(Vejen) – Die dänische Kommune Vejen, die in Jylland (Jütland) in etwa auf halbenm Weg zwischen Kolding und Esbjerg liegt, ist erfolgreich mit dem Kinderbuch „Geheimnis“. Der Kindergarten „Lindehuset“ (Lindenhaus) in Øster Lindet, einem kleinen Ort in der Kommune Vejen, hat eine besondere geheime Höhle für das Buch eingerichtet (siehe Titelfoto), in der die Kinder ihre Geheimnisse erzählen können.

Kinder, die Missbrauch, Gewalt oder andere Vergehen ausgesetzt sind, würden gerne darüber berichten, wenn sie durch das Buch „Hemmeligheder“ (Heimlichkeiten) dazu motiviert werden und ihre Scheu und Angst verlieren. Zu diesem Schluss kommt die Kommune Vejen, die als erste das Buch in sechs ihrer Kindergärten ausgelegt hat und für die Arbeit mit den Kindern verwendet. „Wir haben Geschichten von Geheimnissen erfahren, die zumeist mager und harmlos sind, aber wir haben auch Geschichten von Geheimnissen gehört, die einem den Magen umdreht“, sagt die Bezirksleiterin des Jugendamts Mette Guldager.

„Sogar über Dinge, die die Seele der Kinder verletzen, wenn sie sich in bestimmten Situationen befinden, die sie zum Beispiel psychisch verletzen oder wenn sie gar körperlicher Gewalt ausgesetzt sind oder auch einfach nur im allgemeinen Elend leben, sprechen sie.“

Bei dem Buch „Hemmeligheder“ (Heimlichkeiten) geht es um die Geschichte der Nonnen Nanna und Samson. Nanna rettet ein Geheimnis, das ihr den Magen umdreht, und sie entscheidet sich, es mit Samson zu teilen. Das Buch richtet sich an Kindergartenkinder und wurde in Zusammenarbeit zwischen der Kinderanwältin Lisbeth Zornig Andersen, Freja Palsgaard Andersen, Red Barnet und dem „Dansk Psykologisk Forlag“ (Dänischer Psychologischer Verlag) geschrieben und herausgegeben.

„Wenn ich das Buch in meiner ehemaligen Kindergartenklasse gelesen hätte oder es mir vorgelesen worden wäre, hätte ich zum ersten Mal einiges über Erwachsene kennengelernt und hätte also schon gewusst, dass es für meine Eltern nicht normal war, sich gegenseitig zu schlagen“, sagt eine der Autorinnen, Lisbeth Zornig Andersen. „Sie tranken zwar nicht, und es war dennochauch nicht normal, wie sie uns Kinder behandelten. Wir können viel verhindern oder zumindest Kinder dazu bringen, in Momenten zu reagieren, in denen sie etwas Negatives ausgesetzt sind, weil sie ihre Rechte frühzeitig kennenlernen“, fährt sie fort.

In der Kommune Vejen arbeiten Lehrer seit langem mit Spiel- und Lernräumen, in denen sie gemeinsam mit den Kindern in kleineren Gruppen Vertraulichkeit herstellen. Laut Bezirksleiterin Mette Guldager wollte sich die Gemeinde frühzeitig für die Verbesserung der Situation von Kindern anschließen und wurde deshalb als Testgemeinde für das Buch ausgewählt. „Es ist ein pädagogisches Werkzeug, das uns in unseren Kindertagesstätten bisher fehlte, da es ein sehr gutes pädagogisches Werkzeug ist, um mit den Kindern ins Gespräch zu kommen“, sagt die Jugendamtsmitarbeiterin.

von

Günter Schwarz – 30.11.2017