(Marielyst) – Ein Seeadler mit GPS-Sender auf dem Rücken ist tot, nachdem er in eine Windmühle geflogen ist. Er war Teil eines Projekts, das Wissen über die Flugbewegungen der Seeadler in Dänemark vermitteln soll.

Es war ein trauriger Anblick, den die freiwilligen Helfer der Dansk Ornitologisk Forening (Dänischen Ornithologischen Gesellschaft) am Montagmorgen in dieser Woche antrafen. Der Seeadler „Viola“, der an einem sogenannten GPS-Projekt teilgenommen hatte, lag tot unter einer 75 Meter hohen Windkraftanlage westlich von Marielyst auf Falster. Ein Flügel fehlte fast ganz.

„Als ich nach dem Wochenende auf die Arbeit kam, konnte ich schon sehen, dass das GPS-Signal tot war. Durch Google Streetview konnte ich herausfinden, dass er unter einer Windmühle liegen musste“, sagt Daniel Palm Eskildsen, Biologe bei der Dansk Ornitologisk Forening.

„Wir sind sehr traurig über den Verlust eines Adlers im Projekt, da er uns keine weiteren Daten mehr sendet, aber wir wissen, warum er tot ist, und wir hätten es nicht gewusst, wenn an ihm kein GPS-Sender angebracht gewesen wäre“, erzählt Daniel Palm Eskildsen.

Im Moment fliegen in Dänemark sechs sjunge Seeadler mit einem GPS-Sender auf dem Rücken herum. Sie tun dieses, weil die Dansk Ornitologisk Forening in Zusammenarbeit mit der Universität København ihre Flugbewegungen untersucht, um mehr darüber zu erfahren, wo die Seeadler ihre Lebensräume haben und wo und wie sie sich bewegen. „Viola“ war einer der Seeadler, die an dem Projekt teilgenommen haben.

„Violas“ Schwester, GPS-Seeadler Ditte, auf der Suche nach einem Sitzplatz im September 2018 / Foto: Christine Nielsen – Dansk Ornitologisk Forening

Insgesamt waren zehn Seeadler an dem Projekt beteiligt, aber jetzt sind nur noch sechs übrig. Neben dem „Viola“-Adler, der bei einer Kollision mit einer Windmühle verstorben ist, ist einer der GPS-Adler an der Vogelgrippe gestorben, und zwei sind aus unbekannten Gründen gestorben.

„Viele Seeadler, die sterben, werden nicht gefunden. Dann liegen sie einfach irgendwo herum und werden von einem Fuchs oder von anderen Raubtieren und Vögeln verzehrt, weil sie irgendwo liegen, wo keine Menscbhen hinkommen. Es gibt also wahrscheinlich viele Seeadler, die sterben, aber wir wissen nicht, warum. Dank des GPS-Projekts wissen wir besser, wie und warum sie sterben“, sagt Daniel Palm Eskildsen.

Die Seeadler im GPS-Projekt waren ungefähr 50 Tage alt, als sie die GPS-Sender auf den Rücken bekamen. Der Sender und das Geschirr, die die Technik am Vogel fixieren, wiegen insgesamt 80 Gramm.

„Viola“ kam im April 2018 in einem Nest am Hostrup-See in Sønderjylland (Südjütland) zur Welt. Alles deutet darauf hin, dass sie gesund und munter war, als sie am 31. Mai mit der Windmühle kollidierte. In den Tagen vor dem Unfall hat „Viola“ das Land vom Brutgebiet am Hostrupsee über Fyn (Fünen), Langeland und Lolland durchquert, bevor sein Leben in Falster von Windkraftanlagenflügeln beendet wurde.

Windkraftanlagen haben schon zuvor Seeadler getötet. Hier ist ein Seeadler, der im Mai 2013 in Skagen von einem Windrad getötet wurde. / Foto: Knud Pedersen – Dansk Ornitologisk Forening

Das GPS-Projekt wurde aufgelegt, um Politiker dazu zu bewegen, gute Entscheidungen über die Pflege des Seeadlers zu treffen. Die Kenntnis über die Flugbewegungen der Seeadler kann beispielsweise bei der Erstellung von Plänen für die Aufstellung von Windkraftanlagen verwendet werden.

„Wir sind nicht gegen Windkraftanlagen, denn Windenergie ist eine gute erneuerbare Energiequelle. Wir sind jedoch gegen unangemessene Standorte großer Windkraftanlagen in Gebieten, in denen wir große Vogelwanderungen kennen oder in denen viele Vögel leben“, sagt Daniel Palm Eskildsen.

Für die nächsten drei Jahre müssen zusätzliche GPS von zwei bis drei Seeadlern pro Jahr bereitgestellt werden. „Es sind noch nicht genügend Daten gesammelt worden, um eine umfassende Analyse speziell von Seeadlern und den Windkraftanlagen abzugeben. Wir sind jedoch auf dem Weg dorthin, und unser Ziel ist, dass wir helfen können, zu sagen, dass dies genau hier in diesem Bereich der Fall ist, Vielleicht war es keine gute Idee, hier eine Windmühle aufzustellen“, sagt Daniel Palm Eskildsen.

In Dänemark leben momentan 958 Seeadler, die von einem Heer von Freiwilligen beobachtet werden. Diese Leute berichten der Dansk Ornitologisk Forening, ob die Adler brüten und wie es den Adler geht.

Wer einen toten Adler in freier Wildbahn findet, meldet ihn in der Regel an die Dansk Ornitologisk Forening.

Fakten zum Seeadler – Nordeuropas größtem Greifvogel

  • Der Flügelfang des Seeadlers kann bis zu 240 Zentimeter betragen
  • Das Weibchen kann bis zu 7 Kilo wiegen, das Männchen meist nur 5 Kilo
  • Der Seeadler wurde Ende des 19. Jahrhunderts in der dänischen Natur ausgerottet
  • Der Bestand an Seeadlern nimmt nach der Wiederzuwanderung nach Dänemark Mitte der 1990er Jahre zu
  • Die Dansk Ornitologisk Forening überwacht über einen sogenannten Redo-Koordinator alle brütenden Adlerpaare in Dänemark

Quelle: Dansk Ornitologisk Forening

von

Günter Schwarz – 08.06.2019