(København) – Die Initiative der Supermarktkette Coop will eigenen Angaben nach dazu beitragen, geschlossene Lebensmittelmärkte in den dänischen Landgemeinden auf dem „flachen Land“ zu retten und in Gegenden, in denen es gar keine Läden mehr gibt, wieder zu öffnen. In den nächsten Jahren wird es möglich sein, in kleinen kommunalen Geschäften einzukaufen und wieder nach Hause zu gehen, ohne einen einzigen Mitarbeiter angetroffen zu haben.

„Wir arbeiten an einem System, bei man sich mit einer Mitglieds-App in einen Mitarbeiter-freien Laden begeben kann“, sagt Peter Høgsted, Geschäftsführer von Coop. Er erzählt der Zeitung „Berlingske“ weiter: „,Beep and Pay‘ ist die Technologie, mit der wir den Einkauf in Dänemark revolutionieren.“

Konkret will Coop seine Kunden dazu veranlassen, die Waren aus den Regalen zu nehmen, dann selbst zu scannen und über eine App zu bezahlen. Das ist eine Initiative, die bereits in einer Reihe von Coop-Geschäften eingeführt wurde. Der Prozess wird bislang jedoch noch von einem Supervisor aus dem Geschäft durchgeführt.

Auf diese Weise wird das Laufband überflüssig, und die Coop-Gruppe, zu der Bruges, Kvickly und Facts gehören, kann eine enorme Summe an Geld einsparen. „In einem Unternehmen wie Coop geben wir etwa eine Milliarde Kronen (134,37 Millionen Euro) an Gehältern aus, um die Einkäufe von unseren Kunden zu finanzieren. Wenn wir 25 Prozent von den Kunden dazu bringen können, die Arbeit des Scannens und Bezahlens über eine App selbst zu erledigen, können wir einiges an Gehältern einsparen, um mit dem Geld andere Projekte zu entwickeln“, sagt er.

Und wenn die Kunden den Wegfall des Laufbandes annehmen, können sie das Geschäft ohne Mitarbeiter zu jeder Zeit auch selbst öffnen und schließen. Das erste Geschäft, an dem es möglich wird, ist Dagli’brugsen in Sengeløse in der Hauptstadtregion in Nordøstsjælland (Nordostseeland). Dort soll das Konzept in den ersten Monaten des Jahres 2018 getestet werden.

„Wir arbeiten an einer Möglichkeit, bei dem die Mitglieder einer App einem Personal-freien Shop beitreten können. Sie öffnen und schließen die Tür und bestimmen selbst, wann sie einkaufen“, sagt Peter Høgsted. „Damit lassen sich Geschäfte in kleinen Orten auf dem Land retten.“

In den letzten Jahren hatte Coop Probleme mit sinkenden Gewinnen, unzufriedenen Kunden und der Schließung einer Vielzahl von Geschäften. Und die Schließung weiterer Geschäfte ist etwas, das man mit den Mitarbeiter-freien Geschäften vermeiden möchte.

Zunächst handelt es sich um kleine Läden der Lokal- und Dagli’Brugsen-Geschäfte, die in den Außenbezirken liegen und die Coop so zu retten hofft. „Es ist eine Möglichkeit, mit der wir hoffentlich die Läden retten können, die sonst geschlossen werden müssen. Sie basiert auf den Umstand, dass wir 24 Stunden am Tag mit der gleichbleibenden Anzahl von Mitarbeitern geöffnet haben, um den Umsatz steigern zu können“, sagt Jesper Andersen, Direktor der Lokal- und Dagli’Brugsen-Filialen im Land.

Fragt man Bruno Christensen vom Einzelhandelsverband, der den dänischen Einzelhandelsmarkt genau verfolgt, glaubt er nicht, dass diese Maßnahme die Läden in den Regionen in äußerster Randlage retten kann. „Es besteht kein Zweifel daran, dass Technologie einige Aufgaben lösen kann, mit denen wir heute umgehen müssen. Aber an ein Geschäft, das wie ein Automat funktioniert, glaube ich nicht“, sagt er zu TV 2.

Laut Bruno Christensen besteht ein großer Teil der dänischen Einkaufskultur aus menschlichem Kontakt und Beratung. „Wir wollen Leute treffen, wenn wir einkaufen. Wir wollen uns unterhalten und Abwechslung haben“, meint er.

Beim Dansk Supermarked denkt man auch nicht, dass Mitarbeiter-freie Geschäfte das Problem lösen „Wir sehen in naher Zukunft nicht, dass Personal-lose Geschäfte für uns relevant werden. In den kleineren Orten glauben wir, wollen die Kunden auch in der Lage sein, um beraten zu werden“, sagt Kasper Reggelsen, Kommunikation-Berater bei Dansk Supermarked, dem Sender TV 2.

von

Günter Schwarz – 02.11.2017