Auf dänischen Straßen und Autobahnen werden durchschnittlich alle vier Tage Steinen oder andere Wurfgeschosse von Brücken über Straßen oder Autobahnen auf passierende Fahrzeuge geworfen, hat eine landesweite Untersuchung der Vorfälle ergeben. Jetzt möchte man mit Camcordern gegen die gefährlichen Eingriffe in den Straßenverkehr vorgehen, und versteckte Kameras an zahlreichen Brücken im Land anbringen, die das Geschehen auf den jeweiligen Brücken festhalten.

Erst vor etwas mehr als einem Jahr hat so ein Steinwurf auf dder Autobahn bei Odense das Leben einer deutschen Frau gekostet, die zusammen mit ihren Ehemann und ihrem 5-jährigen Sohn auf der Heimreise aus dem Urlaub in Schweden nach Deutschland war. (SH-UgeAvisen berichtete mehrfach). Der Ehemann der Frau und Fahrer des PKWs wurde schwer verletzt und wird wahrscheinlich sein Leben lang der Pflege bedürfen. Nur der Sohn der Familie kam mit leichteren Verletzungen davon. ernsthaft verletzt und war für viele andere in der Nähe.

Die dänische Polizei müht sich die Ziegel- und Steinwürfe von Brücken unter Kontrolle zu bekommen und Steinwerfer zukünftig zu ermitteln, denn in dem Fall der deutschen Urlauberfamilie konnte die Polizei bislang noch keinen bzw. keine Täter ermitteln. Somit haben Dänemarks Polizeikräfte mit Unterstützung der Regierungsparteien aus Venstre (Rechtsliberale Partei), Det Konservative Folkeparti und der Liberal Alliance sowie der Oppositionsparteien der Socialdemokraterne und der rechtspopulistischen Dansk Folkeparti (Dänische Volkspartei) beschlossen, an 30 besonders exponierten Stellen Überwachungskameras in Brückenbereichen versteckt einzurichten.

„Es wird nicht im Voraus angekündigt, wo sie eingerichtet werden, und es wird kein Anzeichen dafür geben, wo sie stehen. Das ist natürlich Sinn und Zweck der Maßnahme, denn die Steinewerfer sollen nicht wissen, wo die Kameras sind“, sagt Mette Abildgaard, Sprecherin der konservativen Volkspartei, gegenüber TV 2.
Die Kameras können gemäß der Risikobewertung der Polizei zwischen verschiedenen Brücken ausgetauscht und verlegt werden. Sie werden keine Bilder hinunter auf die Straße machen, sondern die Linsen werden auf die Brücke gerichtet lassen, um die Werfer aufzunehmen und ermitteln zu können.

Die Polizei beginnt jetzt, die benötigten Kameras zu beschaffen und hat darüber eine Ausschreibung gemacht, um die geeigneten Kameras zu bekommen. „Wir drücken aufs Tempo, um es so schnell wie möglich durchzubringen. Wir hoffen, dass die Kameras eine vorbeugende Wirkung haben werden, und Menschen davon abhalten, so etwas zu tun, weil sie befürchten müssen, bildlich festgehalten zu werden“, sagt Mette Abildgaard.

Von Ende des Jahres bis zum 12. September dieses Jahres gab es 63 Meldungen über Steinwürfe, während es im Jahr 2016 zu 110 derartigen Vorfällen kam, wie die Zahlen der Rigspolitiet (Reichspolizei) sagen. Viele von ihnen geschahen in der Nähe von Großstädten.

Das entspricht einem Durchschnitt von alle vier Tage. Der letzte Steinwurf wurde am Donnerstagabend gemelder, als ein Minibus wahrscheinlich von einem schweren Objekt getroffen wurde, das von einer Autobahnbrücke in der Nähe von Haderslev geworfen wurde. Es ist jedoch oft überaus schwierig zu beweisen, wer es getan hat, und deshalb wurden in diesem Jahr von den 63 Vorfällen bisher nur fünf Fälle aufgeklärt.

Bei der Konservativen Volkspartei besteht die Hoffnung, dass Überwachungskameras zu mehr Sicherheit führen und Menschen davon abhalten werden, Gegenstände von Brücken auf den fließenden Verkehr zu werfen. Obwohl nur ein sehr kleiner Teil der 856 Straßenbrücken in Dänemark können mit Kameras bestückt werden, glaubt Mette Abildgaard, dass sie bereits einen Unterschied machen werden und sich somit Steinewerfer zurückhalten lassen. „Es ist klar, dass wir, wenn wir auf diese Lösung setzen, glauben, dass das unbedingt erforderlich ist, das Problem zu lösen“, sagt sie.

Michael Kjeldgaard, Center Manager beim National Investigation Center (NEC) von der Rigspolitiet, betont, dass die Videoüberwachung ein weiteres Tool für die Aufklärungsarbeit bietet. Er sagt, dass die heutige Herausforderung darin besteht, dass die Steinwürfe oft von einsam gelegenen Autobahnbrücken in der Dunkelheit geschehen, wo es keine Zeugen gibt. Daher sei die Hoffnung, dass es nachts die Kameras sind, die die Augen offen haben“, sagt er. „Wir versuchen so, an die Täter heranzukommen und einen Zugang zu er Szene zu finden“, sagte Michael Kjeldgaard zu TV 2.

Allerdings wagt er noch nicht vorherzusagen, ob die Kameras zu mehr Ermittlungserfolgen führen werden. Die Socialdemokraterne und die Dansk Folkeparti wollen zusätzlich auch Zäune errichten, was sie schon früher vorgeschlagen haben. Um ausgewählte Brücken sollen hohe Zäune gebaute werden. Dieser Vorschlag ist jedoch nicht Teil der neuen Initiative mit der Kameraüberwachung.

Die Kosten für Kameras werden sich 2018 auf etwa 3,9 Millionen Kronen (524 Tsd. Euro) belaufen, während die Betriebs- und Wartungskosten rund eine halbe Million Kronen (67 Tsd. Euro) pro Jahr betragen werden. Diese Summen befinden sich im Haushalt der Rigspolitiet, über den die Polizei ohnehin verfügen kann, und somit kann die Maßnahme ohne zusätzliche Zuwendung aus dem Folketing durchgeführt werden.

von

Günter Schwarz – 04.11..2017