(Viborg) – Möwen stehen besonders selten hoch im Kurs sowohl bei Einheimischen als auch bei Touristen. Manche dieser Vögel werden besonders frech wie die Lachmöwen in Viborg, die momentan einige Einwohner der Stadt in Midtjylland (Mitteljütland) nerven.

Die Lachmöwen terrorisieren die Bewohner eines Teils Viborgs geradezu. Und man wird sie nicht los. Schon seit einigen Jahren plagen ein paar Lachmöwen die Bewohner eines Moores an Viborgs Stadtrand. Bisher war jeder Widerstand gegen die Vögel vergeblich, und jetzt möchte man etwas anderes probierenen. So klingt es zumindest von Henrik Back, der eine große und schöne Terrasse an seinem Haus hat, auf der er keine Ruhe mehr findet.

„Wir brauchen die überhaupt nicht, denn die machen so viel Krach, dass man draußen kein Gespräch führen kann, da man kaum sein eigenes Wort versteht“, sagt Henrik Back. Tatsache ist, dass sein Haus direkt neben dem Moor mit hunderten höllisch kreischenden Lachmöwen liegt. „Nur nachts zwischen zwei und vier Uhr ist es ruhig, weil es dann ganz dunkel ist. Sonst haben wir keinen Frieden und keine Ruhe mehr hier“, sagt Henrik Back.

Während des gesamten Frühlings und Frühsommers müssen die Bewohner von Søndre Mose bei Viborg dem heiseren Gekrächze der Lachmöwen Gehör schenken. „Während der Brutzeit, die von April bis Ende Juni dauert, sind sie besonders aktiv“, sagt Anders Haugstrup Andersen, Projektleiter bei der Kommune Viborg.

Die Möwenkolonie entstand, nachdem die Gemeinde vor 20 Jahren im Rahmen eines Renaturrestaurierungsprojekts den Wasserspiegel des Moores angehoben hatte. Aber das Moor ist geschützt, und so ist es also schwierig, an diesem Zustand etwas zu ändern. „Man hätte damals nicht einmal gedacht, dass wir heute in dieser Situation stecken könnten“, sagt Anders Haugstrup Andersen.

In einem Moor in Viborg plagen seit einigen Jahren die Lachmöwen die Anwohner. Jetzt soll die Wissenschaft helfen.

Jetzt will die Kommune zudem noch einen neuen Wohnbezirk auf der anderen Seite des Moores ausweisen. Die Probleme werden also nicht geringer.

„Wenn wir hier ein großen Wohngebiet bebauen wollen, müssen wir auch eine Lösung finden“, sagt Kai O. Andersen von SF, stellvertretender Vorsitzender des Klima- und Umweltausschusses in Viborg. Daher hat die Kommunee jetzt die Universität Aarhus zu einer Zusammenarbeit mit den Bewohnern gebeten, um nach einer Lösung zu suchen. „Es erfordert einige Gespräche, und ich hoffe, wir finden auch einige Lösungsansätze, die vielleicht sogar untraditionell und ,etwas anders‘ sein mögen“, sagt Kai O. Andersen.

Die Anwohner haben das Gefühl, nach und nach schon alle legalen Methoden ausprobiert zu haben. „Wir stecken fest, aber ich hoffe, sie finden eine Lösung, denn sie sind schlauer als wir und könnten doch noch etwas finden“, sagt Henrik Back.

Jetzt verlassen sich die Anwohner auf die Wissenschaft, um die Lachmöwen loszuwerden. Bei ausreichender Unterstützung durch die Anwohner will sich die Universität Aarhus im Herbst mit dem Möwenkonflikt befassen. Das Verfahren erinnert ein wenig an das Projekt des Möwendialogs von Holstebro im vergangenen Jahr.

Die Kommune Holstebro engagierte sich ernsthaft im Kampf gegen lautstarke Möwen, die auf den Dächern der Stadt lebten.

von

Günter Schwarz – 28.05.2019