(København) – Der exzentrische dänische Erfinder und U_Boot-Bauer, Peter Madsen, der im April wegen Mordes an der schwedischen Journalistin Kim Wall zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt wurde, strebt eine kürzere Haftstrafe an.

Gegen das Urteil hatte er Berufung eingelegt, und die Verhandlung über das Strafmaß wurde heute, am Mittwoch, vor dem Højesteret (Oberster Gerichthof) von København eröffnet. Für die Anhörungen sind zwei weitere Tage vorgesehen – am 12. und 14. September.

„Wir sind nicht hier, um festzustellen, ob Peter Madsen schuldig ist, weil er es ist“, führt Staatsanwalt Kristian Kirk an, der Madsen, der neben seinem Anwalt sitzt und in einen schwarzen Blazer gekleidet ist, gegenübersteht. Madsen legte nur Berufung gegen das Strafmaß ein und nicht gegen den Schuldspruch, der am 25. April von dem Byrettet (Bezirksgericht) in København verkündet worden war, weil er die 30-jährige Kim Wall im vergangenen Jahr ermordet hatte, ihre Leiche zerteilte und ihre Körperteile ins Meer warf. Der grausame Fall machte weltweit Schlagzeilen, umso schockierender, als er in einem der sichersten Länder der Welt stattfand, so stand es in vielen ausländischen Presseorganen zu lesen.

Am 10. August 2017 bestieg die schwedische Journalistin Wall das U-Boot zusammen mit dem Ingenieur, der eine kleine Berühmtheit in Dänemark ist, um ihn für einen Artikel zu interviewen, den sie gerade schrieb. Kim Walls Freund meldete sie als vermisst, als sie an diesem Abend nicht nach Hause zurückgekehrt war. Ihre zerstückelten Körperteile wurden später teilweise angespült oder von Tauchern auf dem Meeresboden entdeckt, die sich in beschwerten Plastiktüten befanden.

Kim Walls Eltern waren am heutigen Mittwoch im Gerichtssaal erschienen.

Peter Madsen behauptete während seines ersten Prozesses, dass ihr Tod eine Folge eines Unfalls war. Sein Anwalt hat darauf bestanden, dass seine Entscheidung, den Schuldspruch nicht anzufechten, „sicherlich nicht“ als Schuldeingeständnis ausgelegt werden sollte. „Er erkennt, dass er für schuldig befunden wurde, und damit muss er leben. Er hat beschlossen, nicht weiter zu kämpfen, weil er dafür nicht die nötige Energie hat“, sagte Betina Hald Engmark im Mai zu Danmarks Radio. Hald Engmark sagte, das Urteil sei „unverhältnismäßig im Vergleich zu einem Präzedenzfall“.

Dieses zu klären wird daher die Hauptaufgabe für die drei Richter des Berufungsgerichts am Højesteret sein. In Dänemark wurde außer Madsen bisher nur eine weitere Person wegen eines einzigen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. „Es ist ungewöhnlich, dass man ihn zu lebenslanger Haft verurteilt. Doch was für das Gericht für das harte Urteil entscheidend war, war, dass es ein gut vorbereitetes und geplantes Verbrechen war, das rücksichtslos ausgeführt wurde“, sagte Staatsanwalt Jakob Buch-Jepsen bei der Urteilsverkündung im April.

Heute, am Mittwoch, legte die Staatsanwaltschaft Beweise aus dem vorherigen Prozess vor, darunter Bilder von Kim Walls verstümmeltem Körper, um die lebenslange Haftstrafe zu rechtfertigen. Es ist derzeit noch ungewiss, ob Madsen während des Berufungsverfahrens Stellung zu seinem Fall beziehen wird.

Madsen änderte seine Version der Ereignisse mehrmals, aber bezeugte schließlich die Version, dass Wall starb, als der Luftdruck plötzlich abfiel und sich giftige Dämpfe in seinem Schiff ausbreiteten, während er sich an Deck im Turm des U-Bootes befand. Trotz der Aussagen vieler Experten war es aufgrund des Mangels an konkreten Beweisen in diesem Fall und des zersetzten Zustands der Überreste von Kim Wall unmöglich, eine genaue Todesursache der jungen Frau festzustellen.

Ein Autopsiebericht kam zu dem Schluss, dass sie wahrscheinlich infolge von Erstickung oder an durchgeschnittener Kehle starb. Vierzehn Verletzungen durch Stichwunden wurden auch in und um ihren Genitalbereich gefunden. Madsen hatte in der 1. Verhandlung argumentiert, dass er auf ihren Toten Körper eingestochen hat, weil er verhindern wollte, dass sich Gase in ihrem Körper ansammelten, die verhinderten, dass sie auf den Meeresboden absanken.

Psychiatrische Experten, die Madsen untersuchten – der sich selbst als „einen Psychopathen, aber einen liebenden Freund“ bezeichnete – bezeichneten ihn übereinstimmend als „einen pathologischen Lügner“, der „eine Gefahr für andere“ darstellt und der mit großer Wahrscheinlichkeit ein Wiederholungstäter sein wird.

Eine lebenslange Haftstrafe in Dänemark beträgt durchschnittlich 16 Jahre. Nur 25 Gefängnisinsassen in Dänemark verbüßen derzeit lebenslange Haftstrafen. Nach 12 Jahren Gefängnis kann ein Insasse mit einer lebenslangen Haftstrafe um Bewährung bitten, aber das Justizsystem kann beschließen, ihn oder sie hinter Gitter zu belassen, solange er oder sie als Gefahr für die Gesellschaft angesehen wird.

Das Urteil des Berufungsgerichts wird am 14. September gesprochen.

von

Günter Schwarz – 05.09.2018