(Wien) – Das 15. Open-Air-Konzert der Wiener Philharmoniker am heutigen Fronleichnamstag in Schönbrunn verspricht, ein besonderes Highlight zu werden. Es wird von ORF2 ab 21:05 Uhr und über 3sat zeitversetzt ab 21:45 Uhr in 90 Länder weltweit übertragen. Erstmals ist der russische Opernstar Anna Netrebko mit dabei, und ihr Landsmann, der Stardirigent Valeri Gergijev, steht am Pult der Philharmoniker.

Momentan gehen die Meteorologen davon aus, dass es gewitterfrei bleibt. Versprochen wird schließlich „Eine laue Sommernacht mit italienischen Klängen“ – für die nicht zuletzt Netrebko sorgen soll. Dirigiert wird das Freiluftkonzert bereits zum dritten Mal vom russischen Dirigenten Gergijew. Dieser feiert damit seinen 150. Auftritt mit dem Orchester seit seinem Debüt 1997. Ein besonderes Highlight im edlen Schlossambiente verspricht die Teilnahme von Starsopranistin Netrebko, die damit ihre Premiere beim philharmonischen Konzertevent feiert.

Der Sopransuperstar wird einige Arien präsentieren, deren Auswahl sie pragmatisch begründete: „Es sollte eine italienische Nacht werden – deshalb gibt es italienische Arien.“ Wer dabei an der Seite von Netrebko fehlt, ist ihr Partner Yusif Eyvazov. „Ich muss ja nicht die ganze Zeit mit meinem Mann singen – er macht momentan die ‚Tosca‘ in Berlin. Aber vielleicht das nächste Mal“, beruhigte die Diva allerdings, um sogleich den Herren – und Damen – der Wiener Philharmoniker Rosen zu streuen: „Ich glaube, mit diesem wunderbaren Orchester singe ich besser.“

Philharmoniker-Vorstand Daniel Froschauer gab das Kompliment stante pede zurück: „Ich glaube, wir spielen alle besser, wenn wir mit Anna zusammen musizieren.“ Zum Teil dürfte das natürlich auch an Gergiew liegen, der am Donnerstag bereits seinen dritten Einsatz bei einem Sommernachtskonzert feiert – und den bereits 150. Auftritt am Pult der Wiener Philharmoniker überhaupt.

Es sei natürlich beeindruckend, 100.000 Zuschauer hinter sich zu wissen, unterstrich der 65-Jährige: „Aber in Paris hatten wir unlängst 500.000 Zuschauer.“ Der Unterschied in Wien sei aber die Stimmung der Menschen, liege hier doch einfach die klassische Musik in der Luft, sei das Publikum auf die Klänge gepolt. Netrebko ist bereits 2008 bei einem Freiluftkonzert mit dem ORF-Radiosymphonieorchester in Schönbrunn anlässlich der Fußball-EM aufgetreten.

Anna Netrebkos Auftritt in Wien 2008 zur „Sommer Nachtmusik“ anläßlich der Fußball-WM

Das diesjährige Programm umspannt Werke aus Oper und Ballett mit Italien-Bezug. Zu hören sind Ausschnitte aus Werken von Giuseppe Verdi, Giacomo Puccini, Gioacchino Rossini, Francesco Cilea, Piotr I. Tschaikowsky, Ruggero Leoncavallo und Pietro Mascagni. Als Zugaben stehen am Konzertende traditionellerweise Wiener Gassenhauer auf dem Spielplan, darunter der Walzer „Wiener Blut“ von Johann Strauss Sohn.

Auch in diesem Jahr werden zum Konzert wieder Tausende Menschen erwartet. Wie im Vorjahr ist die Bühne heuer wieder direkt vor Schloss Schönbrunn positioniert, weshalb die Zugangswege ausschließlich über das Hietzinger oder Meidlinger Tor führen. Sobald die Überfüllung des Parks droht, werden die Tore geschlossen.

Der Haupteingang über den Ehrenhof ist nicht zugänglich. Auch die Gloriettewiese ist nicht Teil des Veranstaltungsgeländes, weshalb die Wege von und auf die Gloriette spätestens um 19:00 Uhr gesperrt werden. Es gibt zudem Sicherheitskontrollen. „Es gibt stichprobenartige Kontrollen“, so Thilo Fechner, Wiener Philharmoniker und Organisator. Auf der Website haben die Philharmoniker aufgelistet, was nicht mitgenommen werden darf. So sind etwa Kinderwagen oder Regenschirme nicht erlaubt.

„Wir hoffen einfach, dass die Gewitter vorrüberziehen.“ Wem die Wetterlage dennoch zu unsicher ist, für den überträgt ORF2 mit dem Einsatz von 16 Kameras ab 21:05 Uhr und c zeitversetzt ab 21:45 Uhr das Konzert. Wiederholt wird das Ganze am Sonntag ab 22:35 Uhr in ORF III und am 11. Juli ab 14:05 Uhr auf Ö1. Am Donnerstagabend würdigt der ORF überdies Netrebko gleich im Anschluss um 22:45 Uhr mit dem Porträt „Anna Netrebko – Anna The Great“ von Dimitri Sapun.

Das Sommernachtkonzert sei einfach mittlerweile eine eigene Institution, unterstrich ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz am Mittwochabend vor Journalisten, werde das Konzert doch in rund 90 Ländern auf vier Kontinenten zu sehen sein: „Das ist wirklich ein Weltevent, das wir übertragen.“

von

Günter Schwarz – 31.05.2018