Der am 16. November 1842 auf Bornholm geborene konservative Politiker der Partei Højre (Rechte), Hannibal Sehested verstirbt am 19. September 1924.

Hannibal Sehested war der Sohn des Gutsbesitzers und späteren Kammerherrs Frederik Sehested und dessen Ehefrau Charlotte. Er studierte ab 1860 Jura im ehemaligen Kloster Herlufsholm bei Næstved mit dem Abschluss „cand. Jur.“ und ging dann 1869 an die Universität von Kopenhagen, 1882 wurde er Mitglied der Landhusholdingsselskabets (Gutsherrengesellschaft), deren Voritz er von 1887 nis 1916 inne hatte. Auch war Sehested Mitglied des Bankenrats der Privatbanken und ab 1889 Inspektorr bei den Landbohøjskolen (Landhochschulen). Vom 27. April 1900 bis zum 24. Juli 1901 war der adlige Gutsbesitzer dänischer Konseilspræsident (Ministerpräsident) und Außenminister.

Dem am 27. April 1900 neuberufenen konservativen Kabinett Sehested, dem, außer dem bisherigen Minister des Innern, Ludvig Bramsen, unter anderem Professor Carl Goos als Justiz- und Professor Hans William Scharling als Finanzminister angehörten, war nur ein kurzes Leben beschieden. Vergebens trat der Kronprinz Frederik am 3. Juli 1900 zu Odense für einen engen Anschluss aller Konservativen an das Ministerium ein.

Trotz des für die Regierung günstigen Wahlmodus wurden im September bei den Ergänzungswahlen zum Landsthing ausschließlich Anhänger der „Fronde“ oder der Reformpartei der „Linken“ (Venstre, faktisch aber Liberale) gewählt, und sogar Estrup musste, um dem Landsthing auch fernerhin angehören zu können, seinen alten Wahlkreis mit einem der vom König zu vergebenden Mandate vertauschen.

Demgemäß verlief die Reichstagssession 1900/1901 für das Kabinett ungünstig. Seine Steuerreformvorschläge stießen nicht nur beim Folkething, das den im Sommer von einem parlamentarischen Ausschuss ausgearbeiteten Steuervorlagen den Vorzug gab, sondern auch im Landsthing, wo am 23. November neun Abgeordnete offiziell aus dem Parteiverbande der Rechten austraten und sich zu einer besonderen Fraktion vereinigten, auf Widerstand, so dass die ganze Steuerreform scheiterte.

Dieser Niederlage folgte bald eine zweite, indem bei den Folkethingswahlen am 03. April 1901 die Zahl der regierungsfreundlichen Konservativen, deren Mehrheit im Landsthing nur noch eine Stimme betrug, auf 8 (gegen 75 Anhänger der Reformpartei der Linken, 14 Sozialdemokraten, 2 „Wilde“und 15 Mitglieder der gemäßigten Linken) zusammenschmolz. Hiermit war das Schicksal der langjährigen konservativen Parteiherrschaft in Dänemark besiegelt. Am 23. Juli berief der Kong Christian IX. unter dem Vorsitz von Professor Deuntzer ein ausschließlich aus Radikalen zusammengesetztes Kabinett.

von

Günter Schwarz – 19.09.2018