Der dienstälteste Statsminister (Titel des dänischen Regierungschefs) seit dem Zweiten Weltkrieg und der einzige konservative Statsminister seit dem Systemwechsel im Jahr 1901 Poul Holmskov Schlüter, der das Amt von 1982 bis 1993 inne hatte, wird am 03. April 1929 in Tønder geboren.

Poul Schlüter wurde als Sohn des Herstellers und Großhändlers von Schokoladenprodukten der Tønder Schokoladenfabrik, Johannes Valdemar Schlüter (1899-1965) und Ehefrau Else Katrine Holmskov (1904-2002) geboren. Nach seinem Studium an der Aarhus Universitet und der Køpenhavn Universitet war Poul Schlüter cand.jur. von letzterem im Jahr 1957 und später im Jahr 1960 Rechtsanwalt. Während seines Studiums in Køpenhavn lebte er im Nordisk Kollegium in Østerbro.

Seine politische Karriere begann Poul Schlüter in der konservativen Jugend. 1952 wurde Poul Schlüter zum Landesvorsitzenden des Nationalrats der konsservativen Jugendorganisation in Kolding gewählt, was er bis 1955 blieb.

Von 1964 bis 1994 war Poul Schlüter Mitglied des dänischen Parlaments, des Folketings, für Det Konservative Folkeparti (Die Konservative Volkspartei), deren Vorsitz er von 1974 bis 1977 und erneut von 1981 bis 1993 hatte. In der Zeit als Abgeordneter des Folketings vertrat er auch die Kommune Gladsaxe als stellvertretender Bürgermeister unter dem Bürgermeister Erhard Jakobsen.

Zudem war er von 1971 bis 1974 Mitglied des Europarates, von 1978 bis 1979 Chef der dänischen Delegation im Nordischen Rat und Mitglied des Ratsbüros. 1984 wurde er zum „Politiker des Jahres in der nordischen Region“ ernannt. Mitglied des Europäischen Parlaments war Poul Schlüter von 1994 bis 1999 und dessen Vizepräsident von 1994 bis1997.

Seinen Vorgänger, den Sozialdemokraten Anker Jørgensen, der nach anhaltenden Auseinandersetzungen mit der LO (Gewerkschaftsverband) und wirtschaftlichen Problemen, die die Regierung nicht lösen konnte zurückgetreten war, folgte ihm Poul Schlüter im Amt des Regierungschefs am 10. September 1982 .

Der erste Teil von Schlüters Zeit als Statsminister war durch eine straffe Wirtschaftspolitik gekennzeichnet, die in der sogenannten „Kartoffelkur“ mündete und die dänische Wirtschaft nach der Krise der 1970er Jahre wieder ins Gleichgewicht brachte. Das erste von ihm gebildete Kabinett bestand aus einer Koalitionsregierung, die in Dänemark die „Viererkleeblatt-Koalition“ genannt wurde. Sie bestand aus den konservativ-bürgerlichen Parteien Venstre (Rechtslibarale Partei), Det Konservative Folkeparti, Kristeligt Folkeparti und Centrum-Demokraterne.

Der letzte Teil seiner Regierungszeit wurde maßgeblichdurch den langjährigen „Tamilen Fall“ gekennzeichnet, bei dem es um die Familienzusammenführung tamilischer Flüchtlinge aus dem Bürgerkrieg in Sri Lanka ging, Der Fall führte die konservative Regierung unter Poul Schlüter dazu, nach dem Tamilen Bericht des Staatesrechtlers Mogens Hornslet am 14. Januar 1993 vor Ablauf der Legislaturperiode zurückzutreten.

Poul Nyrup Rasmussen von den Socialdemokraterne bildete dann eine Regierung, die Poul Schlüter ablöste.

Poul Schlüter heiratete am 16. März 1963 Majken Steen-Andersen (geb. 05. September 1934), von der er später geschieden wurde. Am 20. September 1979 ging Schlüter seine zweite Ehe mit der Assistenzprofessorin Lisbeth Povelsen (Lisbeth Schlüter) (* 12. April 1944 – 17. Februar 1988) ein und heiratete nach dem Ableben seiner zweiten Ehefrau durch eine Krebserkranung am 21. Juli 1989 erneut. Mit der Ballettschulleiterin Anne Marie Vessel Schlüter (* 1. Mai 1949) ist er bis heute verheiratet.

Sein Sohn Peter Schlüter vertrat Det Konservative Folkeparti als Mitglied in Københavns Bürgerschaft von 2006 bis 2008.

von

Günter Schwarz – 03.04.2019