(Aabenraa / Flensburg ) – Der Flensburger Hafen hat seit Jahren wirtschaftliche Probleme und leidet unter einem sinkenden Güterumschlag. Im Jahr 2016 wurden im Flensburger Hafen noch Güter mit einem Gewicht von 306.175 Tonnen umgeschlagen (2015: 360.734 t, 2014: 367.883 t). Der Hauptteil der Tonnage entfiel auf Kohle (227.017 t; 2014: 239.000 t, 2013: 255.000 t) für das Kraftwerk der Stadtwerke am Westufer. Für den Seegüterverkehr wurden 2016 am Harniskai nur noch 79.158 t umgeschlagen (2015: 106.768 t, 2014: 128.523 t, 2013: 142.600 t). In erster Linie sind es Massengüter wie Kohle, Splitt, Dünger, Schrott, Holz und Getreideprodukte sowie Zellulose und Bigpacks, die als Stückgut umgeschlagen werden.

Besonders die Entwicklung am Harniskai beschert Flensburg eine neue Diskussionsrunde zu einem alten Thema. Der „Masterplan Hafen“ wird erneut diskutiert. Darin geht es um den Ausgleich der Interessenskonflikte zwischen der traditionellem Hafenwirtschaft und den nicht maritimen Nutzern, die in attraktive Wassernähe drängen und dort gerne Wohnraum erstellen möchten.

Ein Gutachten der Industrie- und Handelskammer bestätigt Aabenraas Nachbarhafen Flensburg allerdings ein „gutes Wachstumspotenzial“, und der Hafen demnach hat sehr wohl eine Zukunft. „Wir verhalten uns vollkommen neutral in dieser Sache. Das Wichtigste für uns ist, dass so viele wie möglich den Seetransport wählen“, sagt Aabenraas Hafendirektor Henrik Thykjær, nachdem ein in der vergangenen Woche veröffentlichtes Gutachten dem – totgesagten – Flensburger Wirtschaftshafen gutes Wachstumspotenzial zuschreibt.

Der Flensburger Hafen schlägt aktuell jährlich 110.000 Tonnen um. Wenn der Flensburger Wirtschaftshafen eine „verlässliche Perspektive“ böte, so das Gutachten, würden befragte Akteure ihren Güterumschlag auf den Seetransport verlagern. Laut dem Gutachten wäre ein Umschlag von mittelfristig 260.000 Tonnen ja, sogar bis 410.000 Tonnen, möglich, wenn sich Flensburg als Baustoffhafen oder für Düngemittel positionieren würde.

Baustoffe und Düngemittel gehören u. a. zum Portfolio des benachbarten Hafens in Aabenraa, der sich als verlässlicher, tideunabhängiger, gut ausgestatteter Tiefwasserhafen schon gut hat profilieren können. Im vergangenen Jahr lag die Güterumschlagmenge bei 1,6 Millionen Tonnen.

„Auch wenn der größte Teil der Wirtschaftsaktivitäten des Flensburger Hafens eingestellt werden sollte, wird das keinen großartig merkbaren Einfluss auf Aabenraas Hafen haben“, stellt Hafendirektor Henrik Thykjær fest.

„Allerdings könnte man natürlich erwarten, dass einige der Flensburger Kunden ihre Güter über andere Häfen in der Region umschlagen, und da liegt es ja auf der Hand, dass es für die Kunden, die primär in Grenznähe aktiv sind, vorteilhafter wäre, den Hafen in Aaberaa statt z. B. den Kieler oder Rendsburger Hafen zu benutzen“, so Thykjær.

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Günter Schwarz – 19.06.2018