Dänemarks erste sozialistischen Führer und Mitbegründer der Socialdemokraterne (Sozial Demokratische Partei Dänemarks, Louis Pio, Harald Brix und Paul Geleff, werden am 04. April 1875 verhaftet.

Die Partei wurde im Herbst 1871 von Louis Pio, Harald Brix und Paul Geleff unter dem Namen „Den internationale Arbejderforening for Danmark“ als Abteilung der Ersten Internationale gegründet. Ihr Ziel war es, die schnell wachsende Arbeiterklasse in Dänemark auf sozialistischer Grundlage zu organisieren. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts befand sich die dänische Bauerngesellschaft in einem Industrialisierungsprozess. Große Teile der Landbevölkerung zogen in die Städte und wurden Arbeiter. Die Sozialdemokratie entstand aus der Forderung nach sozialer Gerechtigkeit und demokratischen Rechten.

Im Winter 1871/72 schlossen sich viele Mitglieder der neuen Partei an, und im Mai 1872 organisierten sie einen Streik der Maurergesellen zur Arbeitszeitbegrenzung. Am 04. Mai 1875 wurden Pio, Brix und Geleff zusammen mit ihren engsten Genossen verhaftet. Am Tag darauf formierte sich eine große Demonstration, bei der es zum ersten gewalttätigen Zusammenstoß zwischen Staatsmacht und Arbeitern kam. Dieses Ereignis ist als Slaget på Fælleden (Schlacht im Fælleden-Park) bekannt geworden und gehört zum Gründungsmythos der dänischen Sozialdemokratie.

Erst im August 1875 fiel ein endgültiges Urteil des Höchsten Gerichts gegen die Angeklagten: Pio bekam fünf Jahre und seine Mitstreiter Brix und Geleff je drei Jahre Gefängnis. Einige Tage später wurde die Internationale in Dänemark verboten. Zwei Jahre später wurden die drei Arbeiterführer vorzeitig entlassen, da Pio in der Haft zu sterben drohte. Trotz des Verbots der Organisation wurden weiterhin sozialdemokratisch gesinnte Folketingskandidaten aufgestellt, und auch die gewerkschaftliche Arbeit kam nicht zum Erliegen.

von

Günter Schwarz – 04.05.2018