Bei dem Begriff „Autorenlesung“ wird man als Loriot-Fan zunächst an Lothar Frohweins „Melusine“, eine knisternde Lederjacke und einen fürchterlichen Schluckauf denken. Dass Autorenlesungen sehr viel charmanter ablaufen können, zeigte eine Lesung im Flandernbunker mit der Schleswiger Autorin Marlies Jensen-Leier in der vergangenen Woche, die bei vollbesetztem Veranstaltungsraum des Flandernbunker in Kiel Wik vor rund 60 Besuchern ihr Buch „Holm – EngHolm und zurück“ vorstellte.

Die Sehnsucht der Autorin gilt Kiel, der Hafenstadt an der Förde, ihre Leidenschaft der Politik und ihre Liebe der Sprache, dem Plattdeutschen: Marlies Jensen-Leier. Sie hat Jahrzehnte bundesrepublikanische und vor allem schleswig-holsteinische Zeitgeschichte hautnah erlebt, war bei den Akteuren, als Schleswig-Holstein in den 1980er- und 1990er-Jahren zum Brennpunkt aktueller politischer Geschehen wurde: der Barschel- und der Schubladen-Affäre um Engholm. Ihre Chronologie ist ein Hintergrundbericht, ein aufschlussreiches Zeitdokument zu diesen Jahren, ein kulturgeschichtliches Stimmungsbild, eine literarische Aufarbeitung und politische Bewertung. Alles das, in einem Werk, facettenreich wie das Leben selbst.

Die aus der Schleswiger Fischersiedlung Holm stammende Marlies Jensen-Leier war nach einer Lehre bei der Stadtverwaltung Schleswig und Tätigkeiten als Chefsekretärin u. a. als persönliche Mitarbeiterin des Schleswig-Holsteinischen Ministerpräsidenten Björn Engholm (SPD / 31. Mai 1988 – 03. Mai 1993) tätig. Sie engagiert sich seit vielen Jahren gesellschaftspolitisch, auch in literarischer Form. Zudem hat sie sich für die plattdeutsche Sprache eingesetzt, deren Literaturfähigkeit ihr ein großes Anliegen ist. Unter anderem hat sie Werke von Erich Fried und Franz Kafka ins Plattdeutsche übertragen. Im ihleo verlag ist bereits ihr Werk Die „Erbschaft aus Angeln“ erschienen.

Die Redaktion war insbesondere von der Idee der Autorin begeistert, dass „Geschichtsschreibung“ nicht erst dann passieren sollte, wenn alle Akteure und Protagonisten die Bühne bereits verlassen haben. Wir alle sind Zeugen unserer Zeit. Um „Geschichte zu schreiben“, bedarf es keiner ausgedehnten Reisen, Taten oder Abenteuer. Jeder Facharbeiter und jede Hausfrau wird also Zeugnis darüber ablegen können, welche Auswirkungen Gesellschaft und Politik in deren Leben bewirken. Alle Menschen sind das Gedächtnis ihrer jeweiligen Zeit.

Die Lesung, begleitet von einem Saxophonisten, macht Lust auf Jensen-Leiers Buch und regt zum Nachdenken an. Mit im Publikum eine Buchhändlerin. „Wir haben dieses Buch im Sortiment“, sagt die Händlerin. „Solche Lesungen sind hervorragend dazu geeignet, eine Stimme und ein Gesicht hinter die Texte zu stellen, mit denen man viele anregende Stunden verbracht hat.“

Das Buch „Holm – engHolm und zurück“ ist in jeder Buchhandlung unter der ISBN: 3940926787 als gebundene Ausgabe zum Preis von 24,95 Euro erhältlich. Die gebundene Ausgabe kann selbstverständlich bequem Internet bestellt werden. Nach Bestellung kann man die Ausgabe selbstverständlich auch in jeder Filiale abholen.
Eine Veröffentlichung als eBook-Version ist derzeit in Planung.. Bis dahin erfreuen wir uns an der gebundenen Ausgabe, die wir bei der Lesung erhielten. Sogar mit einer Widmung der Autorin.

Über weitere Lesungen mit Marlies Jensen-Leier können sie sich direkt auf der Webseite der Autorin informieren www.leierliest.de) Eine Übersicht über Veranstaltungen und weitere Informationen zum Flandernbunker finden Sie auf der Webseite des Mahnmal Kilian e.V. (www.mahnmalkilian.de)

Text & Foto: Michael Schwarz, 19. Mai 2018.



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