(Rendsburg) – Mit dem Kanaltunnel Rendsburg wurde am 25. Juli 1961 – heute vor 57 Jahren! – die Unterquerung des Nord-Ostsee-Kanals mit großen Feierlichkeiten und einem abendlich Feuerwerk ca. 500 m westlich der ehemaligen Drehbrücke eingeweiht und anschließend für den Verkehr freigegeben. Seitdem rollt der Straßenverkehr anstatt über die Drehbrücke durch den Kanaltunnel Rendsburg. Der Tunnel schließt die Lücke auf der B77, die durch den Bau des Nord-Ostsee-Kanals von 1887 bis 1895 entstand und die seit 1912 mit der zweiten Drehbrücke geschlossen worden war.

Nach dem 2. Weltkrieg stieg der Verkehr auch in und um Rendsburg. Die Kapazität der Drehbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal stieß an ihre Grenzen. Eine Hochbrücke zu bauen kam nicht in Frage – die notwendigen hohen Rampen hätten die Infrastruktur der Stadt zu sehr gestört. Eine neue Lösung musste gefunden werden, und so entschied man sich für den Bau eines Kanaltunnels. Heute nutzen in beiden Richtungen täglich bis zu 50.000 Fahrzeuge den Tunnel. Das sind 5-mal so viele Fahrzeuge wie bei seiner Inbetriebnahme.

Inzwischen ist der Straßentunnel unverzichtbar auf der Nord-Süd-Achse Schleswig-Holsteins. Vorläufer dieser Wegstrecke ist der historische Ochsenweg. Er verband Rendsburg mit Jylland (Jütland) und dem Süden.

In ganz Deutschland wurde zuvor erst einmal ein Unterwassertunnel für den Straßenverkehr gebaut: der alte Hamburger Elbtunnel von 1912, der die Landungsbrücken mit dem Hafengebiet in Steinwerder verbindet. 30 größere solcher Tunnel gab es bereits in anderen europäischen Ländern, in den USA, in Kanada und Japan. Erfahrungen aus diesen Projekten wurden auch für den Rendsburger Bau genutzt.

Der Kanaltunnel Rendsburg ist ein 640 Meter langer vierstreifiger Unterwassertunnel mit zwei Röhren mit je zwei Fahrspuren unter dem Nord-Ostsee-Kanal bei Rendsburg. Er führt die Bundesstraße 77 von Rendsburg im Norden nach Westerrönfeld im Süden des Kanals.

Die Bauarbeiten am Kanaltunnel Rendsburg begannen am 23. November 1957. Der Tunnel ersetzte die zweite der Rendsburger Drehbrücken und wurde am 25. Juli 1961 eingeweiht. Die Drehbrücke über den Kanal wurde am selben Tage um 14:07 Uhr außer Betrieb gestellt.

In der Tunnelmitte liegen die Fahrbahnen 20 m unter dem Wasserspiegel. Das Tunnelmittelstück mit einer Länge von 140 m entstand liegend in einer Baugrube südlich des Kanals. Diese Baugrube wird heute als Freibad der Gemeinde Westerrönfeld genutzt.

Am 17. März 1959 wurde das Mittelstück schwimmend in Position gebracht und in die in den Kanalgrund gebaggerte Rinne abgesenkt. Während der Arbeiten wurde der Kanal 70 Stunden für den Schiffsverkehr gesperrt und am 20. März um 03:00 Uhr wieder freigegeben.

Die Sanierung des in die Jahre gekommenen Tunnels begann im Sommer 2011. Die Oströhre war seit Sommer 2012 gesperrt. Nach den ursprünglichen Plänen sollten die Arbeiten an beiden Röhren Ende 2013 abgeschlossen sein und 25 Millionen Euro kosten. Inzwischen rechnet die Kanalbehörde mit 64 Mio. Euro. Wegen Schwierigkeiten bei der Verkabelung der Betriebs- und Anlagentechnik ist die Oströhre erst am 01. Oktober 2016 freigegeben worden.

Die Sanierung der Weströhre begann Ende Januar 2017. Das zuständige Wasser- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau geht davon aus, dass die gesamte Tunnelsanierung bis zum Beginn der Bauarbeiten zum Ersatz der Rader Hochbrücke abgeschlossen sein wird.

Als weiterer Ersatz für die Drehbrücke wurde zwischen 1962 und 1965 ein Fußgängertunnel gebaut. Die eigentliche Tunnelröhre ist 131 m lang, der Höhenunterschied von ca. 28 m zum Bodenniveau wird mit je zwei Rolltreppen von 55,9 m (Fahrzeit zwei Minuten) und einem Aufzug auf jeder Seite des Kanals überwunden. Dieser Tunnel befindet sich nahe dem Standort der früheren Drehbrücke.

von

Günter Schwarz – 25.07.2018