(København / Kiel) – Dänemark will sich vor der Afrikanischen Schweinepest schützen und prüft, einen Zaun entlang der deutsch-dänischen Grenze zu errichten. – Donald Trump lässt grüßen!

Schleswig-Holsteins Agrarminister Habeck kritisiert das Vorhaben als nicht zielführend. Damit hat sich die rechtspopulistische Dansk Folkeparti (Dänische Volkspartei) – eine „dänische AfD“-Partei – wieder einmal bei der Lars-Løkke-Rasmussen-Regierung durchgesetzt und bekommt „ihren Zaun“ zu Deutschland, den sie schon lange fordert und den sie jetzt unter dem Vorwad zum Schutz gegen die Afrikanische Schweinepest realisieren kann. Der Zaun soll 1,50 Meter hoch werden, 50 Zentimeter tief in die Erde gehen – und sich entlang der gesamten 70 Kilometer langen Landgrenze erstrecken.

Sicherlich gibt es für den nördlichen Nachbarn Dänemark Gründe, seine Grenze zu Schleswig-Holstein zu überprüfen. Doch nun das? Jetzt wollen die Dänen mit Hilfe eines Zaunes Tiere aussperren – genauer gesagt: Arme Schweine! – Schon vor Monaten forderten die rückwärts gewandten dänischen Nationalisten die Verlegung der Grenze zu Deutschland an die Eider und einen Zaun zu Deutschland, wie das folgende Video zeigt:

Um eine Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) zu verhindern, prüft Dänemark jetzt den Bau eines Zauns entlang der deutsch-dänischen Grenze. Das teilte das dänische Umwelt- und Lebensmittelministerium am Donnerstag mit. Ein entsprechender Gesetzesvorschlag soll im April ins Parlament eingebracht werden. Mit einem Baustart sei nicht vor dem Herbst zur rechnen, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Die Afrikanische Schweinepest kursiert derzeit in Osteuropa, Deutschland blieb bislang verschont. Tschechien hat bereits im vergangenen Jahr einen kilometerlangen Elektrozaun entlang eines Ansteckungsgebiets errichtet.

Schleswig-Holsteins Umwelt- und Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) kritisierte die dänischen Pläne: „An der Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit eines Zauns zwischen Dänemark und Schleswig-Holstein haben wir erhebliche Zweifel.“ Der Minister betonte, das Virus breite sich vor allem über Menschen aus: durch Tiertransporte, Jagdreisen, infizierte Lebensmittel und würde so auch weiterhin in die dänische Wildschweinpopulation gelangen können. „Der Zaun und die geplante Ausrottung eines Großteils der Wildschweinpopulation Dänemarks zur Prophylaxe ist unserer Auffassung nach unverhältnismäßig. Er unterbricht den Wildwechsel und die naturräumlichen Gemeinsamkeiten.“

Im Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, heißt es, aus der Risikobewertung gehe klar hervor, dass ASP sich vor allem über menschliche Aktivitäten auch über weitere Strecken verbreiten kann. Mit anderen Worten: Vermutlich gelangt die Seuche eher über kontaminierte Lebensmittel oder nicht ausreichend desinfizierte Viehtransporter in ein Land. Dagegen hilft ein Wildschwein-Zaun als Vorsichtsmaßnahme nicht. Anders sehe es aus, wenn ein betroffenes Gebiet eingezäunt werde, um die Wildschweine am Verlassen des Gebiets zu hindern, sagte eine FLI-Sprecherin. In Tschechien habe man damit gute Erfahrungen gemacht.

Mit einer Eindämmung oder gar Ausrottung der für den Menschen ungefährlichen Seuche rechnet die Sprecherin nicht. In diesem Jahr sind auf dem Baltikum, in Tschechien, Polen, der Ukraine und Rumänien bisher insgesamt 1777 ASP-Fälle gemeldet worden, davon 26 bei Hausschweinen. Allein in Polen waren es 817 Fälle und damit fast so viele wie im gesamten Jahr 2017 (822). Insgesamt lag die Zahl der gemeldeten Fälle in den genannten Ländern im Vorjahr bei 4140.

Nach Auffassung Habecks ist eine höhere Bejagung angezeigt und läuft auch in Schleswig-Holstein bereits. „In Schleswig-Holstein werden ebenfalls Zäune vorgehalten, um im Falle eines Ausbruchs einzelne Gebiete einzuzäunen, in denen der Wildschweinbestand getilgt werden muss. Prophylaktisch werden wir das jedoch nicht tun. Unsere Anstrengungen richten sich vor allem darauf, dass es nicht zum Ausbruch der Seuche kommt.“

Der Zaun soll nach dem Willen der dänischen Regierung entlang der knapp 70 Kilometer langen Grenze errichtet werden und eineinhalb Meter hoch sein. Der Grenzverkehr auf der Straße werde nicht beeinträchtigt, versicherte das Ministerium. Die konservativ-liberale Regierungskoalition bekommt in ihrem Vorhaben Unterstützung von der Dänischen Volkspartei. Der Zaun ist aber nur einer von mehreren Bausteinen der dänischen Regierung im Kampf gegen die Krankheit. So sollen beispielsweise Geldbußen deutlich erhöht werden, wenn Vorschriften nicht eingehalten werden – etwa wenn Tiertransporter nur mangelhaft gereinigt oder illegal Lebensmittelreste verfüttert werden. Zudem wurde eine Informationskampagne über die Risiken der Afrikanischen Schweinepest gestartet.

Nordfrieslands Kreisjägermeister Thomas Carstensen äußerte darüber hinaus Zweifel an der Effizienz des Zaunes: „Es gibt kaum ein intelligenteres Wildtier als das Wildschwein. Es wird sehr schnell merken, dass die Lücken – also die Straßen – in diesem Zaun vorhanden sind und die Grenze dann auf diesem Weg überqueren.“ Laut Carstensen ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis ein Wildschwein den Zaun unterwühlt oder ihn hochhebt, um unter ihm hindurchzukriechen: „Das haben die Schweine sehr schnell spitz.“

Die Dänen fürchten bei einer Übertragung des Erregers auf dänische Schweinebestände große wirtschaftliche Folgen für das Land. „Bei einem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen oder in der Schweineproduktion in Dänemark würden alle Ausfuhren in nicht EU-Länder für einen bestimmten Zeitraum gestoppt“, heißt es in der Mitteilung. Das wolle man nicht riskieren. Dänemark exportiere jedes Jahr für 11 Milliarden dänische Kronen (1,47 Mrd. Euro) in diese Länder.

von

Günter Schwarz – 23.03.2018