1728 – Im Kopenhagener Feuer, das am 20. Oktober 1728 ausbricht, brennen zwei Fünftel der Stadt, darunter das Rathaus, mehrere Kirchen und 1700 Häuser nieder. Etwa 4.000 Familien werden obdachlos.

Es ist nicht ganz klar, wann das Feuer in den Abendstunden am 20. Oktober 1728 genau ausbrach. Die Quellen erwähnen Zeiten zwischen18 und 20:30 Uhr, aber wahrscheinlich war es um 19:30 Uhr. Der Ort ist jedoch sicher: Nahe von Vesterport liegt die Lille Sankt Clemens Stræde. Und an der Ecke von Vestervold stand ein Haus mit der Hausnummer 146 nach der Volkszählung von 1699. Heute mündet dort ungefähr an derselben Stelle die Frederiksberggade auf den Rathausplatz. 1728 war es dasHaus von Signe, der Witwe von Boye Hansen. Unter den Mietern des Hauses waren der Marketender (Gastronom) Peder Rasmussen und seine Frau Anne Iversdatter. Bei ihnen auf dem Dachboden brach das Feuer aus.

Der Feueralarm wurde allerdings schnell ausgerufen, aber die primitive Ausrüstung der Feuerwehr, einige seltsame Anordnungen von den Leitern der Brandbekämpfung zund eine Reihe von unglücklichen Umständen machten den Kampf gegen die Flammen hoffnungslos. Besonders der Stadtkommandant von København, Georg Wilhelm von Hedwiger Sponneck, spielte eine unglückliche Rolle, da er sich weigerte das westliche Stadttor zu öffnen, um Wasser aus dem Stadsgraven (Stadtgraben) holen zu können oder gar Hilfe aus Gemeinden der Nachbarschaft zu erhalten. Sponneck fürchtete, dass seine Soldaten desertieren würden, wenn das Tor geöffnet ließe.

Der Wind blies aus dem Südwesten und verbreitete das Feuer entlang der Lille Sankt Clemens-Gade, der Store Sankt Clemens-Gade, der Vombadstuestræde, der Antiquitetsstræde und der Hellig-Kors Stræde bis hinein in die Vestergade, die um die Mittagszeit des Donnerstags beidseitig in Flammen stand. Von hier aus arbeitete das Feuer durch die Stor Lars Bjørns Stræde sowie die Lille Lars Bjørns Stræde (jetzt Larsbjørnsstræde) und die Studiestræde.

Am Abend erreichte das Feuer die St. Peders Stræde, wo sich das Valkendorf Kollegium befand und die Flammen das Hörsaalgebäude mit der Bibliothek fraß. Professor Peder Nielsen Horrebow, der am Kollegium lebte, verlor den größten Teil seiner Existenz. Zur gleichen Zeit erreichte das Feuer den Wohnsitz von Professor Hans Steenbuch in der Studiestræde, und gegen Mitternacht das Feuer am Pfarrhof der Sankt Petri Kirke.

In der Nørregade brach am Mittwochabend – möglicherweise zwischen 22 und 23 Uhr – ein neues Feuer in einer Brauerei aus. Kurz danach erreichte das Feuer den Gammeltorv, wo sich alle bemühten, es zurückzuhalten und dennoch zu spät kamen. um das neue Feuer einzudämmen. Als sich der Wind um Mitternacht nach Westen drehte, wurde die Lage für dieNørregade noch kritischer, denn dadurch wurde das Feuer von breiter Front auf die Straße getrieben. Anfangs bemühte man sich, das Feuer auf der Westseite von der Nørregade halten zu können, aber nachts breitete es sich auch auf die Ostseite aus. Zur gleichen Zeit zog das Feuer die heutige Nørre Voldgade hinauf in Richtung Nørreport.

Der Brand wütete drei Tage in der Stadt, und erst der einsetzende Regen am Samstag konnte das Feuer endgültig löschen. Im Einklang mit dem christlichen Verständnis des frühen 18. Jahrhunderts wurde dieser Regen als Ergebnis der direkten Intervention Gottes angesehen. Um Gott zu danken, führte der König am 23. Oktober einen alljährlichen Københavner Feiertag ein, in dem ein Dankes-Gottesdienst in allen Kirchen von København stattfanden. Dieser Feiertag wurde erst durch Johann Friedrich Struensee mit der Reform der Herrschaft des Königs von 1770 im Sinne der Aufklärung abgeschafft.

Der Verlust von Eigentum am Feuer kann ziemlich sicher geschätzt werden, da detaillierte Listen unmittelbar nach der Feuerbrunst erstellt wurden. Der Stadtkommandant Søren Balle übergab am ersten November 1728 und am 13. April 1729 Københavns Magistrat ein entsprechendes, durch königliches Reskript vom 12. Dezember 1728 vorbereitetes Schreiben. Der Unterschied zwischen den beiden Aufzeichnungen ist bescheiden: Laut Kaare Lauring geht es nur um das Ausmaß des Schadens in Bezug auf 43 Zählungen. Es ist ganz sicher, dass 1.227 Orientierungspunktzahlen mit ca. 1.600 Gebäuden ein Raub der Flammen wurden. Dieses ist damit zu vergleichen, dass ganz København aus seinerzeit aus ca. 4.500 Gebäuden bestand. Also verbrannten ungefähr 28% der Gebäude der Stadt, Unter Berücksichtigung auf den mittelalterlichen Teil der Stadt steigt der Prozentsatz sogar auf 47%.

von

Günter Schwarz – 20.10.2017