Das Geschäftsviertel Vestergade in Odense wird am 10. November 1944 durch die Sprengung der deutschen „Petergruppen” (Peter Gruppe) zerstört. Diese terroristische SS-Gruppe hat eine Vorliebe für Zerstörungen von Geschäften in den größeren dänischen Provinzstädten und die Ermordung exponierter Personen im ganzen Land.

Die „Petergruppen” war eine Terrorgruppe, die im Auftrag des Sicherheitsdienstes des Reichsführers SS VI B unter Leitung von Alfred Naujocks im besetzten Dänemark etwa 50 „Ausgleichsmorde“ verübte. Durch „Ausgleichsmorde“ wollte die Nazis Widerstandsaktionen des dänischen Widerstandes in den Jahren 1944 und 1945 „ausgleichen“. Die anonyme Ermordung verdächtiger oder exponierter Personen sollte die Bevölkerung verunsichern, und man wollte Rache nehmen und den dänischen Widerstand diskreditieren und schwächen. Die Morde wurden von der „Petergruppen”, bestehend aus SD-Personal und dänischen Kollaborateuren des Schalburgkorps durchgeführt.

Die Gruppe wurde nach ihren deutschen Anstifter Otto Schwerdt alias Peter Schäfer benannt. Henning E. Brøndum schloss sich 1944 der „Petergruppen” an. Nach dem Krieg wurde die Gruppe auch Brøndumbande genannt, da Brøndum an zahlreichen Aktionen maßgeblich beteiligt war. Bekannt geworden sind die Ermordung des Priesters Kaj Munk am 4. Januar 1944 sowie die Zerstörung des Aussichtsturmes Odinstårnet in Odense am 14. Dezember 1944.

Zahlreiche Sprengstoffanschläge waren im Jahr 1944 entweder gegen Personen, die des Widerstands gegen die Besatzungsmacht verdächtigt wurden bzw. deren Eigentum gerichtet. Andere sollten Widerständlern zur Last gelegt werden, z. B. der Anschlag auf das Depot der Straßenbahn in Århus. In der Bevölkerung wurde diese Art der Sabotage als „Schalburgtage“ bezeichnet, weil bald vermutet wurde, dass die Anschläge von Mitgliedern des Schalburgkorps (Hauptquartier auf dem Bild links), einem dänischen SS-Regiment, ausgingen.

Sieben dänische Mitglieder der „Petergruppen” (Henning E. Brøndum, Kaj Henning Bothilsen Nielsen, Ib Nedermark Hansen, Aage Thomas Mariegaard, Robert Lund, Helge Erik Lundqvist und Svend Thybo Sørensen) wurden im April 1947 zum Tod verurteilt und in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1947 hingerichtet.

1949 wurde Otto Schwerdt von Københavns Byret (Kopenhagener Stadtgericht) beim Kleinen Kriegsverbrecherprozess zum Tode verurteilt. Das Østre Landsret i København (regionale Ostgericht in Kopenhagen) änderte die Strafe von Schwerdt in 24 Jahre Gefängnis ab. Schwerdt wurde 1953 begnadigt und aus Dänemark ausgewiesen.

Naujocks wurde wegen der Ermordung dänischer Widerstandskämpfer beim Kleinen Kriegsverbrecherprozess zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Aufgrund des überaus milden Vorgehens der dänischen Justiz gegen deutsche Kriegsverbrecher wurde er bereits 1950 freigelassen.

von

Günter Schwarz – 10.11.2017