(København) – Die zylinderförmigen Metallsegel, die wie Kamine in die Höhe ragen, können die Lösung für gestiegene Kraftstoffpreise und verschärfte Umweltanforderungen sein. Die dänische Mærsk-Reederei versucht nun, die hohen Treibstoffpreise ihrer Tankerflotte zu reduzieren und denen die sich verschärfenden Umweltanforderungen durch den Einsatz einer alten Technologie zu begegnen.

Zwei 30 Meter hohe sogenannte Rotorsegel, die an Bord der „Maersk Pelican“, eines Produktentankers aufgebaut sind, machen den Tanker umweltfreundlicher mit einer Technologie, die die Lösung für die Zukunft sein könnte, geht aus einer Pressemitteilung von Mærsk hervor.

„Das Projekt ist wegweisend. Während die Industrie Jahrzehnte der technologischen Entwicklung durchlaufen hat, kann die Verwendung von Technologie, die den Antrieb des Windes nutzt, uns auf ein ganz neues Niveau bringen“, sagt der technische Direktor Tommy Thomassen. Wenn der Versuch erfolgreich ist, sollten die Rotorsegel auf der Hälfte der Maersk Tanker Flotte von 164 Schiffen montiert werden, informiert die Reederei.

Die Rotorsegel des Schiffes haben einen Durchmesser von fünf Metern und sind die größten in der Welt. Sie wurden in Rotterdam in den Niederlanden montiert, von wo aus das Schiff sich am Donnerstag auf eine Testfahrt begeben hat.

Das finnische Unternehmen Norsepower, welche die Technologie geliefert hat, testete diese schon auf zwei Schiffen anderer Bauweise – auf einem kleinen Frachter und einer Fähre zwischen Finnland und Schweden.

Die Segelrotoren auf der „Mærsk Pelikan“ sind leichtgewichtige Zylinder des Typs Flettner-Rotoren, die rotieren, um eine Druckdifferenz zu erzeugen – den Magnus-Effekt – der das Schiff nach vorn bewegt. Es handelt sich dabei um eine Technologie, die schon in den 1920er Jahren zum ersten Mal auf Schiffen eingesetzt wurde, die sich aber nie in der Schifffahrt durchsetzte.

Laut Andrew Scott, Programm-Manager bei der britischen Firma Energy Technologies Institute, EIT, die an der Studie teilnimmt, kann es daran liegen, dass Rotorsegel in einer derartigen Größe seinerzeit nie gebaut und getestet wurden. „Es ist eine der wenigen bekannten Technologien, die den Treibstoffverbrauch bei großen Schiffen um zweistellige Prozentzahlen senken kann. Die Technologie wird voraussichtlich besonders für Tanker und Trockengüterschiffe nützlich sein. Dieser Test wird uns helfen, das weitere Potenzial von Rotorsegeln in der Schifffahrt zu beurteilen“, sagt er.

Heute besteht eine starke Nachfrage nach Schiffsantriebslösungen, die zur Einsparung von Treibstoff beitragen können. Auch bei Schweröl sind die Preise in den letzten Jahren stark angestiegen und ab 2020 müssen sie weniger schwefelhaltig sein, was den Treibstoff nochmals verteuern wird..

Ein Tanker wie die „Mærsk Pelikan“, auf der die Rotorsegel gestestet werden, verbraucht im Durchschnitt rund 35 Tonnen Kraftstoff an einem Tag. Mit einem aktuellen Preis von 420 Dollar für eine Tonne Treibstoff mit hohem Schwefelgehalt besagt eine Berechnung, der Mærsk-Tanker würde 365.000 US-Dollar jährlich einsparen – 2,3 Millionen Kronen – wenn sich das Schiff an 250 Tagen im Jahr auf See befindet und mit Rotorsegeln fährt.

Die Reederei hält sich allerdings bedeckt mit den Angaben darüber, was es Maersk kosten wird, um Rotorsegel auf allen ihren Tankern zu montieren. Nach einer Schätzung von Wood Mackenzie Consulting beläuft sich die Gesamtsumme der Brennstoffkosten der Schifffahrt auf etwa 100 Milliarden Dollar – 638 Milliarden Kronen – pro Jahr.

Erwartet wird, dass der Treibstoffpreis im Jahr 2020 um ein weiteres Viertel steigen wird, wenn die verschärften Umweltanforderungen in Kraft treten werden.

von

Günter Schwarz – 31.08.2018