Am 27. April 1998 bricht mit dem sogenannten „Storkonflikten“ (Großer Konflikt) im Arbeitskampf ein Streik der dänischen Arbeitnehmer ohne ZUstimmung ihrer Gewerkschaften aus.

Der „Storkonflikten“ im Jahr 1998 begann nach einer Urabstimmung, bei dem überraschenderweise die von den Gewerkschaften ausgehandelten Vereinbarungen und der darauf folgende Vermittlungsvorschlag abgelehnt wurden. Daraufhin kam es zu einem ausgedehnten Streik, der sich in der Erinnerung der dänischen Bevölkerung als „Hefekrise“ verfestigt hat.

In den Gewerkschaften muss einem Tarifvertrag von allen Mitgliedern zugestimmt werden, und zum ersten Mal seit 1956 stimmten die Mitglieder trotz aller Empfehlungen der Gewerkschaftsführung mit Nein. Somit war der „Storkonflikten“ ab dem 27. April Realität, indem die Arbeitnehmer ihre Arbeit niederlegten.

Nach dreimonatigen Verhandlungen hatten die Chefverhandler der CO-Industrie (Zentralverband der Industrieangestellten in Dänemark ), Max Bæhring und Willy Strube, für ihre Mitglieder der CO-Industri bessere Renten und höhere Löhne vereinbart. Allerdings stimmten 55,8% der Mitglieder aufgrund der Nichtzusage einer sechsten Urlaubswoche nicht für die Vereinbarung. Etwa 450.000 Industriearbeiter und -angestellte stellten dann am 27. April 1998 ihre Arbeit ein.

Die Busse fuhren nicht mehr, Postfächer waren gesperrt, da sie nicht geleert wurden. Die Zeitungen kamen nicht heraus, und die Geschäfte konnten keine Waren mehr verkaufen, weil sie nicht länger beliefert wurden. Die Arbeitgeber kündigten als Reaktion zum 5. Mai eine Aussperrung für 45.000 Einzelhandelsangestellte und 15.000 Elektriker an.

Am 6. Mai intervenierte die Nyrup-Regierung und legte einen Vorschlag für ein Gesetz vor, das dem Ergebnis der Tarifverhandlungen des Frühlings recht nahe kam und welches in der Abstimmung abgelehnt worden war. Die Streikenden erhielten demnach nicht die von ihnen geforderte sechste Urlaubswoche – diese wurde jedoch im Jahr 2000 Teil der nächsten Tarifvereinbarung.

Während des großen Konflikts verursachten die Streiks leere Brotregale in den Geschäften für Backwaren, und es entstand ein regelrechter Schwarzmarkt für ausländische Hefe zu deutlich höheren Preisen. Ein Norweger flog sogar Hefe in einem Privatflugzeug nach København – völlig kostenlos und als Dankeschön für all die Biere, die der Norweger in Dänemark im Laufe der Jahre genossen hatten, wie er damals im Fernsehen erzählte.

von

Günter Schwarz – 27.04.2019