(Ribe) – Ein besonderer Fund in Ribes Untergrund kann zur Folge haben, dass die Geschichte um das Christentum und wann es nach Dänemark gekommen ist, umgeschrieben werden muss, denn der Fund weist auf den Beginn der Christentums im Land auf eine Generation früher hin, als es bisher angenommen wurde.

Wir sind immer davon ausgegangen, dass Harald Blåand (Blaubart) die Dänen um das Jahr 960 christianisiert hat. Doch drei der bei Ausgrabungen entdeckten Amulette mit einer klaren christlichen Symbolik darauf können darauf hindeuten, dass das Christentum schon 150 Jahre früher als angenommen nach Dänemark kam. „Das zeigt einfach, dass es zumindest eine kleine Gruppe von Christen in der Stadt war, die christliche Amulette getragen haben“, sagt der Leiter des Forschungsprojekts, Professor an der Universität Aarhus Soren Sindbæk.

„Die Amulette erzählen uns, dass es im heutigen Dänemark sicher für viele weitere Jahre einige Gruppen von Christen aus dem vorderasiatischen Raum gegeben hat, auf die es vor ein paar Jahren schon gewisse Hinweise gab. Wir hatten zuvor bereits Amulette gefunden, die denen in anderen Handelsstädten ähneln, aber wir wussten bislang nicht, dass sie in Dänemark hergestellt wurden“, fügt Professor Sindbæk hinzu.

Die Amulette mit klaren christlichen Kreuzen sind eine von vielen auffälligen Funden, die während der rund einjährigen Ausgrabung in der ältesten bekannten Stadt Dänemarks, Ribe, gemacht wurden. Das Projekt lief über insgesamt 14 Monate und wurde im August beendet. Jetzt muss viel Zeit in die Untersuchung der Ergebnisse gesteckt werden.

Die Archäologen fanden die drei Amulette auf einem Werkstattboden. Hier fand man auch die Form, in der die Amulette geformt wurden, und das lässt die Forscher davon ausgehen, dass es damals mehr Christen als zuvor vermutet in der Stadt gegeben hat. „Wenn wir die drei Amulette und die Form finden, muss das bedeuten, dass es dort deutlich mehr gibt als nur die drei“, sagt Søren Sindbæk.

Bis jetzt wurde die Geschichte des Christentums in Dänemark auf dem Jelling Runenstein geschrieben. Es war nämlich Harald Blåtand, der demnach entschied, dass die Dänen zu Christen wurden. Folglich war man überzeugt, dass das Christentum zu Beginn der Wikingerzeit in Dänemark noch nicht existierte. Doch jetzt hat sich herausgestellt, dass die drei kleinen Amulette anderes ergeben haben.

„Dieser Fund ist ein Ingiz dafür, dass der Übergang zum Christentum keine Entscheidung einer Person wie die von Harald Blåtand war, sondern es war ein langsamer Prozess, der im Laufe der Zeit geschah“, sagt Søren Sindbæk.
Durch die Ausgrabungen in Ribe ist es den Archäologen auch gelungen, weitere interessante Erkenntnisse zu gewinnen. Unter anderem haben sie Teile einer Lyra aus dem Jahr um 720 n. Chr. gefunden, die ein Streichinstrument ist. (SH-UgeAvisen berichtete) Die Forscher haben noch nicht alle Funde untersuchen und bewerten können, und so kann es in naher Zukunft noch weitere spektakuläre Ergebnisse geben.

von

Günter Schwarz – 20.09.2018