(København) – Vor drei Jahren wurde die umstrittene Armutsgrenze abgeschafft. Jetzt hat Danmarks Statistik (Statistikamt Dänemark) diese wieder neu ermittelt. Ohne größere Beachtung in der Öffentlichkeit hat das dänische Statistikamt eine neue Armutsgrenze in Dänemark errechnet und festgelegt. Die Armutsgrenze als offizielle Messlinie des Einkommens in der Bevölkerung wurde im Übrigen 2015 unter der sozialdemokratischen Regierung abgeschafft.

Die neu festgelegte Armutsgrenze ist eine Folge der Mitgliedschaft Dänemarks bei den Weltzielen der Vereinten Nationen. Eines der Ziele ist, den Anteil der in Armut lebenden Menschen bis 2030 zu halbieren. Um die Ekommensentwicklung zu verfolgen, hat das Finanzministerium Danmarks Statistik aufgefordert, Indikatoren für Armut in der Bevölkerung zu entwickeln. Dies erklärt Niels Ploug, Abteilungsdirektor von Danmarks Statistik.

„Da war eine unmissverständlicher Auftrag, also haben wir uns für einen professionellen Weg entschieden“, sagt er zu Jyllands Posten. Diese Methode wird die Anzahl der armen Dänen im Vergleich zur alten Grenzen vervierfachen, vermutet Niels Ploug. Das neue Limit ist einer von drei Indikatoren, die zur Überwachung der Armutsentwicklung herangezogen werden.

Unter Premierminister Helle Thorning (Socialdemokraterne) wurde die ehemalige Armutsgrenze eingeführt. Zu dieser Zeit wurde man als „relativ arm“ bezeichnet, wenn man als Alleinstehender ohne Kinder ein Jahreseinkommen von weniger als 103.000 Kronen (13.800 Euro ) für den Zeitraum von drei Jahren hatte.

Nach der neuen Berechnungsweise von Danmarks Statistik gilt ein Bürger als „relativ arm“, wenn er ein Einkommen von weniger als 117.000 Kronen (15.700 Euro) nach Steuern hat. Zum Beispiel würde die neue Methode die Zahl der Dänen, die 2016 arm waren, vervierfachen – verglichen mit der alten Armutsgrenze.

Studenten und junge Menschen, die gerade von zu Hause weggezogen sind, sowie Personen mit einem Vermögen, sind in der Erklärung der Armen nicht enthalten. Die Faktionsvorsitzende der Linken, Karen Ellemann, hat 2015 als Sozialministerin die Abschaffung der Armutsgrenze eingeleitet. Sie hält die Grenze für irreführend. Unter anderem weil Selbstständige überrepräsentiert waren. „Unter einer solchen Armutsgrenze zu fallen, bedeutet nicht zwangsläufig, dass man auch wirklich arm ist“, sagt sie der Tageszeitung „Jyllands Posten“.

von

Günter Schwarz – 15.07.2018