(Haderslev) – Der deutsche Kapitän Gustav Schröder rettete fast 1.000 Juden aus Deutschland. Am Donnerstag feierten Deutschland und Israel ihn an seinem Geburtsort Haderslev. Der Name des deutschen Kapitän Gustav Schröder des Passagierschiffes „St. Louis“ von der Hamburg-Amerika Line wird sowohl in Deutschland als auch in Israel für seine Bemühungen zur Rettung von 937 jüdischen Flüchtlingen aus Deutschland im Jahr 1939 in Erinnerung bleiben.

In Hamburg sind eine Straße und ein Park nach ihm benannt, und Israel hat ihn mit dem Titel „Gerechter unter den Völkern“ geehrt, der Nichtjuden zugeteilt wurde, die ihr Leben aufs Spiel setzten, um Juden vor der jüdischen Verfolgung während der Nazi-Herrschaft in Deutschland zu retten.

Am Donnerstag wurde Gustav Schröder in seinem Geburtsort mit einer Gedenktafel geehrt.
Und die Tafel befindet sich in der Fußgängerzone in Haderslev – genau an der Storegade 9, wo sich heute ein Imerco Geschäft befindet. Hier wurde Schröder 1885 geboren, damals vor der Wiedervereinigung Sønderjylland mit Dänemark, als die Stadt noch deutsch war.

Sowohl der deutsche Botschafter Andreas Meitzner als auch der israelische Botschafter Benjamin Dagan beteiligten sich an der Enthüllung der Gedenktafel. „Inmitten der Dunkelheit der Verbrechen gab es glücklicherweise auch Leuchttürme, Zeichen der Menschlichkeit und Hoffnung, die immer noch Beispiele für uns sind“, sagte der deutsche Botschafter.


Kapitän Gustav Schröder
1939 war Gustav Schröder Kapitän des Kreuzfahrtschiffes „St. Louis“, der die 937 jüdischen Flüchtlinge, die verzweifelt Deutschland verlassen wollten, über Kuba in die Vereinigten Staaten bringen sollte. Das Schiff wenige Monate vor dem Ausbruch des 2. Weltkrieges den Heimathafen Hamburg am 13. Mai 1939. Die Flüchtlinge hofften, Asyl in den Vereinigten Staaten zu bekommen, sollten aber auf Kuba warten, bis ihnen die Einreise in die Vereinigten Staaten genehmigt würde. Als sie jedoch Kuba erreichten, durfte das Schiff zwar in einen Havanna einlaufen, aber niemand durfte das Schiff verlassen. Nach wenigen Tagen wurde Kapitän Schröder dann auch aufgefordert, den Hafen wieder zu verlassen. Das Land hatte einige Tage vor der Ankunft der Flüchtlinge die Einreisebedingungen verschärft, so dass Flüchtlinge, die vor der Ausreise aus Deutschland sogar ein Visum für Kuba erhalten hatten, jetzt eine beträchtliche Menge Geld mitbringen mussten, um ins Land einreisen zu dürfen.

Da weder Kuba, die Vereinigten Staaten noch Kanada die Flüchtlinge anlanden lassen und Aufnahme gewähren wollten, musste die „St.Louis“ zurück nach Europa fahren. Kapitän Schröder weigerte sich jedoch, nach Deutschland zurückzufahren, wo die Gefahr für die jüdischen Flüchtlinge bestand, festgenommen und in ein Konzentrationslager gebracht zu werden. Stattdessen ließ er das Schiff auf dem Atlantik herumfahren und führte verzweifelte Verhandlungen mit den Behörden verschiedener Länder, um einen Hafen zu finden, der die Passagiere des Schiffes aufnehmen würde.

Der Fall erregte seinerzeit große internationale Aufmerksamkeit, und am Ende stimmten Belgien, die Niederlande, Frankreich und Großbritannien zu, den jüdischen Flüchtlingen Asyl zu gewähren. Erst dann lief die „St. Louis“ den Hafen in der belgischen Stadt Antwerpen an.


Die jüdischen Flüchtlinge warten an Bord der St. Louis (Bild von der britischen „Ugerevy“ von 1939)
Kapitän Schröder starb 1959, und 1993 wurde er posthum zum „Gerechten unter den Völkern“ ernannt, eine Auszeichnung, die er zum Beispiel mit Oscar Schindler, bekannt aus dem Film „Schindler Liste“, teilt. Die Geschichte von Gustav Schröder wurde ebenfalls gefilmt. Der 1976er Film über die dramatische Reise der „St. Louis“ zwischen Europa und Kuba hieß „Voyage of the Damned“ (Reise der Verdammten) und der schwedische Schauspieler Max von Sydow stellte in dem Film Kapitän Schröder dar.

Heute freut sich Haderslev darüber, dass die Erinnerung an den großen – aber vielen unbekannten – Sohn der Stadt nun die Ehrung zuteil geworden ist. „Es ist eine weitgehend unbekannte Geschichte, also ist es höchste Zeit, dass diese unbekannte Geschichte bekannt gemacht wird, und dass es in der ;braunen Zeit‘ auch Deutsche gab, die ein Herz hatten“, sagte einer der Anwesenden bei der Zeremonie, der Rentner Jørn Buch.

von

Günter Schwarz – 21.09.2018