Im vergangenen Jahr wurden im Syd- og Sønderjyllands Politi-Eevier 86 Anklagen wegen Verstoßes gegen das Verbot von Pfefferspray durch das Waffengesetz erhoben. Im Jahr zuvor gab es 76 Verurteilungen, und in der ersten Hälfte des Jahres 2018 gab es erneut 38 Anklagen gegen Personen, die sich entschieden haben, das Verbot des Besitzes von Pfefferspray zu ignorieren.

Die Zahlen deuten darauf hin, dass es weit entfernt von dem ist, dass das Verbot des Besitzes oder der Verwendung von Pfeffersprays respektiert wird, das die Regierung gesetzlich erlassen hat. „Ich denke, es besteht der Eindruck, dass es viele Syd- und Sønderjyder gibt, die Pfefferspray besitzen, und dass die meisten Menschen Pfeffersprays als relativ harmloses Werkzeug im Vergleich zu den Waffen betrachten, mit dem man sich zuhause verteidigen kann – wie z. B. ein Knüppel oder ein Messer aus der Schublade“, sagte der Rechtspolitische Sprecher der Dansk Folkeparti (Dänische Volkspartei), Peter Kofod Poulsen, als die Zahlen vorgestellt wurden, und er fügt noch hinzu: „Viele Menschen in Sønderjylland sind mit den deutschen Erfahrungen südlich der Grenze vertraut, und dort gibt es keine Probleme, dass gewöhnliche Menschen Zugang zu Pfeffersprays haben. Ich habe nie verstanden, warum man in Dänemark die am wenigsten gefährliche Waffe, mit der man sich verteidigen kann, verbietet.“

Die Regierung gab am Montag bekannt, dass sie einen Gesetzentwurf eingereicht habe, um es gesetzlich zu erlauben, dass ein Pfefferspray zumindest zu Hause zur Verteidigung verwendet werden darf.. Das ist ein Vorschlag, den auch die Dansk Folkeparti laut Peter Kofod Poulsen uneingeschränkt unterstützt.

Mit dem Gesetzesvorschlag wird die Regierung auch einigen Menschen erlauben, Pfefferspray auf der Straße bei sich zu führen. Es gibt Stalkingopfer oder andere Personen, die Gefahr laufen, von ehemaligen Freunden oder gar Familienmitgliedern angegriffen zu werden, heißt es von der Nachrichtenagentur Ritzau.

Sowohl der Polizeiverband als auch der Kriminalpräventionsrat haben Vorbehalte gegen die Legalisierung von Pfeffersprays geäußert. Der Polizeiverband hat davor gewarnt, dass ein Pfefferspray in die falschen Hände geraten und illegal verwendet werden kann.

Diese Bedenken teilt Peter Kofod Poulsen nicht. „Kriminelle haben ohnehin bereits einen einfachen Zugang dazu. Sie brauchen nur kurz über die Grenze fahren, und dort bekommen sie ihr Pfefferspray. Also schützt auch kein Verbot!“ meinte er.

Der Kriminalpräventionsrat sieht es wie der Polizeiverband kritischer. „Ich bin allgemein besorgt, dass man damit anfängt, unsere Bevölkerung zu bewaffnen“, gibt Ratspräsident Henrik Dam zu bedenken. „Auch ein Einbruch oder ein Raubüberfall in einer Wohnung“, so Henrik Dam, „könne sich zu einer sehr schmerzhaften Erfahrung entwickeln – wenn der Täter das Pfefferspray ergreifen kann und das dann dem Hausbesitzer in die Augen sprüht.“

„Das ist schon wahr, dass so etwas passieren kann, aber wenn Sie ein Pfefferspray in Ihrem Haus haben, können sie eine konkrete Einschätzung vornehmen, welches das größere Risiko ist, wenn Sie sich verteidigen“, sagt Peter Kofod Poulsen.

von

Günter Schwarz – 11.09.2018