Auch in Dänemark werden wie südlich der Grenze, in Deutschland, weitere Ressourcen benötigt, wenn der Gesundheitsdienst weiterhn funktionieren soll. Das heißt, die Krankenschwester Camilla Weber, die in der häuslichen Pflege tätig ist, braucht zur Aufrechterhaltung der Krankenversorgung dringend mehr Kollegen.

Nach Angaben der Regierung und der Dansk Folkeparti (Dänische Volkspartei) ist eine neue Gesundheitsreform nötig, da schon jetzt einige der Behandlungen, die normalerweise im Krankenhaus durchgeführt werden, von einem Hausarzt durchgeführt werden müssen, da es an allen Ecken an Ärzten und dem Pflegepersonal mangelt. Der Krankenversorgung steht das Wasser buchstäblich bis zum Halse

„Wenn ein Patient das Krankenhaus verlassen kann, ist es oft weitaus besser. Es erfordert jedoch, dass die daheim weiterpflegenden Schwestern und Pfleger die entsprechenden Kompetenzen dafür bekommen und weiteres Pflegepersonal in den Gemeinden vorhanden ist. Dann sehe ich kaum, welche Aufgabe wir im eigenen Heim der Patienten nicht lösen könnten“, sagt Camilla Weber .

Laut dem dänischen Pflegerat werden im Jahr 2025 landesweit 6.600 Krankenschwestern fehlen, wenn es keine weiteren Ausbildungsplätze gibt und die Weiterbildung nicht verbessert wird. Camilla Weber spürt es, wenn sie bei der täglichen Arbeit ist. Viele ihrer Aufgaben sind zeitaufwändig, was bedeutet, dass viele ständig auf der Hut sein müssen, um die Gesamtaufgabe zu bewältigen.

„Da es an Krankenschwestern mangelt, stehlen wir einander gegenseitig die Krankenschwestern. Wenn ich eine neue Kollegin oder einen neuen Kollegen finde, weiß ich auch, dass gleichzeitig in irgendeiner Krankenhausabteilung jemand fehlt. Ein Loch wird gestopft, indem man woanders eines aufreißt“, sagt sie.

In einer TV-Debatte von TV 2 wurde über das Gesundheitssystem diskutiert, und Camilla Weber hat die Debatte mitverfolgt, denn als Krankenschwester in der Kommune Svendborg ist sie es gewohnt, mit den Patienten zu arbeiten. Und es ist eine Herausforderung, in der häuslichen Pflege arbeiten zu müssen, wo das Improvisieren an der Tagesordnung ist.

Im Oktober kündigte die Partei der Socialdemokraterne an, 500 Mio. Kronen (67 Mio. Euro) für die Beschäftigung von 1.000 weiteren Krankenschwestern im Gesundheitssektor bereitzustellen, während die Regierung zusammen mit der Dänischen Volkspartei den Zugang zur Krankenpflegeausbildung bis 2022 um insgesamt 2.000 erhöhen will. Doch keiner der Vorschläge ist ehrgeizig genug, sagt Camilla. Weber. „Sie müssten dann auf die Gemeinden, die Regionen und die Psychiatrie verteilt werden und wo sonst Krankenschwestern arbeiten. Wir arbeiten jetzt schon rund um die Uhr, vielleicht würde es helfen, auch mir mal eine neue Kollegin geben“, sagt sie.

Für Camilla Weber ist es nicht so wichtig, ob die Rahmenbedingungen für das Gesundheitswesen in Zukunft als Regionen oder Gesundheitsgemeinschaften bezeichnet werden. Das Wichtigste für sie ist, dass die Zusammenarbeit insgesamt besser und mehr medizinisches Personal vorhanden sein wird „Wir müssen enger zusammenarbeiten und die Fähigkeiten des anderen besser nutzen“, sagt sie.

Sie sieht neue Geräte und neue Technologien als großen Vorteil in der Behandlung außerhalb der Spezialabteilungen der Krankenhäuser. Es braucht aber mehr, wenn es gelingen soll, bei den Bürgern mehr Nähe zu schaffen. „Ich hoffe, die Damen und Herren Politiker haben auch schon bemerkt, dass einiges an Ressourcen benötigt wird – sowohl finanziell als auch personell – wenn sie einige Aufgaben von den Krankenhäusern in die Kommunen verlagern möchten“, sagt Camilla Weber.

von

Günter Schwarz – 11.05.2019