(Skagen) – Der Verlust des deutschen Truppentransporters „M/S Pionier“, das 1934 ursprünglich als Kühlschiff auf der Bremer Vulkan Schiffbau und Maschinenfabrik in Vegesack gebaut und 1940 von der Kriegsmarine konfisziert worden war, kostete 338 Menschen das Leben. Eines der meistgesuchten Schiffswracks vor den Küsten Dänemarks wurde jetzt nach 78 Jahren in 177 Metern Wassertiefe nördlich von Skagen gefunden.

Das „Sea War Museum Jutland“ (Seekrieg Museum Jütland), hat das Wrack des deutschen Truppentransportschiffes „M/S Pionier“, das am 2. September 1940 versenkt wurde, während einer Suchexpedition im Skagerrak, gefunden. Jahrzehntelang gehörte das Wrack zu den meistgesuchten in der Nordsee. Dänische und internationale Taucher suchten jedoch stets vergeblich den Meeresgrund nach dem Schiffswrack ab.

Gert Normann Andersen, Direktor des Seekriegsmuseums in Thyborøn, ist froh über die Entdeckung: „Für uns ist es einer der bekannteren Untergänge, der sogar vielfach mystifiziert wurde. Es ist also eine schöne Nachricht, dass wir jetzt sagen können, wo es liegt.“

Das Schiff befand sich mit 70 Mann Schiffsbesatzung und Flakbedienung und 753 mehrheitlich von Heimaturlaub zurückkehrenden Wehrmachtsangehörigen an Bord auf dem Weg von Frederikshavn nach Frederiksstad in Norwegen, als es abends gegen 21:00 Uhr nördlich von Skagen durch zwei Torpedos getroffen wurde, was eine heftige Explosion auslöste und woraufhin das Schiff schnell zu sinken begann.

Die in Skagen und Frederikshavn liegenden Boote der 10. und 15. Vorpostenflottille eilten umgehend zur Untergangsstelle und kehrten in den Morgenstunden des 3. September mit 175 Überlebenden und 91 geborgenen Toten zurück. Der Frachter „Utlandshörn“ und seine Geleitboote brachten am Nachmittag weitere 312 Überlebende und 152 Tote nach Frederikshavn zurück.

Der Untergang der „Pionier“ kostete somit 338 Menschenleben und war damit das schwerste Kriegsgeschehen, das die deutschen Streitkräfte in Dänemark während der fünfjährigen Besatzung Dänemarks von 1940 bis 1945 traf.

Nach britischen Angaben war es ihr U-Boot „HMS Sturgeon“, das die „Pionier“ mit zwei Torpedos auf den Grund des Meeres schickte. Dieser Version der britischen Meldung wurde von der deutschen Propaganda hartnäckig widersprochen, die verbreitete, dass das Schiff auf eine Mine aufgelaufen sei, durch einen Sabotageakt versenkt wurde oder ein Opfer einer Kesselexplosion war. Die von der deutschen Propaganda letzte verbreitete Untergangsversion war eigentlich unwahrscheinlich, da die „Pionier“ kein Dampfer war, schreibt das „Sea War Museum Jutland“ in einer Pressemitteilung.

Nach dem Verblieb und der Untergangsstelle der „Pionier“ wurde seit vielen Jahren in dänischen Gewässern gesucht. Die Ergebnisse des Museums zeigen jetzt jedoch, dass bisher immer an den falschen Orten gesucht wurde. Das Schiff wurde wesentlich weiter östlich gefunden, als bisher angenommen wurde, wo es liegen könnte.

Das Wrack liegt in einer Wassertiefe von 177 Metern, was den Zugang zu dem Schiff erheblich erschwert. Die Sonarsuche nach dem Schiff stützte sich jetzt jedoch auf britische Angaben zur Versenkung des Truppentransporters. „ Das Achterschiff fehlt, und alles deutet darauf hin, dass das Schiff von dem Torpedo in der Mitte zerrissen wurde. Der hintere Teil ist wahrscheinlich sofort gesunken und der vordere Teil des Schiffes lief noch weiter in Richtung Osten, bevor er auch versank“, meint der Direktor des „Sea War Museum Jutland“, Gert Normann Andersen.

Die Überlebenden des Schiffes wurden 1940 nach Skagen und Frederikshavn gebracht, aber 93 wurden nie gefunden. Am 6. September 1940 wurden 245 Deutsche auf dem Soldatenfriedhof in Frederikshavn, im größten Massengrab des Krieges in Dänemark, beigesetzt. Viele von ihnen sind vermutlich mit dem Wrack untergegangen, wodurch das Wrack als Kriegsgrab zu werten ist, in dem die Totenruhe nicht gestört werden darf.

von

Günter Schwarz – 06.09.2018