Mit Königlichem Dekret wird am 22. August 1738 Pontoppidans Lehrbuch „Sandhed til Gudfrygtighed“ (Wahrheit zur Gottlosigkeit) im Königreich Dänemark-Norwegen eingeführt.

Sandhed til gudfrygtighed ist ein Lehrbuch im Christentum, das der dänische Theologe Erik Pontoppidan 1737 geschrieben hat. Pontoppidan schrieb dieses Buch im Auftrag von Kong Christian VI. als Lehrbuch für das Christentum in der Schule. Jeder, der den Schulabschluss erreichen wollte, musste dieses Buch gelesen haben.

In Dänemark stand der „Pontoppidan“ bis 1794 auf dem Lehrplan. In Norwegen war er noch bis in die 1900er Jahre in Gebrauch und wird heute immer noch in einigen lutherischen Kirchen verwendet.

Der vollständige Titel des Buches war „Sandhed til Gudfrygtighed“. Das Buch sollte in einer einfachen und kurzen Sprache eine ausreichenden Erklärung der Lehre von Doktor Martin Luthers Kleine Katechismus vermitteln, der all diejenigen, die getauft sind, wissen müssen. Auf Allergnädigsten Königlichen Befehl war es für den allgemeinen Gebrauch bestimmt. Der Titel stammt aus dem Brief des Paulus an Titus, Kapitel 1, Vers 1.

Das Buch wurde als Werk über Fragen und Antworten über den Glauben gestaltet. Das Buch ist durch eine Anzahl von nummerierten Fragen mit den entsprechenden Antworten unterteilt. Anfangs enthielt es 759 Fragen, in späteren Ausgaben waren es dann 750 Fragen, weil einige zusammengeführt wurden. Das Buch ist als eine Aktualisierung und Ausarbeitung von Luthers kleinem Katechismus aufgebaut und hat folgende Kapitel:

          –  Über das Gesetz
          –  Über den Glauben
          –  Über das Gebet
          –  Über die Taufe
          –  Über das Sakrament

Der Inhalt ist fast eine direkte Anpassung des Katechismus der Pietismus-Vaters Philipp Jacob Spencer. Pontoppidan hatte jedoch mehr Sympathie für den sogenannten Halle-Pietismus. Während Spencer mehr daran interessiert war, das Leben nach der Bekehrung zu beschreiben, war Pontoppidan an dem Prozess der Bekehrung interessiert. Dieses wurde unter anderem durch die Betonung der Notwendigkeit von Buße, Weisheit und Warnungen gegen die Begehr der Sünde reflektiert. Die Reue muss nach Pontoppidan das Ende eines langen und schmerzhaften Kampfes sein.

Die radikalen Tendenzen des Pietismus zum Widerstand gegen die Kirche wurden mit dem Nachdruck auf den Gehorsam und das Engagement für alle Herrscher, besonders die Priester, aufgewogen. Obwohl das Priestertum hervorgehoben wird, betonte er, dass sogar unter den Priestern böse Lehrer und falsche Propheten sind, besonders diejenigen, die es sich und anderen zu leicht machen, in den Himmel zu kommen.

Weil das Buch für den Gebrauch in Schule und Kirche gesetzlich vorgeschrieben war, legte es im 19. Jahrhundert den Grundstein für Wiederbelebungen, zum Beispiel „der Starke jeder“. Im gesamten Königreich Dänemark-Norwegen war das Buch bis 1794 verpflichtend, bis es in Dänemark durch Bischof Balles ‚Lehrbuch ersetzt wurde. Nur in Norwegen wurde nach Pontoppidans Buch noch bis ins 19. Jahrhundert gelehrt.

von

Günter Schwarz – 22.08.2018