Nach dem Bombardement Københavns vom 02. bis zum 05. September 1807 durch den britischen Admiral Gambier, bei der die Hauptstadt zu 30 Prozent zerstört wurde und die Herausgabe fast der gesamten dänischen Flotte erklärt Dänemark am 31. Oktober 1807 im Wasmer-Palais in Glückstadt an der Seite Napoleons Großbritannien den Krieg.

Das Wasmer-Palais in der Königstraße ist ein barockes Stadtpalais in Glückstadt in Schleswig-Holstein. Es zählt neben dem Brockdorff-Palais mit seiner barocken Baluster-Brüstung und Stuckprofilen an Wänden und Decken zum geschichtlich und kunstgeschichtlich bedeutendsten weltlichen Bauwerk in Glückstadt.

Das Wasmerpalais ist ein dreiflügeliger, verputzter Bau aus Backstein. Der zweigeschossige Breitbau mit flachem durch Gesimse und Quaderlisenen hervorgehobenem dreiachsigen Mittelrisalit bildet mit den nachträglich angebauten erst ein-, dann zweigeschossigen schmalen Seitenflügeln einen kleinen Ehrenhof. Das Mittelportal wird durch einen reich gestalteten Sandsteinrahmen betont, dessen durchbrochenen Giebel das Wappen des Erbauerehepaares ziert.

Das Innere des Hauses wurde von 1728 bis 1729 durch den Stuckateur Andrea Maini aus Arogno im Stil des Louis-quatorze (Ludwig XIV,) ausgestattet, der bedeutendste Raum des Hauses ist der große Festsaal im Obergeschoss.

Der Kaminsaal im Obergeschoss wurde um 1710 von dem italienischen Stuckateur Andrea Maini aufwendig gestaltet. Dieser Stucksaal ist einer der beachtlichsten barocken Innenräume des Landes. Die drei Decken der unteren Räume sind ebenfalls reich verziert. Eine Decke stellt eine Szene aus der griechischen Mythologie (Zeus und Semele) dar.

In den vergangenen Jahren wurde das Wasmer-Palais zusehends sanierungsbedürftiger. Es waren Schäden an der Fassade zu verzeichnen und unter anderem wurde Schwammbefall festgestellt. Seit 2008 fand eine umfassende Restaurierung des Gebäudes statt. Die geschätzten Kosten von 960.000 Euro trugen unter anderem die Stadt Glückstadt, das Land Schleswig-Holstein und das Denkmalschutzamt. Die Arbeiten wurden 2009 beendet.

Das Palais wurde in Abschnitten von 1700 bis 1728 für die Konferenzräte Conrad von Wasmer (1627–1705) und Jacob Johann von Wasmer (1671–1741) als Wohnhaus errichtet. 1752 wurde es für Frederik V. ersteigert und als Sitz der Regierungskanzlei bestimmt, die seit 1700 im Palais „Quasi non Possidentes“ untergebracht war.

Im Wasmer-Palais wurde für mögliche Aufenthalte von Mitgliedern des dänischen Königshauses in Glückstadt eine Wohnung eingerichtet, denn das baufällige Glückstädter Schloss war bereits 1710 abgerissen worden. 1806 nahm das Haus das holsteinische Obergericht, die oberste Verwaltungs- und Justizbehörde des Landes, auf. Im Zuge der Koalitionskriege und nach der Zweiten Seeschlacht und dem Bombardement von København erklärte Dänemark hier – dem Sitz der höchsten damals noch intakten dänischen Behörde – England am 31. Oktober 1807 den Krieg.

Nach vorübergehender Nutzung als Kaserne eines militärischen Wachkommandos wurde das Palais 1876 zur Knabenschule. 1879 wurde die Mädchenschule angebaut. In diesem Zusammenhang fanden spürbare bauliche Eingriffe sowohl im Inneren als auch im Äußeren des Gebäudes statt. Während des Zweiten Weltkrieges diente das Palais als Marinelazarett.

Seit Anfang der 1970er Jahre sind im Wasmer-Palais die Volkshochschule Glückstadt mit Kunstschule und die inzwischen organisatorisch selbständige Musikschule Glückstadt untergebracht. Im Stucksaal wurden öffentliche Veranstaltungen wie beispielsweise Vorführungen im Rahmen der Kulturnacht durchgeführt und Konzerte der Kammermusik gegeben.

Heute wird das Palais weiterhin von der Volkshochschule und der Musikschule genutzt. Im Kaminsaal finden unregelmäßig Kammerkonzerte statt. Aufgrund der Nutzung ist das Gebäude für Besucher nicht geöffnet, kann jedoch im Rahmen von regelmäßig stattfindenden Stadtführungen gelegentlich besichtigt werden.

von

Günter Schwarz – 31.10.2017