(Horsens) – Während in Deutschland immer mehr Handwerksbetriebe händeringend nach Auszubildenden in einem Handwerksberuf suchen und kaum – wenn überhaupt – geeignete Bewerber finden, sieht es in Dänemark diesbezüglich derzeit völlig anders aus.

Die Erhvervsskolen Learnmark Tech (Berufsschule Learnmark Technik) in Horsens erhält derzeit doppelt so viele Bewerbungen wie zuvor. Viele jungen Leute wollen Handwerker werden. Das war wie in Deutschland viele Jahre nicht der Fall, aber jetzt haben die Erhvervsskolen Rückenwind.

Das gilt nicht nur für Learnmark Tech Skole in Horsens, an der über 200 junge Menschen nach dem Schulschluß zu den Sommerferien eine handwerkliche Ausbildung anstreben. Das ist nochmals mehr als im Vorjahr und die Zahl der Bewerber hat sich im Vergleich zu 2017 fast verdoppelt.

Einer der Bewerber ist der 17-jährige Jacob Christensen, der jetzt in der 10. Klasse ist. „Ich benutze gerne meine Hände, und ich möchte am liebsten Maurer werden. Das Gute an einem Maurer ist, dass man nach 10-15 Jahren auf ein Gebäude zeigen und sagen kann: ,Das ist Maurerarbeit, die ich geschafft habe.‘ Das ist wirklich gute Handwerkskunst“, sagt Jacob Christensen.

Der Abteilungsleiter bei Learnmark, Kim Clausen, hat mehrere Erklärungen für den Erfolg. „Die Kommune hat in der Berufsschule eine 10. Klasse eingerichtet, was das Interesse der Schüler deutlich erhöht. Die Schüler haben hier die Möglichkeit, viele Berufsangebote zu testen, bevor sie sich entscheiden, und sie sind glücklich über diese Möglichkeit. Das trägt u. a. auch erheblich dazu bei, die Zahl der Schulabbrecher zu verringern“, sagt Kim Clausen.

Der 17-jährige Schüler Jacob Christensen ist in der 10. Klasse und hat den Wunsch, Maurer zu werden.

Junge Menschen in der schulischen Ausbildung wurden oft dadurch gebremst, dass sie keine Möglichkeit haben, in Berufe hineinzuschnuppern und so zumindest etwas Berufserfahrung zu sammeln. Dieses Problem ist bei uns in der Learnmark Skole jedoch nicht sehr groß. „In Horsens ermöglichen wir denjenigen, die können und wollen, auch ein Praktikum in verschiedenen Berufsgruppen anzubieten, die wir hier haben. Sowohl in der Kommune als auch in der Erwerbswelt herrscht darüber großes Wohlwollen“, sagt Kim Clausen.

Die Aussicht auf dauerhafte Arbeit motiviert auch Jacob Christensen. „Für mich ist es aufregender und interessanter, mit den Händen zu arbeiten, als jahrelang in einem Klassenzimmer zu sitzen und etwas zu lesen – und dann eine Ausbildung zu machen. Dann gehe ich lieber für vier Jahre in Learnmark zur Schule, und dann habe ich einen Job, wenn ich fertig bin“, sagt er.

Bei Learnmark kann man unter anderem einen Einblick in die Berufe als Mechaniker, Elektriker, Schmied, Pflasterer und Maurer bekommen und diese Berufe in der Paxis ausprobieren.

Im Februar teilte die Aarhus Tech mit, dass sie nicht genügend Kochschüler für die vielen Restaurants zur Verfügung stellen kann, die diese nachfragen.

von

Günter Schwarz – 14.03.2019