In einer Welt der „visuellen Medien“ sind viele Branchen auf die Mitarbeit von kreativen Berufen angewiesen. Wir alle mögen uns keine Kinderbücher ohne lustige Illustrationen vorstellen. Zahllose Internetseiten bedienen sich Content-Texter und Autoren, die für spannende und interessante Inhalte sorgen. Fotografen und Videografen sorgen für Bebilderung solcher Artikel und Beiträge. Die Rede ist nun nicht von sog. „Influencern“, die mit ihrem Smartphone auf Instagram ein paar Bilder knipsen, sondern von echten Fotografen und Filmern, die das Ganze nicht nur gelernt haben, sondern auch die teilweise sündhaft kostspielige Technik mit an den Start bringen.

All diese Berufe haben gemeinsam, dass sie in den seltensten Fällen eine Festanstellung bekommen, und dass sie mit ihrer selbstständig-freiberuflichen Tätigkeit kaum überleben können. Dies nicht, weil der Markt zu wenig Arbeit oder Nachfrage hat, sondern weil die Honorare weit unter einem „Mindestlohn“ liegen. Diese Leute verdienen dann also nicht nur kaum mehr, als jemand auf Hartz IV, sondern sämtliche Steuern, Abgaben und Versicherungen wollen dann auch noch selbst bezahlt werden. Das ist ein unhaltbarer Zustand.

Zwar gibt es Tabellen mit sog. „International Freelance Rates“, an denen man faire Honorare ablesen könnte: Nur hält sich in diesem ach doch so „sparsemen“Land niemand daran, denn schießlich warb schon der Media-Markt mit dem Slogan „Geiz ist geil!“.

Wir gehen nicht davon aus, dass sich an diesem Zustand in naher Zukunft etwas ändert. Die Politik erkennt keinen Handlungsbedarf, und die Öffentlichkeit hat kein Interesse. Die Auftraggeber natürlich auch nicht. Spart man mit der Beschäftigung von Freiberuflern doch die Sozialabgaben… und wenn der arme Wurm dann 2 Tage lang für 30 Euro schuftet, kann der eigene Umsatz nur steigen.

Das ist traurig, denn es gibt sicher viele künstlerisch begabte Kinder. Leider sollte man diesen dann rechtzeitig erklären, dass es sinnvoller ist, Klempner, Straßenreiniger oder Klofrau zu werden. Dann nämlich könnte man von dem Gehalt zwar auch nicht richtig leben aber zumindest überleben.

Das Land der Dichter und Denker braucht keine neuen Schriftsteller oder Künstler… die verhungern hier alle. Und besonders Kommentare in den Sotialen Netzwerken beweist es tagtäglich. Aus dem Volk der Dichter und Denker ist ein Volk von zahllosen Analphabeten geworden, von denen viele kaum ihren eigenen Namen fehlerfrei zu schreiben vermögen.

Als Betroffener wünscht man sich einen Streik. Webseiten und Broschüren voller blödsinniger Textbeiträge voller Rechtschreibfehler; ganz ohne jede Illustration oder Bebilderung. Kinderbücher ohne kleine Hasen und Igel… u.s.w. Vielleicht sähe die Öffentlichkeit dann, was diese Kreativen am Ende leisten.