(Oeversee-Sankelmark) – Die dänische Kulturministerin Mette Bock (Liberal Alliance) sprach beim Neujahrsempfang des Deutschen Grenzvereins in der Grenzakademie Sankelmark die deutsch-dänischen Beziehungen an – die auch für sie persönlich von großer Bedeutung sind.

Die Kulturministerin Mette Bock sieht in Zukunft gerne eine noch engere kulturelle und wirtschaftliche Verbindung zwischen Deutschland und Dänemark. Das sagte sie am Donnerstagabend beim Neujahrsempfang des Deutschen Grenzvereins in der Akademie Sankelmark bei Flensburg. Dabei verwies sie unter anderem auf das bevorstehende 100-jährige Jubiläum der deutsch-dänischen Volksabstimmung 2020, nach der die Abtretung Nordschleswigs an Dänemark am 15. Juni 1920 erfolgte.

Der Tag wird in Dänemark als „Genforeningsdag“ (Wiedervereinigungstag) bezeichnet und es werden am 15. Juni noch heute in Nordschleswig Wiedervereinigungsfeiern (Genforeningsfest) gehalten „Es ist einer der wichtigsten Termine und ein sehr wichtiges Ereignis für die Grenzregion, für Dänemark, Deutschland und Europa“, sagte die Ministerin, die ihre Festansprache in deutscher Sprache hielt und dafür viel Beifall erntete.

Das deutsch-dänische Grenzland könne stolz auf das Erreichte sein, meinte Mette Bock, der das Grenzland sehr am Herzen liege. Zum einen war sie vor ihrem Ministeramt Vorsitzende des dänischen Grænseforeningen (Grenzvereins) – und ihr Mann stammt ursprünglich aus der dänischen Minderheit in Südschleswig.

Die kulturellen Werte stünden in diesen Jahren unter Druck, so die Ministerin, die das Jahr des Kulturerbes 2018 als eine Chance sieht, noch enger zusammenzuwirken. „Wir streben eine intensive Zusammenarbeit mit unseren deutschen Nachbarn an, und wir freuen uns auf diesen Austausch und die Diskussion über unterschiedliche Ideen und Vorstellungen“, meint Mette Bock.

In seinem Grußwort sprach der Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger, Hinrich Jürgensen, über „Angst, Kummer und Jammer“ in der aktuellen, deutschen Berichterstattung. „Die einen fürchten die Überfremdung durch Asylanten, die anderen vermissen eine autorisierte deutsche Regierung, die das Land regieren kann. Andere haben Angst vor dem Klimawandel oder einem unberechenbaren amerikanischen Präsidenten. Die Liste der Klagen ist lang“, sagte Jürgensen. „Aber gleichzeitig erzählen die ökonomischen Eckdaten eine vollkommen andere Geschichte, denn seit der Finanzkrise vor knapp zehn Jahren profitiert Deutschland von einem überdurchschnittlichem Wachstum, niedriger Arbeitslosigkeit, öffentlichem Budgetüberschuss und riesigen Handelsüberschüssen. Und Deutschland ist zudem Fußballweltmeister. Was will man eigentlich mehr?“

Es gebe zwar auch Herausforderungen und durchaus auch Reformbedarf, meint Jürgensen, „aber als Deutscher darf man sich auch gerne über die insgesamt gute Lage freuen – auch auf das, was die Zukunft bringt.“

Ebenfalls sprach Hinrich Jürgensen die Planungen der deutschen Minderheit für das Jubiläumsjahr 2020 an. „Wir werden 2020 unseren 100. Geburtstag feiern und freuen uns, dass nun auch die deutsche Seite beschlossen hat, ein Präsidium zu bilden, um 2020 vorzubereiten. Für mich steht 2020 für eine Reihe von unterschiedlichen historischen Entwicklungen und Perspektiven. Neben unserer und der deutschen gibt es natürlich die der dänischen Minderheit und die dänische Freude über die ,Genforening‘. Ich hoffe, dass es uns gelingt – auch weit über die deutsch-dänische Grenzregion hinaus – diese Geschichten zu erzählen“, sagte Hinrich Jürgensen. Konkret hoffe er, dass die Minderheit das in einem neu gestalteten Museum in Sønderborg tun zu können.

Der Empfang des Grenzvereins war gleichzeitig der Startschuss für die Neujahrstagung der deutschen Minderheit, bei der am Freitag und Samstag Themen wie die Geschichte, Politik und Kultur auf dem Programm standen.

von

Günter Schwarz – 15.01.2018