(Schleswig) – Weltkulturerbe – mit diesem Titel kann sich in Schleswig-Holstein bisher nur die Altstadt von Lübeck schmücken. Die Wikingersiedlung Haithabu und der Verteidigungswall Danewerk haben jetzt gute Chancen, ebenfalls diesen Status zu erhalten. Darüber entscheiden Vertreter der UNESCO bei ihrem Treffen im Königreich Bahrain am Persischen Golf. Die Konferenz beginnt heute, und die Entscheidung fällt voraussichtlich am kommenden Samstag des 30. Juni.

Das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein arbeitet seit 14 Jahren darauf hin. Der erste Anlauf, als Weltkulturerbe Anerkennung zu finden, scheiterte im Jahr 2015. Island, Dänemark, Lettland, Norwegen und Deutschland wollten seinerzeit gemeinsam ihre wikingerzeitlichen Stätten anerkennen lassen. Die Jury wies den Antrag jedoch ab und empfahl, ihn zu überarbeiten. Danach wurde der internationale Ansatz des Virhabens nicht mehr verfolgt.

Stattdessen konzentrierte sich das Landesamt nun auf die beiden bedeutsamen archäologischen Fundorte im Schleswiger Umland. Die Wikingersiedlung Haithabu hatte ihre Blüte zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert. Die frühmittelalterliche Stadt galt als eines der bedeutendsten Handelszentren Europas. Auf den Feldern innerhalb des Halbkreiswalls am Haddebyer Noor finden Archäologen regelmäßig hochwertigen Schmuck, aber auch Werkzeug, Nägel, Knochen und Siedlungsreste, wie etwa im vergangenen Sommer.

Die Anfänge des Danewerks reichen sogar in das 5. Jahrhundert zurück. Die Verteidigungswälle erstrecken sich insgesamt über 33 Kilometer von der Treene bis an die Schlei und entstanden in mehreren Etappen. Besonders gut erhalten ist die nach dem dänischen König benannte Waldemarsmauer aus dem 12. Jahrhundert. Dieser vier Kilometer lange Abschnitt besteht im Kern aus Ziegeln. Er wurde am Museum in der Ortschaft Dannewerk stellenweise wieder freigelegt. Dänische Truppen nutzten den Wall auch noch im Krieg gegen preußische und österreichische Truppen im Jahr 1864.

Nur für zehn der 31 nominierten Welterbestätten hat der zuständige Rat in diesem Jahr die Annahme empfohlen.

von

Günter Schwarz – 24.06.2018