Der am 15. Oktober 1786 in Uthlede bei Bremen als Sohn deutscher Eltern geborene Bildhauer Hermann Ernst Freund verstirbt am 30. Juni 1840 in København.

Freund war nach seinem Schulbesuch zunächst Lehrling eines Schmieds, wo er sich auch Kenntnisse im Gravieren und sich das künstlerische Gestalten von Formen aneignete. In der Absicht, das zu vervollkommnen und vielleicht Bildhauer werden zu können ging er an die Kunstakademie in København, wo er 1817 die Goldmedaille in Verbindung mit einem Reisestipendium für das Relief „Abraham vertreibt Hagar“ gewann.

Sein erstes Werk in Marmor war 1818 die Gruppe „Kloe gibt einem Lamm etwas zu trinken“ (Skulptur wurde bei dem Brand von Schloss Christoiansborg 1884 zerstört). Dann folgte ein stehender „Mercurius“.

Mit dem Stipendium in der Tasche zog Freund 1820 nach Rom und wurde dort freundlicherweise von Bertel Thorvaldsen empfangen, der ihn in seinem Atelier arbeiten ließ. Hier hatte er einen wichtigen Anteil an den Arbeiten für die Frue Kirke (Frauenkirche) in København mit der Christusstatue und den Aposteln. Doch schuf er auch einige selbständige Werke, welche, glücklich erfunden und nicht ohne Feinheit ausgeführt, ihn ganz als Schüler Thorvaldsens zeigen.

1827 verließ Freund Rom und reiste von Florenz über Paris, München, Dresden und Berlin nach København. Nachdem er nach København zurückgekehrt war, entfaltete er eine rege Tätigkeit als Lehrer und Leiter des Kunstvereins. Er wurde Mitglied der Akademie und 1829 Professor an der Modellschule. Er führte in den folgenden Jahren mehr Porträtbüsten, Grabreliefs im griechischen Stil, zweite Reliefs und Medaillen, Brunnen Gruppe Gossen, der einen Schwan reitet. 1836 vollendete er das Denkmal des Reformators Hans Tausen in Viborg.

Sein Hauptwerk war der Ragnarokfries, der 1841 einen Platz im Schloss Christiansborg fand. Es war eine schwere Aufgabe, die phantastische nordische Sage, in der die Gestalten nur in schwankenden Umrissen erscheinen, plastisch zu verkörpern. Freund verwendete dafür die der griechisch-römischen Antike nachempfundenen Thorwaldsenschen Formen. Doch hatte die Komposition den Vorzug einer energievoll dramatischen Wirkung. Auch der Fries wurde beim Schlossbrand 1884 vernichtet. Sein Neffe und Schüler Georg Christian Freund assistierte ihm zeitweise bei der Arbeit.


Der sitzende auf seinem Kammer gestütze Thor – von Hermann Ernst Freund in den Jahren 1828-1829 – Nationales Kunstmuseum
Im Gegensatz zu Thorvaldsen zeigt Freund den Eindruck einer florentinischen Skulptur, die von einem alten deutschen Meister beeindruckt ist. Freund war auch ein Kunstsammler. Als Dekorateur hat er sein Meisterstück zur Dekoration seines eigenen Hauses in København gemacht. Einige von Freunds Möbel befinden sich heute im Frederiksborg Museum und andere im Art Industry Museum.

Hermann Ernst Freund starb als Professor an der Københavner Akademie am 30. Juni 1840.

von

Günter Schwarz – 30.06.2018