Nach dem Aufenthalt in Rom seit 1797 kehrt der Bildhauer Bertel Thorvaldsen auf der Fregatte Rota nach København zurück. Er wird mit einen Heldenempfang enpfangen und erhält ein Atelier mit Unterkunft in Charlottenborg.


Thorvaldsenss Empfang als Nationalheld bei seiner Rückkehr nach Dänemark 1838. (Gemälde von
Contemporary painting by)
Der am 19. November 1770 in København geborene Bildhauer Bertel Thorvaldsen gilt trotz seines langen Aufenthalts in Rom als einer der künstlerischen Protagonisten des „Goldenen Zeitalters“ in Dänemark.

Thorvaldsen war der Sohn des isländischen Holzschnitzers Gotskalk Thorvaldsen und dessen Ehefrau Karen Dagnes. Einige Quellen nennen als Geburtsort ein Schiff zwischen Island und København, andere nur København.

Nach erstem künstlerischem Unterricht durch den Vater wurde Thorvaldsen bereits mit elf Jahren Schüler der „Freischule der Königlich Dänischen Kunstakademie“ in København. Dort wurde er zunächst von Johannes Wiedewelt und hauptsächlich von Nicolai Abraham Abildgaard unterwiesen. 1787 wurde Thorvaldsen für seine Leistungen im Modellieren mit einer kleinen Silbermedaille ausgezeichnet und zwei Jahre später verlieh man ihm die Große Silbermedaille für sein Relief „Ruhender Amor“. Durch die Auszeichnung von Thorvaldsens Relief „Die Vertreibung Heliodors aus dem Tempel“ 1791 wurde der Minister Graf Christian Ditlev Reventlow auf ihn aufmerksam und verschaffte ihm die nötigen finanziellen Mittel zur Fortsetzung des Studiums.

1793 wurde Thorvaldsens Relief „Die Apostel Petrus und Johannes heilen einen Lahmen“ mit einer Großen Goldmedaille prämiert. Verbunden mit diesem Preis war ein dreijähriges Reisestipendium für Rom. Da er bereits mehrere Aufträge angenommen hatte, verzögerte sich seine Abreise um drei Jahre.

In den Jahren 1793 und 1796 erteilte er privaten Zeichenunterricht; vollendete aber in der Hauptsache mehrere Statuen für das Palais des Erbprinzen Frederik auf Schloss Amalienborg. Außerdem entstanden in dieser Zeit unter anderem Büsten des Politikers Graf Andreas Peter von Bernstorff und des Schriftstellers Tyge Rothe.

Am 29. August 1796 konnte Thorvaldsen endlich seine Reise nach Rom antreten, das er am 8. März 1797 erreichte, unterbrochen von Aufenthalten auf Malta und in Neapel. Diesen Tag feierte Thorvaldsen später als seinen „römischen Geburtstag“ und nannte sich dort „Sculptore Alberto“. Bald nach seiner Ankunft in Rom machte er die Bekanntschaft des Archäologen Georg Zoëga, der ihn beim Studium der Antike unterstützte und mit der Zeit auch sein Mentor wurde. Auch der Maler Asmus Jacob Carstens unterstützte Thorvaldsen in seiner ersten Zeit. 1797 bezog Thorvaldsen sein erstes Atelier in der Via Babuino 119, wo zuvor der englische Bildhauer John Flaxman gearbeitet hatte.

Als kurz vor Ablauf des Stipendiums Thorvaldsen seinen „Bacchos und Ariadne“ der Kunstakademie in København übersandte, bewilligte diese eine zweijährige Verlängerung und 1802 erneut eine einjährige. Die Jahre 1801 bis 1803 waren für Thorvaldsen von Armut und politischen Unruhen geprägt. Damals lernte er den sächsischen Hofbildhauer Franz Pettrich kennen.

Als Thorvaldsen im März 1803 zusammen mit dem Berliner Bildhauer Carl Friedrich Hagemann nach København reisen wollte, verzögerte sich die Abreise um einige Tage. In dieser Zeit machte Thorvaldsen Bekanntschaft mit dem englischen Bankier und Sammler Thomas Hope, der nach einem Besuch in dessen Atelier spontan einen „Jason“ aus Marmor in Auftrag gab. Eine erste Ausführung vernichtete Thorvaldsen; eine zweite fand zwar großes Lob durch Georg Zoëga und Antonio Canova, gefiel aber dem Künstler nicht. Verschiedene Umstände verzögerten die Arbeit, und erst 1828 konnte Thorvaldsen das Kunstwerk zu Hope nach Großbritannien senden.

Im Mai 1805 berief die Königlich Dänische Kunstakademie in København Thorvaldsen zu ihrem ordentlichen Mitglied und noch im selben Jahr ehrte ihn die Kunstakademie in Bologna mit einer Ehrenmitgliedschaft. In dieser Zeit bekam er einige Staatsaufträge von Napoleon Bonaparte, welcher Thorvaldsen 1809 mit einem in Thorn aufzustellenden Denkmal zu Ehren von Nikolaus Kopernikus beauftragte.

Einige Arbeiten übernahm nach dem Sturz Napoleons der Mäzen und Sammler Graf Giovanni Battista Sommariva für seine Residenz am Comer See. Der Fries „Der Triumphzug Alexander des Großen in Babylon“ entstand 1829 ein weiteres Mal für Schloss Christiansborg in København und wurde von Samuel Amsler kongenial in Kupfer gestochen.

Eine Schaffenskrise bewältigte Thorvaldsen 1815, indem er sich für einige Zeit nach Montenero bei Livorno zurückzog. Aber auch in der selbstgewählten Klausur war er künstlerisch tätig. In den folgenden Jahren schuf er dann einige seiner schönsten Werke.
Am 03. Oktober 1818 kehrte Thorvaldsen nach København zurück, wo er Professor der Modelklasse an der Akademie der Schönen Künste wurde. Im darauffolgenden Jahr wurde er zum „Dänischen Etatsrat“ ernannt – eher ein Ehrentitel als ein politisches Amt. Im August 1820 verließ er erneut seine Heimatstadt und reiste über Deutschland, Polen und Österreich nach Italien zurück.

Dort entstanden seine größeren Arbeiten, unter anderem das Denkmal für Nikolaus Kopernikus aus Bronze, das 1809 für die Geburtsstadt Thorn beauftragt war, aber 1829/1830 an der Krakowskie Przedmieście in Warschau aufgestellt wurde. Als Kardinal Ercole Consalvi sich von Thorvaldsen seinen Sarkophag ausschmücken ließ, wurde der Vatikan auf ihn aufmerksam. Obwohl er bekennender Protestant war, betraute ihn der Kardinalstaatssekretär Consalvi 1823 mit dem Grabmonument für Pius VII., das ebenfalls 1830 in der „Cappella Clementina“ des Petersdoms aufgestellt wurde und zu seinen wichtigsten Arbeiten zählt.


Grabmahl von Papst Pius VII, St. Peters Basilika, Rom
1838 unternahm Thorvaldsen eine weitere Reise in seine Heimat Dänemark und wurde dort mit allen möglichen Ehren empfangen. Auch hier führte er mehrere Aufträge aus: Unter anderem schuf er Büsten von Ludvig Holberg, Adam Oehlenschläger und Henrich Steffens und auf Wunsch des Königshauses auch eine von sich selbst.

Im Mai 1841 kehrte Thorvaldsen nach Rom zurück, um dort einige bereits zugesagte Aufträge zu erledigen. Bereits im Oktober 1842 kehrte er nach København zurück.

Bertel Thorvaldsen verstarb am 24. März 1844 in seiner Geburtsstadt København.

von

Günter Schwarz – 17.09.2018