie handeln. Das sollte man mit Sprachen nicht machen. Wenn wir Deutsch sprechen können, können wir hinausgehen und brauchen uns nicht hier zu Hause festhalten“, sagt sie zu DR Syd.

Sie betont, dass Deutschland immerhin größter Handelspartner Dänemarks ist, und wenn es um die europäische Zusammenarbeit geht, sind es auch diejenigen, die den „Stab schwingen“ und das Sagen haben. „Natürlich können Deutsche auch Englisch sprechen, und es ist auch nicht verboten, Englisch mit ihnen zu sprechen. Aber die Beziehung zwischen uns wird nur viel besser sein, wenn wir dieselbe Sprache sprechen können. Es ist etwas, was Deutsche sehr schätzen“, sagt sie.

Bei Agramkow Sønderborg nicken sie anerkennend für die Auslegung und Verkaufsleiter Lars Peter Christensen kann dem nur zustimmen. „Wenn es weniger Deutschsprachige gibt, denke ich, dass dies in Zukunft ein Problem für das Unternehmen sein wird. Um das zu kompensieren, wird sicherlich die Folge sein, dass wir stattdessen mehr Deutsche einstellen müssen“, sagte er DR Syd.

17 Prozent der dänischen Exporte gehen nach Deutschland. Dies entspricht etwa 100 Milliarden Kronen (13, 43 Milliarden Euro) pro Jahr.

von

Günter Schwarz – 17.10.2017