(Kolding) – Am Mittwochmorgen hatten die Bürger von Kolding eine dramatische Aussicht auf ihre „Meerjungfrau“, der „Søhavfruen“ (Seejungfrau), denn diese Skulptur des Künstlers Erik Valter im Slotssøen (Schlosssee) vor dem Koldinghus hatte über Nacht ihren Kopf verloren. Jemand hat sich zu nächtlicher Stunde daran gemacht, der „üppigen Meerjungfrau“ auf ihrem Sockel den Kopf abzutrennen. Dort, wo der Kopf sein soll, ragt jetzt nur noch ein Stab aus dem Körper der Dame.

Ähnlich wie nach der Aufstellung dieser bei Kunstliebhabern äußerst umstrittene Skulptur, die in Kommentaren der Sozialen Medien wie auf Facebook Kritik von einem Extrem zum anderen auslöste (SH-UgeAvisen berichtet), führte auch dieser Fall innerhalb kürzester Zeit zu mehr als hundert Kommentaren auf Facebook Kolding.

Es ist bei weitem nicht das erste Mal in Dänemarks Geschichte, dass dänische Meerjungfrauen missbraucht werden. Die erste und berühmteste fand 1964 statt, als Københavns „Den lille Havfrue” (Kleine Meerjungfrau) auf der Langelinie zu einer kopflosen Meerjungfrau wurde. Die Täter wurden nie ermittelt.

Der Künstler Jørgen Nash behauptete seinerzeit, dass er den Täter kannte, aber er weigerte sich, seine Identität zu preiszugeben, und der Fall wurde von der Polizei schließlich beigelegt, aber nicht vergessen. Er wird von vielen Dänen wie ein Mord empfunden. Viele Jahre später, im Jahr 1997, schrieb Jørgen Nash, der „Den lille Havfrue”-Mörder hätte den abgetretenten Kopf in das Utterslev Mose (Moor) geworfen .

Am heutigen Mittwochmorgen wachten die Koldinger mit einem neuen „Meerjungfraufall“ auf. Vielleicht wissen ja die Meeresgötter mit Neptun als „Chefermittler“, wie der Meerjungfrau-Mordfall endet und ob er aufgeklärt werden kann.

Der Künstler Erik Valter sagte am Mittwochmorgen, dass er eine Belohnung von einer Flasche „Gammel Dansk“ und freien Eintritt zur Kunstausstellung der „Trekantområdets Festuge“ (Dreiecksregion Festwoche) vom 24. August bis zum 02. September 2018 für die Person aussetzt, die den Hinweis gibt, der zur Lösung des Falles führt.

von

Günter Schwarz – 22.08.2018