Das Fracht- und Passagierschiff M/S „Hans Hedtoft“, das damalige Flaggschiff des zu Dänemark gehörenden Grønlands kollidiert auf seiner Jungfernreise am 30. Januar 1959 vor der Küste Westgrønlands mit einem Eisberg und sinkt mit 95 Personen an Bord, von denen niemand überlebt.

In Dänemark und Grønland spricht man noch heute von der M/S „Hans Hedtoft“ als „dänische Titannic“. Von dem Schiff fand man trotz intensiver Suche nach der Havarie mit dem Eisberg in der Nähe von Cape Farewell nur noch einen Rettungsring. Es ist bis dato das letzte bekannte Schiff, das nach einer Kollision mit einem Eisberg versank.

Die „Hans Hedtoft“ hatte eine Länge von 82,65 Meter lang, eine Breite von 14,17 Metern und einem Tiefgang von 6,43 Metern bei einer Wasserverdrängung von 2.875 BRT entsprechend 1.368 NRT.

Die „Hans Hedtoft“ wurde von Frederikshavns Værft in unter der Baunummer 226 am 13. August 1958 in Frederikshavn in Jylland (Jütland) auf Kiel gelegt und wurde am 17. Dezember desselben Jahres der Reederei, der Royal Greenland Trading Company, übergeben. Aufgrund ihrer Bauweise galt die „Hans Hedtoft“ als unsinkbat, denn sie hatte einen doppelten Boden und sieben wasserdichte Abteile sowie einen gepanzerten Bug und auch Heck. Sie sollte einen ganzjährigen Einsatz zwischen Dänemark und Grønland ermöglichen. Wie die RMS „Titanic“ hatte auch die „Hans Hedtoft“ einen genieteten Rumpf, eine Eigenschaft, die von Knud Lauritzen, einem Reeder, später kritisiert wurde. Lauritzen behauptete, dass ein genieteter Rumpf nicht so widerstandsfähig gegen Eisdruck wie ein geschweißter Rumpf sei. Die „Hans Hedtoft“ hatte die Code Letters und das Funkrufzeichen OXKA.

Das Schiff wurde nach dem ehemaligen dänischen Statsminister Hans Hedtoft (13. November 1947 bis zum 30. Oktober 1950 sowie vom 30. September 1953 bis zum 29. Januar 1955) benannt.

Die „Hans Hedtoft“ startete zu ihrer Jungfernfahrt am 7. Januar 1959 von København aus, und ihre Reise fpührte sie zunächst nach Julianehaab auf Grønland, wobei die Fahrt in Rekordzeit gemacht wurde. Weiter fuhr sie dann nach Nuuk, Sisimiut und Maniitsoq, bevor er nach Julianehaab zurückkehrte.
Am 29. Januar lief sie zu ihrer Rückreise mit 40 Besatzungsmitglieder, 55 Passagieren und eine Ladung gefrorenen Fisch an Bord aus. Einer ihrer Passagiere, Augo Lynge, war das Mitglied des dänischen Parlaments, des Folketings.

Am folgenden Tag kollidierte die „Hans Hedtoft“ mit einem Eisberg etwa 56 Kilometer südlich von Cape Farewell, dem südlichsten Punkt Grønlands. Um 13:56 Uhr (Ortszeit) wurde ein Notruf mit der Meldung gegeben, dass das Schiff bei 59 ° 30’N 43 ° 00’W auf einen Eisberg gestoßen sei. Der Notruf wurde von der USCGC „Campbell“ (US Coast Guard), dem westdeutschen Fisch-Trawler „Johannes Krüss“ aus Bremerhaven und einem weiteren westdeutschen Trawler beantwortet. Innerhalb einer Stunde wurde eine weitere Nachricht gesendet, die besagte, dass der Maschinenraum überflutet sei. Um 15:12 Uhr wurde bekannt, dass das Schiff sank. Eine letzte Nachricht wurde um 17:41 Uhr gesendet, in der stand, dass das Schiff langsam unterging und um sofortige Hilfe bat.

Flugzeuge im kanadischen Neufundland konnten durch die Wetterbedindungen nicht starten und fielen demzufolge bei der Suche nach der „Hans Hedtoft“ aus. Um 17:41 Uhr wurde vom dem Trawler „Johannes Krüss“ noch ein SOS empfangen, wonach die Kommunikation mit Hans Hedtoft gänzlich abbrach. Am 31. Januar meldete die USCGC „Campbell“, dass es mit den Wetterbedingungen am schlimmsten war und dass es keine Hinweise auf den Verbleib der „Hans Hedtoft“ oder ihrer Passagiere und Crew gab.

Die Suche nach dem Haveristen wurde am 7. Februar abgebrochen. Das einzige Wrackstück, das jemals gefunden wurde, war ein Rettungsring, der neun Monate nach dem Schiffseinbruch auf den Färöer Inseln an Land gespült wurde. Das Schiff versank mit Kirchenbüchern aus einigen Gemeinden Grønlands, die in Archiven in Dänemark archviert werden sollten, was einen großen Verlust für die grønländische Genealogie bedeutete.

Als Folge des Untergangs der „Hans Hedtoft“ wurde der im November 1958 geschlossene Flugplatz in Narsarsuaq auf Grønland wiedereröffnet, um die Rettungsmöglichkeiten von Havaristen vor der grönländischen Küste zu verbessern.

von

Günter Schwarz – 30.01.2018