Die 18. Ausgabe des Højskolesangbogen (Hochschulgesangsbuch) mit ca. 700 gemeinsamen Liedern wird am 24. Oktober 2006 veröffentlicht. Im Vergleich zur vorherigen Ausgabe enthält das neue Gesangsbuch 100 neue Lieder, die eine Weiterentwicklung der dänischen Tradition des gemeinsamen Singens widergeben.

Das Højskolesangbog ist das meistgenutzte Liederbuch in Dänemark. Es ist weithin anerkannt, und enthält die wichtigsten Lieder aus dem dänischen Kulturerbe. Es wurde in 18 Ausgaben und mit insgesamt etwa 2,4 Millionen Exemplaren in den ersten 17 Ausgaben veröffentlicht.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich in Dänemark allmählich eine Tradition des gemeinsamen Singens, als sich Menschen trafen, um gemeinsam zu singen. Zunächst breitete sich das gemeinsame Liedgut in den wohlhabenderen Kreisen aus, die oft zu fröhlichen Festen wurden. Wissenschaftler und Gelehrtev erwiesen mit ihren Gesängen auf die europäische Kultur, die sich in Griechenland und im Römischen Reich entwickelt hatte.

Die Verbreitung des gemeinsamen Singens im gemeinen Volk entwickelte sich der Anfang des 19. Jahrhunderts ebrenfals, und es wurde im Jahr 1814 durch das neue Schulgesetz unterstützt, als man inspiriert von den Aufklärungsidealen die allegemeine Schulpflicht einführte, so dass alle Menschen das Lesen erlernten – und damit auch Texte von Liedern lesen konnten. Im dem Zeitraum wurde auch der Fokus mehr auf Werte wie das Vaterland, die Nationalromantik und die Slesvigske Krige (Schleswig-Kriege) Mitte des 19. Jahrhunderts gerückt.

N.F.S. Grundtvig war einer der wichtigsten Unterstützer in der Erwachsenenbildung und zum Teil inspiriert durch den Grundtvig-Schulen-Gedanken versuchte man, im Jahr 1844 eine Schule in Rødding nach diesem Vorbild zu schaffen, die zu Dänemarks ersten zählt, wenn man die Schule in Rendsburg (1841-1842) nicht mit einbezieht, und schon bald folgten mehr dieser Schulen. So ist das gemeinsame Singen, das immer noch in vielen Kreisen des Landes abgehalten wird, entstanden. Am Ende des 19. Jahrhunderts veröffentlichten drei Schulen eine Auswahl von etwa 700 Liedern, vor allem von Grundtvig als gemeinsamen Bezug für dieses Gesangbuch, und es bildete die Grundlage für das heutige Sangbog (Gesangbuch).

Im Jahr 1894 wurde das erste Højskolesangbog unter dem Titel „Sangbog udgivet af Foreningen for højskoler og landbrugsskoler og 506 udvalgte sange“ (Liederbuch des Verbandes der Hochschulen and Landschulen und 506 ausgewählte Lieder) veröffentlicht. In den ersten Jahren erschienen regelmäßig neue Ausgaben, deren Auflagenzahlen relativ klein waren. So wurde 1922 die 10. Auflage erreicht, und die jeweiligen Ausgaben erschienen in Auflagen von etwas mehr als 120.000 Exemplaren.

Von der 11. Auflage wurde das Buch umgangssprachlich „Folkehöjskolens Sangbog“ (Volkshochschulen Gesangbuch) genannt. Der große Durchbruch des Gesangbuches kam mit der 13. Ausgabe von 1939, das war die Ausgabe, die im 2. Weltkrieg in Verbindung mit den großen „Alsangsstævner“ (Alle-Singen-Kundgebungen) verwendet wurde. Patriotische Lieder hatten die Funktion des stillen Protests der Bürger gegen die deutsche Besatzung. Diese Ausgabe erreichte eine Auflage von 335.700 Exemplaren, bis sie dann von der 14. Ausgabe von 1951 ersetzt wurde.

Die 15. Ausgabe des Liederbuchs wurde neben den bisher enthaltenen dänischen und anderen nordischen Sprachen mit Liedern in Deutsch, Englisch und Französisch erweitert. Die 16. Ausgabe trug den Titel „Folkehøjskolens Sangbog“ (Volkshochschulen Gesangbuch), die 18. und letzte Ausgabe erhielt den Titel „Højskolesangbogen“ (Hochsculen Gesangbuch).

In der 17. Ausgabe wurde entschieden, die nicht-nordischen Lieder wegzulassen, aber in der 18. Ausgabe wurden wieder englische und deutschsprachige Lieder hinzugefügt, einschließlich fünf dänischer Lieder, die ins Englische übersetzt wurden. In der 18. Ausgabe gibt es 166 Lieder, die in der 17. Ausgabe nicht enthalten waren.

Ähnlich dem Højskolesangbogen gab es in Sønderjylland (Südjütland / Nordschleswig) zur Zeit der deutschen Besatzung von 1864 bis 1920 das „Blaue Liederbuch“.

von

Günter Schwarz – 24.10.2018