(København) – Die 27 neuen Kampfjets des Typs Lockheed F-35 vom amerikanischen Flugzeugbauer Lockheed Martin sind in ihrer Leistung eingeschränkter, als die Regierung dem Folketing zugesagt hatte. Das geht aus einem neuen Bericht des obersten dänischen Rechnungshofes, der Reichsrevision, hervor.

Wie die Tageszeitung „Jyllands-Posten“ berichtet, hat die Reichsrevision gravierende Mängel in der Entscheidungsgrundlage des Kaufs der 27 Kampfjets vom Typ F-35 offen gelegt. Der Bericht wurde veröffentlicht, kurz bevor das Folketing über den Kauf der neuen Flugzeuge für die dänische Luftwaffe endgültig soll.

Laut Reichsrevision bestehe das Risiko, dass die F-35 Kampfjets ungeeignet für die von der Regierung vorgesehenen und dem Parlament zugesagten Einsatzaufgaben seien. Damit, so der Bericht, würde Dänemark seine Luftstreitkräfte schwächen. Darüber hinaus war Verteidigungsminister Claus Hjort Frederiksen (Venstre /Rechtsliberale Partei) mit Blick auf die Berechnungen der möglichen Flugstunden der Kampfjets viel zu optimistisch, so heißt es weiter.

Das Verteidigungsministerium hat sehr optimistisch beschrieben, was das neue Kampfflugzeugmodell leisten kann. Zum Beispiel beträgt die jährliche Flugzeit für ein dänisches F-35-Flugzeug 250 Stunden. In Norwegen, das das gleiche Flugzeug kaufte, wird nur eine jährliche Flugzeit von 168 Stunden erwartet, während die Zahl der Flugstunden in den Niederlanden auf 210 Stunden berechnet wird.

Die Einschätzung der Flugzeit war ausschlaggebend für die Entscheidung der Regierung, nur 27 F-35-Flugzeuge zu kaufen, um die heute verfügbaren 44 Maschinen des Typs F16 zu ersetzen.

Abschließend ergibt sich für Dänemark das Risiko, dass der bevorstehende größte staatliche Einkauf in der Geschichte Dänemarks noch teurer als die geplanten 66 Milliarden Kronen (8,87 Milliarden Euro) werden könnte, erklärt die Reichsrevision.

Im vergangenen Jahr hatten mehrere Experten und die damals noch in der Opposition befindlichen Konservativen der „Det Konservative Folkeparti“ die Regierung dafür kritisiert, dass sie geschönte und gar falsche Informationen über die Flugzeuge verbreitet habe. „Zum gleichen Ergebnis ist nun auch die Reichsrevision gekommen“, sagt der verteidigungspolitische Sprecher der Konservativen, Rasmus Jarlov.

Auch Ole Wæver, Professor für internationale Politik an Københavns Universität kritisiert den bevorstehenden Kauf der F-35 Fugzeuge. Ihm zufolge müsste Dänemark gezwungenermaßen mehr Kampfjets kaufen, um seine militärische Aufgaben auch zukünftig erfüllen zu können, oder es muss mit Restriktionen im Bereich der Einsatzfähigkeit der Luftwaffe leben.

Karsten Marrup, Leiter des Zentrums für Luftoperationen der Verteidigungsakademie, bezweifelt stark, dass das neue Kampfflugzeug alle Aufgaben erfüllen kann, für die es vorgesehen ist. „Es scheint, dass alle Aktionen, die unternommen wurden, um es auf 27 Kampfflugzeuge runter zu rechnen, so vorgenommen wurden, dass man gewürfelt hat. In einer perfekten Welt mag es vielleicht möglich sein, aber es ist optimistisch zu glauben, dass hier alles korrekt abgelaufen isrt“, sagt er zu „Jyllands Posten“.

Verteidigungsminister Frederiksen wollte sich zu dem aktuellen Bericht der Reichsrevision nicht äußern. Er wurde jedoch zur Anhörung vor dem Folketing nach Christiansborg einberufen, berichtet „Jyllands-Posten“.

von

Günter Schwarz – 03.11.2017