Der dänische Informatik-Pionier und Turingpreisträger Peter Naur erblickt am 25. Oktober 1928 in Frederiksberg bei København das Licht der Welt.

Peter Naur war namensgebend an der Entwicklung der BNF-Notation (Backus-Naur-Form) beteiligt, die in der Beschreibung der Syntax vieler Programmiersprachen verwendet wird. Er wirkte auch bei der Entstehung der Programmiersprache Algol 60 mit.

Naur begann seine Karriere als Astronom. Schon während der Schulzeit entwickelte er sein Interesse für Astronomie und half im Observatorium der Universität København bei der Berechnung von Kometen- und Planetenbahnen.

Ab 1947 studierte er an der Universität København und erhielt 1949 sein Diplom. Von 1950 bis 1953 hatte er verschiedene Forschungsaufenthalte in England und den USA. Von 1953 bis 1959 war er wieder wissenschaftlicher Assistent in København, wo er 1957 seinen Doktortitel erhielt. Während dieser Zeit arbeitete er auch als Berater bei Regnecentralen (RC), einem dänischen Computerhersteller, der den ersten dänischen Computer entwickelte.

Seine Begegnung mit Computern führte daher zu einem Wechsel seines Fachgebiets. Von 1959 bis 1969 war er bei Regnecentralen angestellt. Dort beschäftigte er sich mit höheren Programmiersprachen und wurde so an der Entwicklung von Algol 60 beteiligt. Zugleich hielt er Vorlesungen am Niels-Bohr-Institut und an Danmarks Tekniske Universitet (Dänemarks Technischer Universität). Von 1969 bis 1998 war er Professor für Informatik an der Universität København.

Naur prägte den Begriff „Datalogie“, der in den meisten skandinavischen Ländern an Stelle von Informatik bzw. Computerwissenschaft übernommen wurde.
Seine Hauptforschungsgebiete waren Design, Struktur und Performance von Computerprogrammen und Algorithmen. Er war außerdem ein Pionier auf weiteren Gebieten wie der Softwaretechnik und Softwarearchitektur. In seinem Buch „Computing: A Human Activity“ (1992), das eine Sammlung seiner Beiträge zur Informatik ist, griff er die formalistische Schule des Programmierens als Zweig der Mathematik an. Er mochte ungern mit der Backus-Naur-Form in Verbindung gebracht werden (dieses geschah durch Donald Knuth) und sagte, dass er sie lieber „Backus-Normal-Form“ nennen würde.

In späteren Jahren hat Naur sich mit der Wissenschaft als Ganzem auseinandergesetzt. Wahrscheinlich kann er zur empirischen Schule gerechnet werden, die besagt, dass man nicht nach tieferen Verbindungen zwischen den Dingen suchen, sondern sich an beobachtbare Fakten halten soll, wie sie sich in der Welt tatsächlich manifestieren. Unter diesem Gesichtspunkt hat er bestimmte Richtungen der Philosophie und der Psychologie kritisiert.

Peter Naur war mehrere Male verheiratet – unter anderem mit Christiane Floyd – und wurde Vater von vier Kindern. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit liebte Naur es, sich mit klassischer Musik von der geistigen Arbeit zu entspannen.

Er verstarb am 3. Januar 2016 in der Kleinstadt Herlev im Westen der Metropolregion von København.

von

Günter Schwarz – 25.10.2017