(Istanbul / Berlin) – Der „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel ist nach seiner Freilassung aus türkischer Haft noch am Freitagabend in Berlin-Tegel gelandet. Das Flugzeug war wenige Stunden zuvor in Istanbul gestartet.

Die Kampagne #FreeDeniz, die sich monatelang für seine Freilassung eingesetzt hat, hat über ihre Facebook-Seite eine Videobotschaft des Journalisten geteilt. „Ich weiß immer noch nicht, warum ich vor einem Jahr verhaftet wurde“, erklärt Yücel in dem Video. „Meine Haft hatte genau wie meine Freilassung wenig mit Recht und Gesetz zu tun.“

Der „Welt“-Korrespondent bedankt sich bei seinen zahlreichen Unterstützern und der Bundesregierung. „Natürlich freue ich mich“, sagte Yücel über seine Freilassung. Wegen anderer in der Türkei inhaftierter Journalisten bleibe aber „ein bitterer Nachgeschmack.“

Am Nachmittag hatte Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) bestätigt, dass sich der Journalist kurz vor der Ausreise aus der Türkei befinde. Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) habe geholfen, wobei ihm seine guten Beziehungen zum Kreml durchaus behilflich waren, „Türen aufzumachen in Istanbul“. Schröder sei zweimal dort gewesen.

Gabriel sprach in den Räumen der „Welt“, für die Yücel als Türkei-Korrespondent gearbeitet hat. Für den Auftritt an der Seite von Chefredakteur Ulf Poschardt und Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner reiste der Minister kurzfristig von der Münchner Sicherheitskonferenz an.

Der Fall Yücel war zuletzt der größte, aber nicht einzige Streitpunkt im Verhältnis zur Türkei. Yücel hatte sich am 14. Februar 2017 freiwillig der Justiz gestellt und war kurz darauf wegen Terrorvorwürfen in Untersuchungshaft genommen worden – bis zum Freitag ohne Anklageschrift.

Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete, das 32. Strafgericht in Istanbul habe die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft am Freitag angenommen. Die Staatsanwaltschaft fordere darin wegen „Propaganda für eine Terrororganisation“ und „Aufstachelung des Volkes zu Hass und Feindseligkeit“ zwischen vier und 18 Jahre Haft. Zugleich habe das Gericht die Freilassung Yücels aus der Untersuchungshaft angeordnet, meldete Anadolu weiter.

Nachdem der Journalist Deniz Yücel sich nicht länger in der Hand des türkischen Despoten Recep Tayyip Erdoğan befindet, ist es Zeit, daran zu erinnern, was den „Welt“-Korresponsenten in der Türkei ins Gefängnis gebracht hat – auch wenn es eine Satire ist und aus der heute-Show vom 03.03.2917 unter dem Titel „Dieser Witz brachte Deniz Yücel in den türkischen Knast“ entnommen wurde. Allerdings war auch die ganze Zeit der Inhaftierung Deniz Yücels eine schlecht inzenierte Satire des türkischen „Sultans“.

von

Günter Schwarz – 17.02.2018