(København) – Nach zahlreichen Vorwürfen auch aus den eigenen Reihen, sie habe ihr Amt mehrfach zum eigenen Vorteil oder zum Vorteil Bekannter genutzt, zieht die Københavner Bürgermeisterin für Beschäftigung und Integration Konsequenzen und zieht sich aus der Politik zurück.

Anna Mee Allerslev (Radikale Venstre) teilte heute auf einer Pressekonferenz mitgeteilt, sich aus dem politischen Geschäft zurückzuziehen. Allerslev ist Bürgermeisterin für Beschäftigung und Integration in København – was dem Posten einer Ausschussvorsitzenden in anderen Kommunen entspricht. Allerslev war bisher zudem Spitzenkandidatin der sozialliberalen Radikale Venstre in København für die dänische Kommunahlwahl am 21. November.

Nachdem sie einen Rathaussaal kostenlos für einen privaten Hochzeitsempfang genutzt hatte, war die Politikerin in die Schlagzeilen geraten. Sie bezahlte die 65.000 Kronen, die Privatpersonen normalerweise als Raummiete zahlen, aus eigener Tasche nach. Dennoch haben ihr mehrere Parteifreunde inzwischen die Rückendeckung entzogen. Auch, weil der Politikerin weitere ähnliche Fälle und vom ehemaligen Københavner Radikalen-Chef Bo Nissen Knudsen „Lügen und Intrigen“ vorgeworfen werden. Knudsen war am Dienstag aus Protest gegen Allerslev zurückgetreten.

Am Mittwoch dann warf die Regionsratspolitikerin Charlotte Fischer ihrer Parteifreundin offen Korruption vor. Wie das Boulevardblatt „BT“ berichtete, soll Allerslev sich bei Behörden im Sinne der Baufirma eines Bekannten eingesetzt haben.

Der Verwaltungsrechts-Experte Sten Bønsing von der Universität Aalborg zweifelt jedoch an den erhobenen Vorwürfen gegen Allerslev. Seiner Meinung nach sei ihr Handeln keineswegs korrupt und Allerslev nicht befangen gewesen.

von

Günter Schwarz – 26.10.2017