(Chur / Berlin / Zürich) – Im Herbst erscheint eine umfassende deutschsprachige Ausgabe der Vulgata des Kirchenvaters Hieronymus, der weitestverbreiteten lateinischen Übersetzung der Bibel.

Rund 40 Übersetzerinnen und Übersetzer haben in sieben Jahren ein fünfbändiges Werk von rund 5.000 Seiten geschaffen. Herausgeber sind der Alttestamentler Michael Fieger von der Theologischen Hochschule Chur, der Berliner Philologe Widu-Wolfgang Ehlers und der Züricher Übersetzer Andreas Beriger. Das Erscheinungsdatum der Druckausgabe wird vom Verlag mit 30. September angegeben. Die offizielle Vorstellung des Werkes findet am 23. Oktober an der Theologischen Hochschule Chur statt.

Die Vulgata entstand ca. 380 – 400 n. Chr., die Hieronymus aus dem Griechischen in ein Latein übersetzte, das er der gesprochenen Sprache im damaligen Mittelmeerraum annäherte. Die Texte des Alten Testaments basieren auf der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des hebräischen Urtextes.

Da die Vulgata teils entscheidend von den originalen Bibeltexten abweicht, bietet sie auch wichtige Einblicke in die Theologie der Spätantike und des Mittelalters. Die katholische Kirche verwendete sie bis in die Frühe Neuzeit als maßgebliche Version der Bibel.

In der neuen, dokumentarisch angelegten Übersetzung wird der Wortlaut des Hieronymus so genau wie möglich in deutscher Sprache wiedergegeben. Nach Fiegers Worten spiegeln sich darin auf diese Weise „Zeitgeschichte, kulturelle Fragestellungen und auch die Theologie der Antike“.

Fieger sagte, immer weniger Wissenschaftler beherrschten gut genug Latein, um Originaltexte lesen zu können. Daher sei ein deutschsprachiger Zugang zu antiken Texten ein wichtiger Schlüssel zu deren Verstehen. Der Theologe betonte, Hieronymus habe seinen Text in einem mehrsprachigen Umfeld verfasst und damit die Texte der Bibel „für ein lateinischsprachiges Publikum zugänglich machen“ wollen. Durch dessen exakte Neuübersetzung könnten beispielsweise „Doppeldeutigkeiten im hebräischen Text genauer erfasst werden“.

von

Günter Schwarz – 26.06.2018