Der dänische Architekt und Maler deutscher Herkunft, Gustav Friedrich von Hetsch, verstirbt am 07. September 1864 in Dänemarks Hauptstadt København.

Gustav Friedrich von Hetsch erblickte am 29. September 1788 in der damaligen Residenzstadt des Herzogtums Württemberg Stuttgart als Sohn des Malers Philipp Friedrich von Hetsch und dessen erster Ehefrau Louise Friederike Wilhelmine Scholl das Licht der Welt.

Nach seiner Schulzeit in Stuttgart begann Hetsch an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen Mathematik zu studieren. Aber bereits nach zwei Semestern wechselte er nach Stuttgart zurück und begann Architektur bei Gottlieb Christian Eberhard von Etzel zu studieren.

Als sein Vater Philipp Friedrich 1808 nach Paris ging, schloss sich Hetsch ihm an. Ab 1809 studierte Hetsch dort an der École des Beaux-Arts unter Charles Percier und später unter dessen Schüler Louis-Hippolyte Lebas. Unterstützt durch seine Lehrer wurde Hetsch Mitarbeiter von Jean-Baptiste Rondelet. Nach einigen Vorarbeiten wurde Hetsch Rondelets Bauleiter bei den Arbeiten am Panthéon. Gezwungen durch die politische Lage kehrte Hetsch 1812 wieder nach Deutschland zurück und ließ sich in Stuttgart nieder. Dort konnte er noch im selben Jahr mit Erfolg seine Prüfung zum Baumeister ablegen.

Da durch die Befreiungskriege jegliche Berufsausübung verhindert wurde, unternahm Hetsch eine Studienreise nach Rom. Dort machte er die Bekanntschaft des dänischen Architekten Peder Malling, der ihn u. a. mit dem Landschaftsmaler Johan Fredrik Eckersberg und dem Bildhauer Bertel Thorvaldsen bekannt machte. Als im Oktober 1815 Malling zurück nach København ging, schloss sich Hetsch ihm an.

Bereits 1816 bekam Hetsch eine Anstellung als Dozent an der Schule für Ornamentik, an der er angehende Architekten unterrichtete. Diese Schule war der Akademie der Bildenden Künste angeschlossen und von ihr getragen. Für seinen Unterricht begann Hetsch eine Sammlung von Zeichnungen anzulegen, welche als Vorlagen für seine Schüler gedacht war. Diese Sammlung wurde ihm 1818 vom dänischen Hof abgekauft und zur weiteren Verwendung überlassen. Durch seine Arbeit als Dozent schloss Hetsch bald Freundschaft mit dem Architekten Christian Frederik Hansen.

1820 nahm die Akademie Hetsch als Mitglied auf und 1822 wurde ihm die dänische Staatsbürgerschaft verliehen. Mit 34 Jahren berief man Hetsch im Jahr 1822 als Professor für Perspektive an die Königlich Dänische Kunstakademie von København. Dort war er maßgeblich an den Entwürfen und am Bau der Neuen Synagoge, an einigen Neubauten der Universität København und am Bau der späteren katholischen Domkirche St. Ansgar beteiligt.

Die Neue odder Große Synagoge in København ist noch heute die Hauptsynagoge der jüdischen Gemeinde in der Hauptstadt Dänemarks. Sie wurde in den Jahren 1830 bis 1833 auf quadratischem Grundriss in ägyptisierendem Stil aus gelbem Backstein in der Krystalgade errichtet und 1885 durch Frederick L. Levy und Ove Petersen umgebaut. Das Gebäude steht heute unter Denkmalschutz.

Die Sankt Ansgars Kirke – Katolsk Domkirke (Kathedrale St. Ansgar) in København ist die Bischofskirche des römisch-katholischen Bistums København, das ganz Dänemark, die Färøer und Grønland umfasst. Der Grundstein wurde 1840 gelegt, die Weihe erfolgte bereits am 1. November 1842. Das ursprüngliche Patrozinium war „St. Salvator“ (Heiland); daran erinnert die lateinische Inschrift über dem Portal „Christo redemptori sacrum“ (Christus dem Erlöser geweiht). Später erfolgte die Umbenennung nach Ansgar von Bremen, dem Apostel des Nordens.

Zusammen mit Christian Frederik Hansen gestaltete Hetsch die Innenräume von Schloss Christiansborg neu, nachdem das erste Schloss dieses Namens am 26. Februar 1794 abgebrannt war. In den Jahren 1806 bis1828 wurde es im Stil des Klassizismus von dem Architekten Christian Frederik Hansen (1756–1845) – einem Freund Schinkels – wieder errichtet.

Durch diese Arbeiten am Schloss wurde der Hof auf Hetsch aufmerksam, und er wurde ab 1828 mit der Leitung der Königlichen Porzellanmanufaktur betraut. Zwischen 1829 und 1830 bereiste Hetsch Deutschland, Frankreich und Italien, um nach eigenen Aussagen „…dem modernen Bauen nachzuspüren“. 1851 besuchte er zusammen mit einer staatlichen Delegation die Weltausstellung in London und vier Jahre später die Weltausstellung in Paris.

Im Alter von nahezu 76 Jahren starb Gustav Friedrich von Hetsch am 7. September 1864 in København. Zu seinem Gedenken schuf der Bildhauer Edvard Harald Bentzen 1902 in København ein Denkmal.

Am 28. August 1823 heiratete Hetsch in København Annette Hansen (1795–1827), eine Tochter seines Freundes Christian Frederik Hansen. Als diese am 21. November 1827 starb, hielt Hetsch das obligate Trauerjahr ein und heiratete Anfang 1829 die Schwester seiner verstorbenen Ehefrau, Carolina Amalie Augusta (1800–1874). Mit ihr hatte er einen Sohn, den späteren Maler Christian Fredrik Hetsch (1830–1903).

von

Günter Schwarz – 07.09.2018