Der von Dänemark geplante Wildschutzzaun entlang der dänisch-deutschen Grenze muss große Löcher als Durchgänge haben – um der anderen Wildtiere Willen. Aber dann ist es eine Verschwendung von Geld, sagen Kritiker des Projekts.

Die Überprüfung der bestehenden Pläne des geplanten Wildschweins entlang der dänisch-deutschen Grenze wurde überarbeitet, nachdem sich herausgestellt hat, dass der geplante Zaun voller Löcher sein muss. Der Zweck des Zauns, der 80 Millionen Kronen (10,7 Millionen Euro) kosten soll, ist, so viele Wildschweine wie möglich aus Dänemark fernzuhalten, um das Risiko einer Infektion mit der befürchteten Schweinepest zu minimieren.
Aber wenn der Zaun größere Löcher und Durchgänge bekommt, wird er bedeutungslos, argumentieren die Kritiker.

Nach dem Plan muss der rund 70 Kilometer lange Zaun mit etwa 20 großen Öffnungen versehen werden, die es anderen größeren Tieren – wie Rehen, Hirschen und Wölfen – ermöglichen, an dem Zaun vorbei zu kommen oder hindurch schlüpfen zu können. Diese Öffnungen können in Verbindung mit Straßen und Bächen bis zu 100 Meter breit sein. „Ein energiegeladenes und intelligentes Tier wie das Wildschwein findet ein Schlupfloch nach Jylland (Jütland)“, sagt Bo Øksnebjerg, Generalsekretär des World Nation Fund (WWF). In der Tat glaubt er, dass der Zaun eine große Anzahl von Tierarten schädigen wird – nicht aber das Wildschwein!

„Tiere sind sehr unterschiedlich. Einige Tiere, wie der z. B. der Otter, wird an einem Hindernis umkehren. Aber die energischsten Tiere, wie es das Wildschwein ist, finden eine Öffnung, wenn sie weiterziehen wollen“, sagt Bo Øksnebjerg.

Morten Elmeros, Berater am Institut for Bioscience (Institut für Biowissenschaften) stimmt Bo Øksnebjerg zu. „Versucht man mit Mehl im Mund zu blasen und es drin halten zu können, so muss man feststellen, dass es unmöglich ist. Will man das Wildschwein aufhalten, so verhält es sich ähnlich wie mit Rehen, Hirschen, Wölfen und so weiter. Man kann sie nicht wirklich zurückhalten. Einige Wildschweine werden natürlich umdrehen, aber andere werden dem Zaun bis zu einem Durchgang folgen. Und dann überqueren sie dort die Grenze“, sagt Morten Elmeros.

Er hält die Pläne eines Grenzzauns für eine Geldverschwendung. „Viel Geld wird für sehr wenig ausgegeben“, sagt er.

„Zumindest kann es nicht die alleinige Maßnahme sein, wenn man das Wildschwein aufhalten will“, schließt er. Aber genau darum geht es, sagt ein Vertreter der Behörden, die den Zaunbau geplant haben. Für den den Bau des Zaunes ist die Lebensmittelagentur nur eine von mehreren Initiativen, Dänemark von Wildschweinen frei zu halten – und das Ziel ist nicht, dass der Zaun alle Wildschweine zurückhalten muss. Es soll nur die Zahl der Wildschweine begrenzen, die die Grenze überschreiten.

„Es wurde beschlossen, dass wir das letzte Wildschwein, das wir in Dänemark haben, abgeschossen haben müssen, damit Dänemark frei von Schwarzwild sein wird. Der Zaun wird uns zumindest helfen, keine so massive Einwanderung ins Land zu bekommen, so dass wir das Wildschweinrisiko klein halten können. Wenn wir sie dann beim Betreten des Landes abschießen lassen, wird das größte Risiko beseitigt werden“, meint der Chef der Lebensmittelagentur, Stig Mellergaard.

Die befürchtete Schweinepest verbreitet sich derzeit vornehmlich in Osteuropa, und die Regierung hat gemeinsam mit der nationalistischen Dansk Folkeparti (Dänischen Volkspartei) eine Reihe von Initiativen ergriffen, um zu verhindern, dass die Krankheit nach Dänemark kommt. Wenn sie nach Dänemark kommt, kann es die großen dänischen Schweineexporte im Wert von 11 Mrd. Kronen (1,5 Mrd. Euro) pro Jahr gefährden.

Eine der Initiativen besteht also darin, zu verhindern, dass Wildschweine die Krankheit nach Dänemark einschleppen – und möglicherweise dänische Schweine infizieren.

Der WWF unterstützt zu 100 Prozent die Ambition, die Afrikanische Schweinepest aus Dänemark fernzuhalten, ist aber der Meinung, dass der Fokus auf die Wildschweine falsch ist: „Wir stimmen zu, dass wir alles in unserer Macht Stehende tun müssen, um die Afrikanische Schweinepest zu verhindern. Es ist ein großes Problem und die Pest muss bekämpft werden. Aber das Geld könnte anderswo viel besser genutzt werden. Laut der Lebensmittelbehörde ist das größte Problem die menschliche Aktivität. Frischfleisch und lebende Schweine werden über die Grenze transportiert. Das sind beispielsweise Landarbeiter, die Polen oder die baltischen Länder besucht haben und dann in Dänemark in der Landwirtschaft oder in Lebensmittelbetrieben wieder arbeiten“, sagt Bo Øksnebjerg vom WWF.

Aber wir schaffen nicht, die Krankheit aus dem Land zu halten, indem wir einen Zaun entlang der Grenze bauen. „Dieser Zaun wird die Tiere geringfügig stören, aber er wird das Wildschwein nicht abgehalten“, sagt er.

Was ist afrikanische Schweinepest?

Die Afrikanische Schweinepest ist eine ansteckende Viruserkrankung bei Schweinen (einschließlich Wildschweinen). Afrikanische Schweinepest kann keine Menschen infizieren, und der Kontakt mit infizierten Tieren stellt daher keine Gefahr für die Gesundheit von Menschen dar.
Die Afrikanische Schweinepest wurde in Dänemark bisher noch nie nachgewiesen.

Quelle: Lebensmittelagentur

von

Günter Schwarz – 20.07.2018