Nach einer mehrwöchigen Belagerung beginnt die preußische Armee während des Deutsch-Dänischen-Krieges von 1864 am 15. März 1864 mit dem Beschuss der Dybbøl-Scans. (Düppeler Schanzen) Der Beschuss setzt sich in den folgenden Tagen fort, bei denen das dänische Heer große Verluste zugefügt werden.

Im Herzogtum Schleswig sicherten die Schanzen den Übergang über den Als Sund (Alsensund) nach Sønderborg auf der strategisch wichtigen Insel Als. Dass die Preußische Armee den Sturmangriff wagen würde, hielt die dänische Seite für ausgeschlossen. Da er gelang, ist in Deutschland die Bezeichnung „Erstürmung der Düppeler Schanzen“ üblich. In Dänemark spricht man von der „Slaget ved Dybbøl“, der „Schlacht bei Düppel“.

Nachdem das preußische Denkmal 1945 gesprengt worden war, gewann die „Dybbøl Banke“ im 20. Jahrhundert als Gedenkort Dänemarks große Bedeutung. Das Museum Historiecenter Dybbøl Banke präsentiert seit 1992 das Kriegsgeschehen und die davon beeinflusste dänische Mentalitätsgeschichte. Auch in der Dybbøl Mølle (Düppeler Mühle) wird seit 1995 eine Ausstellung gezeigt.

Bereits 1849, in der Schleswig-Holsteinischen Erhebung, waren die Schanzen Schauplatz eines Gefechtes zwischen deutschen und dänischen Truppen gewesen. Niemand kannte sie besser als Franz Geerz, Kartograph und Generalstabsoffizier der Preußischen Armee. Ihre strategische Bedeutung hatten sie nicht verloren. Die Anlagen waren daher stark befestigt; allerdings hatte ihr Ausbau 1864 noch nicht den geplanten Endzustand erreicht. Dänemark setzte 11.000 Mann zur Verteidigung der zehn Schanzen ein.

Nach dem heftigen Beschuss der Dybbøl-Scans seit dem 15. März 1864 bezogen am 18. April ca. 37.000 Mann der preußischen Sturmkolonnen gegen 02:00 Uhr morgens ihre Stellungen, die nur etwa 200 Meter von den ersten dänischen Schanzen entfernt lagen.

Wenn ein Inferno schlagartig endet und Stille ausbricht, hat das selten etwas Gutes zu bedeuten. Das wussten auch die dänischen Soldaten, die westlich des Als Sunds bei Dybbøl vor Sønderborg seit Wochen unter regelmäßigem und seit sechs Stunden unter ungeahnt massivem Artilleriefeuer lagen. Es war der 18. April 1864, genau 10:00 Uhr morgens, als nach stundenlanger Artillerievorbereitung nach dem Plan von Colomier der Sturmangriff begann.

Auch das Eingreifen des dänischen Panzerschiffs Rolf Krake mit seiner schweren Artillerie konnte die preußische Attacke nicht wirksam behindern. In einer zweiten Stellungsreihe, die nur rund 400 Meter von den dänischen Stellungen entfernt war, hatten die Preußen vier Musikkorps unter Führung des preußischen Musikdirektors Gottfried Piefke zusammengezogen. Diese Musikkorps unterstützten die angreifenden Truppen durch das Spielen bekannter Märsche, u. a. wurde der von Piefke persönlich komponierte Düppeler Schanzen-Marsch gespielt, wobei Piefke der Taktstock durch eine Kanonenkugel entrissen worden sein soll.

Der Deutsch-Dänische Krieg von 1864 gehört zu den seltsamsten militärischen Konflikten der Neuzeit. Dänemark hatte nämlich sehenden Auges seine Niederlage provoziert. Die Regierung in København hatte Ende 1863 das Herzogtum Schleswig entgegen ihrer eigenen, gerade mal ein Dutzend Jahre alten Zusage formal dem dänischen Staatsgebiet zugeschlagen. Dabei beherrschte der dänische König, Kong Christian IX., dieses Gebiet in Personalunion ebenso wie die beiden weiter südlich gelegenen Herzogtümer Holstein und Lauenburg.

Die dänische Politik rechnete damit, entweder werde der Deutsche Bund nicht gegen den offenen Rechtsbruch vorgehen oder falls doch, so würde die Weltmacht Großbritannien an die Seite Dänemarks treten. Entsprechend war der Konflikt militärisch geplant.

Doch obwohl das britische Kabinett den Machtzuwachs Preußens begrenzt sehen wollte, kam für London ein Eingreifen auf dänischer Seite nicht infrage. König Christian IX. und seine Berater hatten übersehen, dass Großbritannien ausdrücklich den Status quo garantiert hatte, den Dänemark durch die faktische Annexion Schleswigs aufgekündigt hatte.

Heute sind die Dybbøl-Scans ein Ort nationaler Bedeutung und des Gedenkens nicht nur für die Dänen nördlich der heutigen Grenze sondern auch für die dänische Minderheit und die deutsche Bevölkerung in Schleswig-Holstein.

von

Günter Schwarz – 15.03.2018